Boards Of Canada: Inferno

Ruhe im Kopf, sei der wahre Luxus, las der Autor zuletzt in einem Post. Das ist etwas dran. Manche Musik kann helfen, zur Ruhe zu kommen und sich zeitweise des Stresses zu entledigen. Dazu zählt „Inferno“, das neue Album des schottischen Duos Boards Of Canada.

Die Anfang der Siebziger Jahre geborenen Brüder Michael Peter und Marcus Eoin Sandison gründeten 1986 in Edinburgh Boards Of Canada. In den folgenden Jahren veröffentlichten sie einige Kassetten und die EP „Twoism“ (1995). Nach zwei EPs bei Skam Records stieß ihr nostalgischer Electro/Ambient/TripHop-Sound bei Warp Records, der Heimat von Autechre und Aphex Twin, auf großes Interesse. Die brachten im April 1998 zusammen mit Skam Records ihr Debüt „Music Has The Right To Children“ heraus. Die Kritiker waren hin und weg; ihr Debüt wurde als wegweisend eingestuft. Diesem Ruf wurde das Duo fortan immer wieder gerecht. Doch nach dem 2013er Album „Tomorrow’s Harvest“ folgten nur noch einige Remixe. Es wurde immer wieder über neue Musik spekuliert. Aber erst jetzt erschien „Inferno“.

Im britischen „Guardian“ gab man sich enttäuscht über das Comeback. Während der 70 Minuten gäbe es viel zu wenige Höhepunkte. Das ist vielleicht ein generelles Problem unserer heutigen Zeit: die Kombination aus fehlender Muse, Reizüberflutung und kurzer Aufmerksamkeitsspanne. Der Autor empfiehlt, sich wirklich Zeit zu nehmen und die Musik bewusst zu hören, um deren Schönheit und Strahlkraft zu erkennen. Nicht nur „Deep Time“ und „You Retreat In Time And Space“ sind dafür prädestiniert – immerhin gibt es 18 Tracks, wenn auch teils kurze. Und damit man nicht zu sehr in Trance erstarrt, haben die Gebrüder auch belebende Songs wie „Arena Americanda“ auf „Inferno“ gepackt.