Top-Ten Alben 2018

Gerade hat das spanische Festival „Primavera Sound“ sein Line-up für 2019 veröffentlicht. Das besteht zu über 50 Prozent aus Künstlerinnen. Es wäre schön, dies würde Schule machen, denn Künstlerinnen sind auf nationalen wie internationalen Festivals leider Mangelware. Nicht so in dieser Jahres-Top Ten – 60 Prozent sind es hier. Das hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun, sondern rein qualitative Gründe. Sie waren einfach zu gut…

Meine Top Ten 2018

1. Cat Power „Wanderer“

2. Ex:Re „Ex:Re“

3. Soap&Skin „From Gas To Solid / You Are My Friend“ Weiterlesen

Cat Power: Wanderer

Die Freude über die Rückkehr Chan Marshall, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Cat Power, ist riesig. Die letzte Begegnung mit ihr war im Sommer 2014 anlässlich ihres Gastspiels in der Escher Rockhal. Und es war ein Abend, den wohl niemand vergessen werden kann, der ihn miterlebte. Er war sehr schön und sehr verstörend. Weiterlesen

Florence + The Machine: High As Hope

„Da ist sehr viel Liebe in dieser Platte, auch Einsamkeit, aber sehr viel Liebe“, sagt Florence Welch über „High As Hope“. Es ist das vierte Album ihrer Band Florence + The Machine, auch Florence And The Machine geschrieben. Auf dem hat sie sich von der Harfe, also jenem Instrument, das die Songs zu Beginn ihrer Karriere bestimmt hatte, noch nicht ganz verabschiedet. Sie ist aber deutlich in den Hintergrund gerückt und nicht mehr omnipräsent. Geblieben ist Welchs Hang zu ausschweifenden, groß angelegten Kompositionen. Obwohl sie nicht die ganz großen Klangwände aufzieht, sagt sie unmissverständlich: „Ich werde niemals minimal sein.“ Streicher, Piano, Choreinlagen und ihre unverwechselbare, sirenenhafte Stimme bestimmen weiterhin die „High As Hope“-Songs. Weiterlesen

Courtney Barnett: Tell Me How You Really Feel

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb vor dreieinhalb Jahren über die Australierin Courtney Barnett, sie stehe mit „einem Bein im Grunge“ und in der „Tradition der wild wuchernden Folk-Lyrik und des Talking Blues“ eines Woody Guthrie und Bob Dylan. „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“, das Debütalbum der jungen Singer-Songwriterin, wurde nahezu überall in den Himmel gelobt und landete in einigen Jahresbestenlisten. Wenig verwunderlich, denn Barnett überzeugte auf Anhieb, weil sie einerseits im Stile einer Polly Jean Harvey ihren Unmut herausschrie und dabei den Verzerrer ihrer E-Gitarre einschaltete und andererseits ruhige Lieder abseits des Massenstroms zum Besten gab. Weiterlesen

Starcrawler: Karriere statt Schulabschluss

Jugendliche Unbekümmertheit hat der Rockmusik noch nie geschadet. Sängerin Arrow De Wilde (19 Jahre alt), Gitarrist Henri Cash (17), Bassist Tim Franco (21) und Schlagzeuger Austin Smith (22) sind ein aktuelles Beispiel für diese These. Sie stammen aus Los Angeles, wo sie 2015 an einer Schule in Echo Park als Starcrawler zusammenfanden. Ob sie die neuen Heilsbringer des Rock’n’Roll werden, wie es einige Kritiker vermuten, bleibt abzuwarten. Für ein beachtliches Gitarrenrock-Debüt („Starcrawler“) hat es aber schon gereicht. Ein Gespräch mit Gitarrist Cash.

Stimmt es, dass Sie noch zur Highschool gehen?
Ich bin mittlerweile nicht mehr auf der Schule. Aber das war zu Beginn unserer Band so.

War es schwierig, zugleich Schüler und ambitionierter Musiker zu sein?
Oh ja. Die Schule wollte uns nämlich verbieten, auf Tour zu gehen. Dann hätten wir ja zu viele Schultage verpasst. Da es eine öffentliche Schule ist, machen sie kein Geld, wenn wir nicht da sind. Sie haben viel Wirbel um uns veranstaltet und uns harte Sanktionen und Geldstrafen angedroht, nur damit wir keine Fehltage haben. Aaron machte kurz vor unserer ersten Tour ihren Abschluss, ich indes verließ die Schule. Weiterlesen

The Soft Moon: Live kraftvoller und intensiver

Multiinstrumentalist und Produzent Luis Vasquez macht seit 2009 unter dem Namen The Soft Moon Musik. Mit seinem düsteren Postpunk/Darkwave/Industrial Rock kommt der US-Amerikaner am Sonntag nach Saarbrücken. Ein Gespräch mit ihm.

Wann realisierten Sie, dass sie Vollzeitmusiker sein wollen?
Die Musik wurde kurz nach Erscheinen meines zweiten Albums „Zeros” im Jahr 2012 zum Vollzeitjob. Ich wusste allerdings schon mit zwölf Jahren, dass ich Musiker werden wollte. Damals war ich generell sehr auf Kunst fixiert, ich musste mich nur noch für eine Kunstdisziplin entscheiden. Letztlich entpuppte sich die Musik als die natürlichste Wahl. Weiterlesen

Louka: Ich hatte Glück

Die Saarländerin Lisa Marie Neumann, besser bekannt als die Pop-Singer/Songwriterin Louka, lebt seit drei Jahren in Berlin. Zuvor studierte die 31-Jährige Popmusikdesign an der Popakademie in Mannheim, wo sie auch ihre frühere Band marie and the redCat fand. Ein Gespräch mit Neumann im Rahmen ihres jüngsten Abstechers ins Saarland.

Wann hatten Sie realisiert, dass Sie singen und live auftreten wollen? Gab es einen entscheidenden Moment?
Es gab nicht diesen einen Tag. Ich habe schon immer Musik gemacht. Ich spielte bis ich 15 oder 16 war Geige. Dann war ich von der Klassik genervt und habe – mehr schlecht als recht – Gitarre gelernt. Ich begann, eigene Songs mit englischen Texten zu schreiben und hatte verschiedene Bands – eine davon war marie and the redCat. Weiterlesen

Donots: Musik kann die Welt nicht verändern

Die Resonanz auf „Lauter Als Bomben“, das neueste Album der Münsteraner Punk/Alternative Rocker Donots, ist flächendeckend positiv. Mit Platz vier haben die fünf Musiker hierzulande sogar ihre bis dato höchste Album-Chartplatzierung erreicht. Ein Gespräch mit Sänger Ingo Knollmann.

Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Musik lauter als Bomben sein können? Oder wie ist der Titel zu verstehen?
Nein. Wenn man es ganz platt betrachten will, so glaube ich nicht, dass Musik die Welt verändern kann. Aber ein Song kann durchaus dabei helfen. Ich bin mir im Klaren darüber, dass wir Unterhaltung machen, selbst wenn in unseren Texten sozialkritische oder politische Aussagen mitschwingen. Das sollte bei einer Punkband auch bestenfalls so sein. Der Albumtitel kommt ja in zwei Songtexten vor und hat ein Mal eine positive und ein Mal eine negative Entsprechung. Das Negative bezieht sich auf die Kriegstreiberei und das 140-Zeichen-Großbuchstaben-Getwitter, das derzeit weltweit grassiert. Auf der anderen Seite soll „Lauter Als Bomben“ positive Signale senden, wenn es an einer Stelle heißt: „Unsere Köpfe könnt ihr niemals haben / Weil unsere Herzen lauter als Bomben schlagen“. Weiterlesen

Tocotronic: Die Unendlichkeit

Die Hamburger Schule haben Tocotronic längst hinter sich gelassen und sich seit deren Hochzeiten weiterentwickelt. Ihre Musik ist nicht nur erwachsener und erhabener, sondern auch vielfältiger geworden. Ihr neuestes Werk, „Die Unendlichkeit“, ist größtenteils ein Rock-Album. Das eröffnet mit einem regelrechten Wow-Effekt: dem Titelstück, in dem Postrock-Einflüsse mit schwerfälligen, dunklen Gitarrenakkorden, die schon als Black Metal-Anklänge beschrieben wurden, und psychedelischen Soundflächen fusionieren. Sofort haben Tocotronic die Aufmerksamkeit des Hörers geweckt. Die ist ihnen auch in der Folge sicher: In „Electric Guitar“ galoppiert die Band von Streichern begleitet durch die Prärie, während Frontmann Dirk von Lowtzow von einer jugendlicher Liebe, Haarspray und Pickeln erzählt. Der „Musikexpress“ fühlte sich nicht ganz zu Unrecht an Chris Isaak erinnert. Experimentell wird es in „Unwiederbringlich“, ein Lied über den Tod. Kurz vors Ende haben Tocotronic die Akustikballade „Ich Würd’s Dir Sagen“ und das epische „Mein Morgen“ platziert und damit viel zur Dynamik dieses Albums beigetragen. Weiterlesen

Interview: Baroness

John Dyer Baizley ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Baroness. Die ist für Progressive/Sludge Metal ebenso bekannt wie für die von Baizley gezeichneten Coverbilder und die Tatsache, dass jedes Album nach einer Farbe benannt ist. Ein Gespräch mit Baizley, der mit Baroness gerade durch Europa tourt. Weiterlesen

Slowdive: Slowdive

22 Jahre nach ihrem letzten Album wieder neue Musik zu veröffentlichen, das kann man mal machen. Das ist auch gerne gesehen, wenn das Ergebnis so klingt wie „Slowdive“, das Comeback-Album gleichnamiger Band. Vielleicht stehen die Sterne heutzutage besser für das Quintett aus dem englischen Reading. Leider reichte es in der ersten Phase ihrer Karriere nicht für die erste Liga. Ihr Shoegaze/Dreampop-Sound war damals schon gut, aber die mediale Aufmerksamkeit wurde anderen Bands aus diesem seinerzeit florierenden Genre zuteil: My Bloody Valentine und The Jesus And Mary Chain etwa. Zudem haderten einige Kritiker mit dem Sound der Band. Weiterlesen