Ein Mitglied der eigenen Band zu verlieren, ist mutmaßlich vergleichbar mit dem Tod eines Familienangehörigen. Nun war Gründungsgitarrist Brent Hinds bereits fünfeinhalb Monate nicht mehr Teil von Mastodon, als er im August 2025 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Aber trotz der Trennung war er noch in den Herzen der drei verbliebenen Bandgründer. Seit Monaten geht Bill Kelliher, Troy Sanders und Brann Dailor der Tod Hinds‘ nahe. Das beteuern sie immer wieder. Die haben sich dann entschlossen, sich für ihr neues Album Klotho, Lachesis und Atropos, den drei Schicksalsgöttinnen der griechischen Mythologie, zuzuwenden. Die verkörpern das Schicksal des Menschen. Und in Sachen Schicksal machten Mastodon zuletzt einige Erfahrungen. So verstarb auch Dailors Mutter und der großartige Ozzy Osbourne, dessen Schaffen Mastodon wenige Tage vor seinem Tod noch auf dem „Back To The Beginning“-Festival in Birmingham mit einem Kurzauftritt gewürdigt hatten.
„Marrow Deep“ ist also das erste Album ohne Hinds und mit den Neuzugängen Nick Johnston (Gitarre) und João Nogueira (Keyboard). Das Artwork von Paul Romano ist beeindruckend, der technische Anspruch an die progressiven Sludge Metal-Songs gewohnt hoch. Die sind diesmal wieder eine Spur härter bzw. wütender (siehe beispielsweise „They’re Coming For You“). Oberndrein sind eine Reihe Gastmusiker involviert: Josh Homme (Queens Of The Stone Age) singt in dem rasant-wilden Song „Snakes For Dinner“ mit, Converges Nate Newton und Randy Blythe (Lamb Of God) in „A Vampire’s Demeanor“ und Neil Fallon von Clutch in „The Three Fates“. Und dann ist da noch Bassist Geezer Butler, der das Intro zu „The Vanishing“ eingespielt hat, das (auch wegen des Gesangs) entfernt an die psychedelischen Lieder seiner einstigen Band Black Sabbath erinnert.