Ozzy Osbourne: Ordinary Man

In den letzten beiden Jahren musste Ozzy Osbourne die gemeinsame Tournee mit Judas Priest aus gesundheitlichen Gründen zwei Mal verschieben. Erst sollte sie Anfang 2019, dann Anfang 2020 stattfinden. Nunmehr ist sie für November/Dezember angedacht. Im Januar erklärte er dann, an Parkinson erkrankt zu sein. Dabei hatte er in den vergangenen Monaten bereits mit einer Lungenentzündung und den Folgen eines Sturzes zu kämpfen. Umso erfreulicher ist es bei diesen Negativschlagzeilen, dass er mit „Ordinary Man“ (Sony Music) das erste Album seit 2010 („Scream“) veröffentlicht hat.

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Belle & Sebastian „Days Of The Bagnold Summer“

Glasgows wundervolle Indiepopper sind zurück. Einen Monat nach ihrem fünftägigen Bootstrip „The Boaty Weekender“, der in Barcelona begann, in Cagliari endete und auf dem sie von Mogwai, Yo La Tengo, Camera Obscura, Teenage Fanclub, The Buzzcocks und vielen weiteren Acts begleitet wurden, erschien just das zehnte Belle & Sebastian-Album „Days Of The Bagnold Summer“.

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Frightened Rabbit „Tiny Changes – A Celebration of Frightened Rabbit‘s The Midnight Organ Fight“

Am 9. Mai des vergangenen Jahres wurde Frightened Rabbitt-Frontmann Scott Hutchison als vermisst gemeldet. Familienangehörige und Freunde, viele davon schottische Musiker, sorgten sich um ihren Landsmann, nachdem dieser auf Twitter gepostet hatte: „Be so good to everyone you love. It‘s not a given. I‘m so annoyed that it’s not. I didn‘t live by that standard and it kills me. Please, hug your loved ones.“ Darauf folgte noch ein letzter Tweet: „I‘m away now. Thanks.“ Einen Tag später wurde in Edinburgh Hutchinsons Leiche entdeckt. Er wurde nur 36 Jahre alt.

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Biffy Clyro „Balance, Not Symmetry“

Letzte Woche Dienstag (14.5.) wurde bekannt, dass nur drei Tage später das neue Biffy Clyro-Album „Balance, Not Symmetry“ erscheinen würde. Wer die Social Media-Kanäle der Schotten abonniert hat, wusste seit spätestens Februar, dass die Band mit dem Schreiben neuer Songs begonnen hatte. Auf Instagram sah man Sänger und Gitarrist Simon Neil mit Stift und Notizbuch auf dem Bett beim Ideensammeln.

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Cat Power: Wanderer

Die Freude über die Rückkehr Chan Marshall, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Cat Power, ist riesig. Die letzte Begegnung mit ihr war im Sommer 2014 anlässlich ihres Gastspiels in der Escher Rockhal. Und es war ein Abend, den wohl niemand vergessen werden kann, der ihn miterlebte. Er war sehr schön und sehr verstörend. Weiterlesen

Florence + The Machine: High As Hope

„Da ist sehr viel Liebe in dieser Platte, auch Einsamkeit, aber sehr viel Liebe“, sagt Florence Welch über „High As Hope“. Es ist das vierte Album ihrer Band Florence + The Machine, auch Florence And The Machine geschrieben. Auf dem hat sie sich von der Harfe, also jenem Instrument, das die Songs zu Beginn ihrer Karriere bestimmt hatte, noch nicht ganz verabschiedet. Sie ist aber deutlich in den Hintergrund gerückt und nicht mehr omnipräsent. Geblieben ist Welchs Hang zu ausschweifenden, groß angelegten Kompositionen. Obwohl sie nicht die ganz großen Klangwände aufzieht, sagt sie unmissverständlich: „Ich werde niemals minimal sein.“ Streicher, Piano, Choreinlagen und ihre unverwechselbare, sirenenhafte Stimme bestimmen weiterhin die „High As Hope“-Songs. Weiterlesen

Courtney Barnett: Tell Me How You Really Feel

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb vor dreieinhalb Jahren über die Australierin Courtney Barnett, sie stehe mit „einem Bein im Grunge“ und in der „Tradition der wild wuchernden Folk-Lyrik und des Talking Blues“ eines Woody Guthrie und Bob Dylan. „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“, das Debütalbum der jungen Singer-Songwriterin, wurde nahezu überall in den Himmel gelobt und landete in einigen Jahresbestenlisten. Wenig verwunderlich, denn Barnett überzeugte auf Anhieb, weil sie einerseits im Stile einer Polly Jean Harvey ihren Unmut herausschrie und dabei den Verzerrer ihrer E-Gitarre einschaltete und andererseits ruhige Lieder abseits des Massenstroms zum Besten gab. Weiterlesen

Tocotronic: Die Unendlichkeit

Die Hamburger Schule haben Tocotronic längst hinter sich gelassen und sich seit deren Hochzeiten weiterentwickelt. Ihre Musik ist nicht nur erwachsener und erhabener, sondern auch vielfältiger geworden. Ihr neuestes Werk, „Die Unendlichkeit“, ist größtenteils ein Rock-Album. Das eröffnet mit einem regelrechten Wow-Effekt: dem Titelstück, in dem Postrock-Einflüsse mit schwerfälligen, dunklen Gitarrenakkorden, die schon als Black Metal-Anklänge beschrieben wurden, und psychedelischen Soundflächen fusionieren. Sofort haben Tocotronic die Aufmerksamkeit des Hörers geweckt. Die ist ihnen auch in der Folge sicher: In „Electric Guitar“ galoppiert die Band von Streichern begleitet durch die Prärie, während Frontmann Dirk von Lowtzow von einer jugendlicher Liebe, Haarspray und Pickeln erzählt. Der „Musikexpress“ fühlte sich nicht ganz zu Unrecht an Chris Isaak erinnert. Experimentell wird es in „Unwiederbringlich“, ein Lied über den Tod. Kurz vors Ende haben Tocotronic die Akustikballade „Ich Würd’s Dir Sagen“ und das epische „Mein Morgen“ platziert und damit viel zur Dynamik dieses Albums beigetragen. Weiterlesen

Slowdive: Slowdive

22 Jahre nach ihrem letzten Album wieder neue Musik zu veröffentlichen, das kann man mal machen. Das ist auch gerne gesehen, wenn das Ergebnis so klingt wie „Slowdive“, das Comeback-Album gleichnamiger Band. Vielleicht stehen die Sterne heutzutage besser für das Quintett aus dem englischen Reading. Leider reichte es in der ersten Phase ihrer Karriere nicht für die erste Liga. Ihr Shoegaze/Dreampop-Sound war damals schon gut, aber die mediale Aufmerksamkeit wurde anderen Bands aus diesem seinerzeit florierenden Genre zuteil: My Bloody Valentine und The Jesus And Mary Chain etwa. Zudem haderten einige Kritiker mit dem Sound der Band. Weiterlesen

Gorilla: Humanz

Seit einigen Wochen infiltrieren sie die sozialen Netzwerke mit Kurzvideos, Bildern, Nachrichten und Vorabsongs: die Gorillaz. Sieben Jahre nach ihrem letzten Album, dem auf einem iPad produzierten „The Fall“, meldet sich die virtuelle Comic-Band von Damon Albarn, bekannt als Frontmann der einstigen Oasis-Rivalen Blur, und Illustrator/Zeichner Jamie Hewlett doch wieder zurück. Weiterlesen

Max Richter und Minor Victories: Von und hin zur Klassik

Pop- und Rockkünstler tendieren dazu, etwa alle zwei bis fünf Jahre neue Musik oder ein neues Album zu veröffentlichen. Bei Klassikkomponisten ist das anders. Wer sich anschaut, was beispielsweise der in Deutschland geborene Brite Max Richter allein in letzten drei Jahren an neuer Musik hervorgebracht hat, wird sich verwundert die Augen reiben: Das Angebot reicht von seinem fast achteinhalbstündigen Mammut-Album „Sleep“ über Musik für TV Serien (siehe „The Leftovers“) bis hin zu Film-Soundtracks. Weiterlesen

Metallica: Hardwired… To Self-Destruct

Über Metallica zu lästern, ist ein Leichtes. Gründe dafür gibt es gleich mehrere: Der nach Meinung vieler Fans unsympathische und mittelmäßige Schlagzeuger Lars Ulrich. Die zahlreichen musikalischen Enttäuschungen seit dem 1988er Album „… And Justice For All“ (Oder doch schon seit „Masters Of Puppets“ von 1986, dem letzten Album mit dem legendären Bassisten Cliff Burton?) Die in der Doku „Some Kind Of Monster“ zur Schau getragenen, teils peinlichen Bandquerelen. Und nicht zuletzt James Hetfields jüngste Äußerungen, er genieße es, in seiner Freizeit Tiere zu jagen: „Das ist etwas zutiefst Befriedigendes. Je näher ich dem Tod komme, desto lebendiger fühle ich mich.“ Puh, das muss erst mal verdaut werden. Weiterlesen