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	<title>KAI FLORIAN BECKER (KFB) &#187; konzertrezensionen</title>
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		<title>Rock-A-Field 2010</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 05:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Knapp 20.000 Besucher lockte die 5. Auflage des Rock-Festivals &#8220;Rock-A-Field&#8221; auf ein Feld in der Nähe der idyllischen luxemburgischen Ortschaft Roeser. Dort feierten sie unter anderem die Auftritte von Kasabian, Jan Delay, 30 Seconds To Mars und The Prodigy.
Alle guten Dinge sind fünf, sollte es von jetzt an heißen. Zumindest wenn es nach Michel Welter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Knapp 20.000 Besucher lockte die 5. Auflage des Rock-Festivals &#8220;Rock-A-Field&#8221; auf ein Feld in der Nähe der idyllischen luxemburgischen Ortschaft Roeser. Dort feierten sie unter anderem die Auftritte von Kasabian, Jan Delay, 30 Seconds To Mars und The Prodigy.<span id="more-622"></span></p>
<p>Alle guten Dinge sind fünf, sollte es von jetzt an heißen. Zumindest wenn es nach Michel Welter geht, einem der Verantwortlichen für das Programm von &#8220;Rock-A-Field&#8221;. Am späten Nachmittag schlenderte er mit entspanntem Gesichtsausdruck über das Festivalgelände und erklärte: &#8220;Unschlagbar: Wir sind sehr, sehr zufrieden. Wir haben im Vergleich zum Vorjahr (17.000 Besucher) aufgestockt, das Gelände vergrößert und mehr Bands engagiert. Anfangs waren wir nicht sicher, ob unser Plan aufgehen würde. Aber es gefällt den Leuten, und bis jetzt läuft alles reibungslos.&#8221;</p>
<p>Zu diesem Zeitpunkt standen Kasabian auf der Hauptbühne. Die Band aus dem britischen Leicester hatte wie andere zuvor etwas Überzeugungsarbeit beim Publikum leisten müssen. Die Hitze machte den Besuchern doch schwer zu schaffen und hinderte sie daran, bei jeder Band von Beginn an mitzugehen. Bei Kasabian kam noch hinzu, dass ihr vom Manchester-Sound geprägter psychedelischer Rock sehr speziell war. Auf der Insel sind sie längst eine feste Größe, in unserer Region aber weitestgehend unbekannt. Was sich vielleicht bald ändern könnte, denn am Ende wurden sie mit viel Beifall verabschiedet.</p>
<p>Jan Delay hatte es Stunden zuvor einfacher. Da war das Publikum noch nicht dermaßen von der sengenden Hitze ausgelaugt. Der deutsche Vorzeige-Entertainer, der die Bühne in Feinripp-Unterhemd, türkisener Anzughose und mit weißem Hut betrat, schmiss sich gleich an die Zuschauer heran. Er weiß, wie man sie bezirzt: zum einen mit Fürsorge (&#8221;Seid ihr alle eingecremt?&#8221;), Späßen und tollen Liedern wie &#8220;Oh Jonny&#8221; und &#8220;Large&#8221;, die er mit seiner Big Band Disko No. 1 vortrug.</p>
<p>Am Abend waren es 30 Seconds To Mars und The Prodigy, die die Akzente setzten. Bei der erstgenannten Band singt bekanntlich Hollywood-Schauspieler Jared Leto (&#8221;Fight Club&#8221;). Allerdings bewies der Frauenschwarm Mut zur Entstellung und präsentierte sich mit blond gefärbter Irokesenfrisur. Der kommerzielle Alternative Rock seiner Band kam überraschend gut an &#8211; vor allem der aktuelle Hit &#8220;Kings And Queens&#8221;, zu dem Leto zahlreiche weibliche Fans auf die Bühne bat, um mit ihm zu singen. The Prodigy waren der würdige &#8220;Rock-A-Field&#8221;-Headliner. Sie rockten im wahrsten Sinne des Wortes das Feld und bliesen mit Songs wie Songs &#8220;Smack My Bitch Up&#8221;, &#8220;Poison&#8221; und &#8220;Firestarter&#8221; zum Angriff auf die Gehörgänge. Woher das Publikum plötzlich wieder die Energie hatte, mitzugehen, blieb unbeantwortet.</p>
<p>Kai Florian Becker (Juni 2010)</p>
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		<title>Rihanna: Stehlampe mit rosa Panzer</title>
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		<pubDate>Tue, 25 May 2010 05:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rihanna ist nicht aufzuhalten. Die erst 22-jährige Sängerin aus Barbados hat binnen fünf Jahren vier Alben veröffentlicht und mit diesen im Nu Weltruhm erlangt. Ihr zu Ehren wurde sogar 2008 in ihrer Heimat der &#8220;Rihanna Day&#8221; eingeführt. Kurzum: Weder Kritikerstimmen, noch persönliche Krisen konnten sie bis dato stoppen, geschweige denn ihr schaden. Am Dienstagabend gab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rihanna ist nicht aufzuhalten. Die erst 22-jährige Sängerin aus Barbados hat binnen fünf Jahren vier Alben veröffentlicht und mit diesen im Nu Weltruhm erlangt. Ihr zu Ehren wurde sogar 2008 in ihrer Heimat der &#8220;Rihanna Day&#8221; eingeführt. Kurzum: Weder Kritikerstimmen, noch persönliche Krisen konnten sie bis dato stoppen, geschweige denn ihr schaden. Am Dienstagabend gab sich die zierliche Sängerin in der ausverkauften Rockhal selbstbewusst und präsentierte eine imposante Bühnenshow.<span id="more-598"></span></p>
<p>Als am Morgen die Nachricht die Runde machte, Rihanna sei mit einem fast 100-köpfigen Tourtross und an die 20 Lastwagen angereist, wunderte man sich noch, was am Abend alles aufgeboten werden würde. Allein schon die riesige Bühne, mit einem breiten, langen Ausleger bis in die Hallenmitte hinein, gab die Antwort. Im Hintergrund hingen zudem riesige Leinwände und schon kurz nach Showbeginn fuhr ein rosafarbener Panzer auf. Verrückt. Derweil marschierten Tänzer mit nacktem Oberkörper, Pickelhaube und rosa Gewehr zu Rihannas betörendem R&#038;B/Pop-Mix über die Bühne, während es auf der Leinwand in Bonbon-Farben Bomben vom Himmel hagelte. Ein erstaunlich martialischer, aber auch imposanter Beginn einer nahezu makellosen Popshow. Die stand unter dem Motto &#8220;Last Girl On Earth&#8221;, was das überwiegend endzeitliche Videoszenario zu erklären vermochte.</p>
<p>Eigentlich war die Bühnenshow recht einfach konzipiert. Die Leinwand ersetzte aufwendige Dekorationen und konnte mit Leichtigkeit dem Song entsprechende Hintergrundbilder liefern. Für &#8220;Fire Bomb&#8221; stiegen beispielsweise animierte Feuerfontänen und Atompilze auf, bei &#8220;Shut Up &#038; Drive&#8221; stürzten Dummys durchs Bild, während sich aus dem Laufsteg ein Autowrack erhob, das Tänzerinnen mit einem Baseballschläger bewaffnet umkreisten. Leicht gruselig wurde es bei &#8220;Disturbia&#8221;, einem ihrer fünf US-Top 1-Hits: Ein Wald bei Mondschein inklusive Vampire und Fledermäuse.</p>
<p>Danach war es Zeit für Rihannas ersten Kostümwechsel. Nach einer kurzen Videosequenz ließ sie sich, von den Klängen ihres neuen Songs &#8220;Rockstar 101&#8243; begleitet, in einem verboten verführerischen schwarzen Lack-Catsuit von der Hallendecke herab. Sie zeigte vollen Körpereinsatz und räkelte sich nicht mehr ganz so jungendfrei vor einer Kamera, deren Bilder live auf die Leinwand projiziert wurden (&#8221;Rude Boy&#8221;).</p>
<p>Die Abkühlung folgte in Form eines Akustiksets, der mit einer sehr mäßigen Coverversion des Oasis-Hits &#8220;Wonderwall&#8221; eingeleitet wurde. Das war eines der beiden Mankos an diesem Abend: Rihanna näselte &#8220;Wonderwall&#8221; arg lieblos dahin. Außerdem nahmen die sich nahtlos aneinandergereihten Akustiksongs, zu denen auch die Pianoballade &#8220;Unfaithful&#8221; gehörte, etwas die Luft aus der bis dahin ereignisreichen und insbesondere temporeichen Show. Gott sei Dank sollte sich das bald wieder ändern. Mit &#8220;Don&#8217;t Stop The Music&#8221; küsste Rihanna ihr Publikum wieder wach. Akrobaten turnten an schwebenden Maschinengewehren, und Rihanna tanzte ausgelassen in einem Käfig.</p>
<p>Es ging Schlag auf Schlag; manch ein Song wurde nur noch angespielt: etwa das Sheila E.-Cover &#8220;The Glamorous Life&#8221;, für dessen Performance Rihanna extra Schlagzeug-Stunden genommen hatte, damit sie nur ja an den Percussions eine gute Figur abgibt. Die Perfektionistin hätte sich wirklich keine Sorgen machen müssen: Die 90 Minuten vergingen wie im Fluge und kamen der vollendeten Popshow sehr, sehr nahe. Entgegen der immer wieder aufkeimenden Kritik, Rihanna habe keinen Modegeschmack, was sie in der Vergangenheit tatsächlich einige Male mit äußerst scheußlichen und kitschigen Kostümen andeutete, hielt sie sich in der Rockhal diesbezüglich zurück. Nur für den Höhepunkt, ihren unwiderstehlichen Hit &#8220;Umbrella&#8221;, schlüpfte sie in ein seltsames, weiß leuchtendes Kostüm, in dem sie wie eine neumodische Stehlampe aussah.</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2010)</p>
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		<title>Turbostaat: Gekommen, gerockt, gefeiert</title>
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		<pubDate>Fri, 21 May 2010 14:34:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Turbostaat hatten sich vor einiger Zeit mit einem Majorlabel eingelassen, mit einem der finanzstarken und den Markt dominierenden Industrieriesen also. Ihrem guten Ruf und ihrem Ansehen hat das in der Punkrock-Szene überraschenderweise nicht geschadet. Im Gegenteil: Die Konzerte ihrer aktuellen Tournee sind bestens besucht. Am Mittwoch war der kleine Club der Garage dermaßen prallgefüllt, im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Turbostaat hatten sich vor einiger Zeit mit einem Majorlabel eingelassen, mit einem der finanzstarken und den Markt dominierenden Industrieriesen also. Ihrem guten Ruf und ihrem Ansehen hat das in der Punkrock-Szene überraschenderweise nicht geschadet. Im Gegenteil: Die Konzerte ihrer aktuellen Tournee sind bestens besucht.<span id="more-596"></span> Am Mittwoch war der kleine Club der Garage dermaßen prallgefüllt, im Nu wurden Hitze und Enge nahezu unerträglich. Vielleicht lag es daran, dass dieser Mittwoch sozusagen ein Samstag war. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass das neue Album &#8220;Das Island Manöver&#8221; die knapp 150 Fans anlockte, die die Flensburger Punkrocker feierten und dazu animierten, über die mit dem Veranstalter vereinbarte Spielzeit hinaus zu rocken. Eine solch ausgelassene Stimmung erlebt man nicht alle Abende. Turbostaat hatten auch wirklich ihr Bestes gegeben, um die Stimmung an- und den Club aufzuheizen. Schon zu Beginn spielten sie die erste Mitsing-Hymne: &#8220;Surt &#038;Tyrann&#8221;, einer der neuen Songs und wie der Rest rockig, mitreißend und eingängig. Fast allen wohnte eine unterschwellige Aggressivität inne. Die Ausnahmen bildeten das melancholische, ruhige &#8220;Urlaub auf Fuhferden&#8221; und der erste, epische Teil des Songs &#8220;Das Island Manöver&#8221;. Das waren allerdings kurze Momentaufnahmen, da umgehend das Tempo wieder angezogen wurde, um mit &#8220;Nach fest kommt ab&#8221; einen der älteren Hits und im Anschluss das neue Lied &#8220;Oz Antep&#8221; folgen zu lassen. Letztendlich entschädigten Musik und Stimmung vollends für das Sauna-Klima und das Gedränge im kleinen Club.</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2010)</p>
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		<title>Editors: Hin- und hergerissen</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 05:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die große Frage, die es am Montagabend zu beantworten galt, lautete: Würden sich die elektronischen Songs des dritten Editors-Albums &#8220;In This Light And On This Evening&#8221; nahtlos in das ältere, rockige Songmaterial einfügen?
Bevor allerdings diese Frage beantwortet werden konnte, gab es eine andere Band zu bewundern: I Like Trains. Das in Leeds beheimatete Quartett ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die große Frage, die es am Montagabend zu beantworten galt, lautete: Würden sich die elektronischen Songs des dritten Editors-Albums &#8220;In This Light And On This Evening&#8221; nahtlos in das ältere, rockige Songmaterial einfügen?<span id="more-581"></span></p>
<p>Bevor allerdings diese Frage beantwortet werden konnte, gab es eine andere Band zu bewundern: I Like Trains. Das in Leeds beheimatete Quartett ist selbst auf der Insel noch recht unbekannt und schaffte es mit dem 2007 veröffentlichten Debütalbum &#8220;Elegies To Lessons Learnt&#8221; nicht einmal in die Top 100 der UK Charts. Doch nach Tourneen im Vorprogramm von British Sea Power, The Sisters Of Mercy und aktuell den Editors rekrutieren I Like Trains langsam mehr und mehr Fans. Und wenn sie regelmäßig so überzeugend aufspielen wie am Montag in der Rockhal, dann sollte der Aufstieg sogar noch schneller vonstatten gehen. Ihr erstes Konzert in Luxemburg mussten sie vor 15 Zuschauern absolvieren. Diesmal waren es &#8220;mindestens doppelt so viele&#8221;, scherzte Sänger und Gitarrist David Martin.</p>
<p>Die Musik von I Like Trains ist vergleichbar mit den ruhigen Passagen der schottischen Postrocker Mogwai. Wobei die getragene Stimme Martins an Paul Banks von Interpol erinnert. Auffällig war, mit welcher Behutsamkeit und Anmut die Songs arrangiert wurden. Selbst wenn die Band einmal aus sich herausging, das Tempo anzog und die Lautstärke erhöhte (etwa in &#8220;The Voice Of Reason&#8221;), blieb Martins Gesang erstaunlich unaufgeregt. Er verabschiedete sich denn auch mit einem zarten, fast schüchternen &#8220;Merci beaucoup&#8221; von einem zufriedenen Publikum.</p>
<p>Mittlerweile war der Club bis in die hintersten Ecken gefüllt. Die Erwartungen an den Auftritt der Editors waren groß. Kaum war das Licht erloschen, brach der erste Jubel los. Smith &#038; Co. eröffneten ihr Konzert mit dem Titelsong ihres neuen Albums. Der klang annähernd nach den Editors der beiden Vorgängeralben &#8220;The Black Room&#8221; und &#8220;An End Has A Start&#8221;.</p>
<p>Von Beginn an im Mittelpunkt stand Sänger/Gitarrist Smith. Von weitem sah er aus wie der US-Schauspieler Edward Norton in dem David Fincher-Film &#8220;Fight Club&#8221;. Allerdings war Smith nicht gekommen, um sich prügeln, noch agierte er so, als sei er verrückt. Bei vorherigen Auftritten war sein Gebaren nahezu unerträglich und ließ vermuten, er habe ein massives Drogenproblem. Doch dem war wohl nie so. Vielleicht war es auch nur Show? Diesmal jedenfalls hielt er sich mit seltsamen Gesten weitestgehend zurück.</p>
<p>Das vierte Lied war ein neues. So perfekt und glasklar der Sound war, &#8220;You Don&#8217;t Know Love&#8221; fiel gegenüber dem zuvor Gehörten deutlich ab. Hatte man bis dahin den Eindruck gehabt, eine Rockband experimentiere ein wenig mit Electroklängen, stand nun plötzlich eine Electroband auf der Bühne, die in der zweiten Songhälfte überraschend eine Gitarre erklingen ließ. Dazu passte auch &#8220;Last Day&#8221;. Diesen Song hatten Editors anlässlich des Record Store Day erst kürzlich in Großbritannien als limitierte Vinylsingle veröffentlicht. So nah waren Editors noch nie an Depeche Mode dran. Allerdings hinterließ diese Verneigung einen unmotivierten und faden Eindruck. Besser gefielen &#8220;Munich&#8221; und &#8220;Smokers Outside The Hospital Doors&#8221;, beide rockig und älteren Datums. Im Zugabenteil überraschte die Singleauskopplung &#8220;Papillon&#8221;, die in Belgien Ende letzten Jahres auf Platz eins stand. Ein neuer, sehr beschwingter Song, der aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die Rockband Editors wesentlich bessere Songs schreibt als die Electroband Editors. Insofern war man hin und her gerissen zwischen Wohlwollen und Zweifel.</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2010)</p>
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		<title>Story Of The Year: Keine Erfolgsgeschichte</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 05:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den USA standen sie bereits mit zwei Alben in den Top 20 der Charts: 2005 mit &#8220;In The Wake Of Determination&#8221; und drei Jahre später mit &#8220;The Black Swan&#8221;. Ihr brandneues, viertes Album schaffte es aber nur auf Rang 42. Ironischerweise heißt es &#8220;The Constant&#8221; &#8211; eben diese konstante Größe sind Story Of The [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den USA standen sie bereits mit zwei Alben in den Top 20 der Charts: 2005 mit &#8220;In The Wake Of Determination&#8221; und drei Jahre später mit &#8220;The Black Swan&#8221;. Ihr brandneues, viertes Album schaffte es aber nur auf Rang 42. Ironischerweise heißt es &#8220;The Constant&#8221; &#8211; eben diese konstante Größe sind Story Of The Year in Sachen kommerzieller Erfolg wohl nicht mehr.<span id="more-565"></span> So kamen am Freitag auch nur knapp 400 Fans in die Garage, während diese vor einigen Jahren vielleicht restlos ausverkauft gewesen wäre. Manch eine Band hätte das mächtig frustriert. Die vier US-Amerikaner allerdings schien die mangelnde Zuschauerresonanz nur noch mehr angestachelt zu haben, auf der Bühne alles zu geben.</p>
<p>Schon der erste Song, &#8220;The Children Sing&#8221;, unterstrich ihre Ambitionen, das Publikum restlos begeistern zu wollen. Story Of The Year waren sehr bewegungsfreudig und euphorisiert und agierten so, als würden sie in ihrer Heimat auf einer riesigen Bühne vor ausverkauftem Hause aufspielen. Das machte sie umso sympathischer. Ihre Songs, eingängiger Alternative Rock mit gelegentlichen Emorock- oder Metal-Einschüben, kamen bei den verhältnismäßig wenigen Fans bestens an: Sie sangen nahezu jeden Refrain mit und hüpften nicht nur in den ersten Reihen auf und ab. Bei der einzigen Zugabe, dem Song &#8220;Stereo&#8221;, rasteten sie dann völlig aus und bildeten einen riesigen so genannten Moshpit in der Hallenmitte. Niemand konnte der Band vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben. Vielleicht sprechen sich ihre Live-Qualitäten bis zum nächsten Mal rum.</p>
<p>Kai Florian Becker (April 2010)</p>
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		<title>Vom Adrenalin getrieben</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 05:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das hat man selten: Am Sonntagabend trumpften im ausverkauften Atelier gleich zwei exzellente Bands auf: Two Door Cinema Club und Phoenix.
Fünf Singles haben Two Door Cinema Club bereits über das französische Electrolabel Kitsuné Music herausgebracht. Jetzt steht die Veröffentlichung ihres Debütalbums &#8220;Tour History&#8221; an. Das verspricht ein interessantes Newcomer-Werk zu werden – zumindest wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das hat man selten: Am Sonntagabend trumpften im ausverkauften Atelier gleich zwei exzellente Bands auf: Two Door Cinema Club und Phoenix.</p>
<p>Fünf Singles haben Two Door Cinema Club bereits über das französische Electrolabel Kitsuné Music herausgebracht. Jetzt steht die Veröffentlichung ihres Debütalbums &#8220;Tour History&#8221; an. Das verspricht ein interessantes Newcomer-Werk zu werden – zumindest wenn man den jüngsten Auftritt im Atelier mit in Betracht zieht.<span id="more-519"></span> Die vier Burschen aus Nordirland erinnerten aufgrund ihres jugendlichen Aussehens an eine Schüler- oder gar Anfängerband. Alex Trimble führte einen Gitarrenverstärker mit sich, der mindestens doppelt so alt war wie besagter Sänger und Gitarrist. Doch von dem allerersten Anschein durfte man sich keineswegs täuschen lassen. Two Door Cinema Club offenbarten eine quirlige Musik irgendwo in der Schnittmenge von Indierock und Dancepunk, die man – ohne ihnen etwas Böses zu wollen – als Light Version von Bloc Party bezeichnen kann. Davon ab zählen sie selbst auf ihrer Myspace-Website Bloc Party zu ihren Einflüssen.<br />
Die Songs der Nordiren haben tatsächlich Klasse und klingen für deren geschätztes Alter äußerst reif und formvollendet. Auch das Auftreten war souverän. Von Nervosität war nichts zu spüren, dafür von viel Euphorie. Der Schlagzeuger beispielweise, der übrigens nicht als festes Bandmitglied geführt wird, konnte sich selten das Grinsen verkneifen und wippte fortwährend vom Takt und wahrscheinlich auch vom Adrenalin getrieben auf seinem Stuhl auf und ab. Dem Publikum gefiel das alles bestens, und es spendete nicht nur nach dem ersten Song viel Beifall.</p>
<p>Nach kurzer Umbaupause kamen Phoenix unter frenetischem Jubel auf die Bühne. Nicht nur die Nähe zu Frankreich war wohl letztlich ausschlaggebend dafür, dass das Konzert seit längerem schon ausverkauft war. Schließlich haben sich die Vier aus Versailles längst in die Herzen Abertausender Fans aus aller Herren Länder gespielt. Sie haben eine Vielzahl an überdurchschnittlich guten Liedern in ihrem Repertoire, die schon beim ersten Hören im Ohr hängen bleiben. Das machte es ihnen umso einfacher, die Fanschar im Atelier unisono in Ekstase zu versetzen. Schon der erste Song, &#8220;Lisztomania&#8221; von ihrem aktuellen, von den Kritikern umjubelten Album &#8220;Wolfgang Amadeus Phoenix&#8221;, war eine Offenbarung. Mit französischer Lässigkeit verzauberten Thomas Mars, Laurent Brancowitz, Christian Mazzalai und Deck D&#8217;Arcy, begleitet von ihren Livemusikern Robin Coudert und Thomas Hedlund, alle Anwesenden. Ein Auftakt nach Maß – und es sollten noch weitere Höhepunkte wie beispielsweise &#8220;Long Distance Call&#8221; und &#8220;Lasso&#8221; folgen.</p>
<p>&#8220;Run Run Run&#8221; war das erste ruhigere Lied. So konnten sich nach etwas mehr als einer Viertelstunde die euphorisierten Phoenix-Anhänger von ihrem Freudentaumel kurzzeitig erholen, ehe es mit &#8220;Fences&#8221;, &#8220;Girlfriend&#8221; und &#8220;Love Like A Sunset&#8221; weiterging. Bei &#8220;Armistice&#8221; gab es auch für Sänger Mars kein Halten mehr. Er mischte sich zur Überraschung der Security spontan unter die Menge.</p>
<p>Am Ende gab es noch einen kurzen Akustikset und danach das Grande Finale in Form von &#8220;1901&#8243;, einem weiteren Stück von &#8220;Wolfgang Amadeus Phoenix&#8221;. Man hätte Mitte des vergangenen Jahres, als das Album erschien, der Band fast schon Größenwahn vorgeworfen. Denn wer kann so dreist und gleichzeitig bei gesundem Menschenverstand sein, sich mit Wolfgang Amadeus Mozart auf eine Stufe zu stellen. Doch wie der große Komponist aus dem 18. Jahrhundert verstehen es Phoenix, die Menschen mit ihrer Musik zu bezirzen und daher überglücklich zu machen.</p>
<p>Kai Florian Becker (März 2010)</p>
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		<title>Florence + The Machine: Britische Stars auf dem Halberg</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 05:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist alles andere als alltäglich, dass ein frisch gebackener &#8220;Brit Award&#8221;-Gewinner auf dem Halberg vor intimer Kulisse ein Konzert gibt. Am Freitag gaben Florence + The Machine ein exklusives Akustikkonzert für 200 &#8220;Unser Ding&#8221;-Hörer. Wie immer bei solchen Anlässen konnten die Eintrittskarten nicht gekauft, sondern mussten gewonnen werden. Die Nachfrage war groß, denn Sängerin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist alles andere als alltäglich, dass ein frisch gebackener &#8220;Brit Award&#8221;-Gewinner auf dem Halberg vor intimer Kulisse ein Konzert gibt. Am Freitag gaben Florence + The Machine ein exklusives Akustikkonzert für 200 &#8220;Unser Ding&#8221;-Hörer.<span id="more-500"></span> Wie immer bei solchen Anlässen konnten die Eintrittskarten nicht gekauft, sondern mussten gewonnen werden. Die Nachfrage war groß, denn Sängerin Florence Welch und ihre Band sind seit einigen Monaten in Großbritannien Stars. 2009 gewannen sie bereits einen Kritikerpreis bei den renommierten &#8220;Brit Awards&#8221;, vor wenigen Tagen wurde ihr Debütalbum &#8220;Lungs&#8221; zum besten Album des Jahres gekürt. Was nicht verwundert, wurde es doch mit reichlich Kritikerlob überschüttet. Der kunstvoll arrangierte Pop, der mit außergewöhnlichen Klängen von Harfe, Xylofon und gregorianischen Gesängen veredelt wurde, und dazu die theatralische, entfernt an Kate Bush erinnernde Stimme von Welch machen &#8220;Lungs&#8221; zu einem atemberaubenden Werk. Am Freitag trat Welch mit kleiner Besetzung an: lediglich ihr Harfespieler und ihr Gitarrist waren mitgekommen. Auch bei diesen reduzierten Versionen blieb der Zauber, der von ihrer Musik ausgeht, nicht auf der Strecke. Mit beeindruckender Leichtigkeit kletterte ihre Stimme die Tonleiter rauf und runter (&#8221;Girl With One Eye&#8221;). Welchs Bewegungsdrang war nicht existent. Das ließ ihre exzentrische Stimme und ihre kühle Ausstrahlung noch weiter in den Vordergrund rücken. Ein viel zu kurzer, dafür umso denkwürdiger Auftritt.</p>
<p>Kai Florian Becker (März 2010)</p>
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		<title>HIM: 80 Minuten Glückseligkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Mar 2010 05:00:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist erstaunlich, wie viele Frauen im Bekannten- und Freundeskreis HIM-Sänger Ville Valo sexy, zumindest aber anziehend finden. Andererseits ist es eine schier unmögliche Aufgabe, unter den Männern jemanden zu finden, dem HIM zusagen. Insofern war es keineswegs verwunderlich, dass am Donnerstagabend in der Rockhal überwiegend weibliche Fans anzutreffen waren – und das nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist erstaunlich, wie viele Frauen im Bekannten- und Freundeskreis HIM-Sänger Ville Valo sexy, zumindest aber anziehend finden. Andererseits ist es eine schier unmögliche Aufgabe, unter den Männern jemanden zu finden, dem HIM zusagen. Insofern war es keineswegs verwunderlich, dass am Donnerstagabend in der Rockhal überwiegend weibliche Fans anzutreffen waren – und das nicht nur in den vordersten Reihen. Manche waren hypernervös und drohten vor Aufregung die Nerven zu verlieren.<span id="more-497"></span> Kaum hatten sie das Einlassprozedere hinter sich gebracht, stürmten sie in den Club und drängelten sich bis zur Absperrung vor, um ihrem Idol so nah wie möglich zu kommen und im besten Fall, ihm schöne Augen zu machen. Im Gegenzug widmete Valo später einer Dame den Song &#8220;Join Me In Death&#8221;, ihren wohl größten Hit. Diese Ehre wurde ihr zuteil, weil er großen Gefallen an ihrem T-Shirt mit dem Konterfei von Michael Monroe, dem einstigen Frontmann der bekannten finnischen Glam Rock-Band Hanoi Rocks hatte. So einfach kann es gehen.</p>
<p>Bevor jedoch HIM an der Reihe waren und viele Damenherzen brachen, durften Dommin ran. Die vier Musiker aus Los Angeles sahen wie eine Kreuzung aus Rockabilly- und Gothic-Band aus. Ihre Musik erinnerte derweil an Type O Negative, AFI und Life Of Agony. Nicht uninteressant. Was auch für die Wahl des Coversongs galt: Die fiel auf &#8220;Just Died In Your Arms Tonight&#8221; von der Achtziger Jahre-Band Cutting Crew.</p>
<p>Was im direkten Anschluss an den Auftritt von Dommin folgte, war sehr ärgerlich: HIM ließen die 1200 Fans über eine Dreiviertelstunde im ausverkauften Club ausharren. Irgendwann ging endlich das Hallenlicht aus, die Band kam unter frenetischem Jubel auf die Bühne und präsentierte mit &#8220;Like St. Valentine&#8221; von ihrem aktuellen Album &#8220;Screamworks: Love In Theory And Practice&#8221; den sehnlichst erwarteten ersten Song.</p>
<p>Trotz des Kreischens und diverser Zurufe blieb Valo während des gesamten Konzerts gelassen. Er war verdammt cool und nahm nicht einmal seine Wollmütze ab. Lediglich der Toningenieur an der Bühnenseite brachte ihn in Rage: Mal hörte Valo ein seltsames Störgeräusch, mal war ihm die Gitarre zu leise. Ansonsten gab er sich keineswegs divenhaft und beglückte seine Fans mit einem Querschnitt aus dem reichhaltigen Repertoire seiner Mitte der Neunziger gegründeten Band. Dazu zählten neben der Metal-Ballade &#8220;When Love And Death Embrace&#8221; vom Debütalbum &#8220;Greatest Love Songs Vol. 666&#8243; auch &#8220;The Sacrament&#8221;, &#8220;Heartkiller&#8221; und die Chris Issak-Ballade &#8220;Wicked Game&#8221;.</p>
<p>Das Highlight des Abends war aber ein anderer Song. Zwar heißt es, HIM würden &#8220;True Finish Love Metal&#8221; machen, am Donnerstag war das beste Lied ausnahmsweise keine Liebeslied, sondern &#8220;Before I Die&#8221;, ein für HIM verhältnismäßig harter und schneller Song. Dem Tempo und der Aggressivität konnte sich Valo mühelos anpassen und offenbarte, dass ihm nicht nur gefühlvolle Balladen liegen, sondern auch energische Schreie.</p>
<p>Knapp 80 Minuten dauerte das Konzert. Dann war leider Schluss, und die absolute Glückseligkeit der HIM-Anhängerinnen hatte ein Ende. Die Band hatte noch Termine: Zum einen war Bassist Mikko Heinrik Julius Paananen erkrankt und wollte noch in selbiger Nacht einen Arzt konsultieren; zum anderen standen Valo &#038; Co. eine lange Busreise bevor. Denn am heutigen Samstagabend sollen sie im englischen Norwich auf der Bühne stehen und die dortigen Fans verzücken. Was ihnen dank Valos scheinbar unwiderstehlichen Ausstrahlung nicht schwer fallen dürfte.</p>
<p>Kai Florian Becker (März 2010)</p>
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		<title>Tokio Hotel: Kurzweiliges Spektakel</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 15:42:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es passiert nicht alle Tage, dass eine international erfolgreiche Band, die bis dato weltweit über 40 Awards einheimste, ihre Europatournee in der Escher Rockhal eröffnet. Insofern war das Interesse seitens der Medien und insbesondere der Fans schon im Vorfeld groß. Zumal es sich bei besagter Band um Tokio Hotel handelte, deren Anhänger einen Hang zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es passiert nicht alle Tage, dass eine international erfolgreiche Band, die bis dato weltweit über 40 Awards einheimste, ihre Europatournee in der Escher Rockhal eröffnet. Insofern war das Interesse seitens der Medien und insbesondere der Fans schon im Vorfeld groß. Zumal es sich bei besagter Band um Tokio Hotel handelte, deren Anhänger einen Hang zum Fanatischen haben und etwas hysterisch reagieren können, wenn sie ihren Idolen nahkommen.<br />
<span id="more-495"></span><br />
Wie sehnsüchtig ihre Anhänger den Auftakt der aktuellen Tour, die 32 Konzerte in 19 Ländern umfasst, erwarteten, war bereits elf Tage zuvor zu spüren. Da positionierten sie die ersten Autos vor der Rockhal. Nur wenige Tage später gesellten sich die ersten Zelte dazu. Am Ende standen trotz eisiger Kälte fast 100 davon auf dem Vorplatz. Schließlich gibt es gewisse Regeln unter Tokio Hotel-Fans: Der Einlass erfolgt nach einer Liste, in die man sich eintragen kann. Wer ganz oben steht, darf als Erstes in die Halle. Verrückt. Zumal nicht nur Teenager ihre Zelte aufschlugen, sondern auch ältere Fans. Ein Indiz dafür, dass die Band kein reines Teenie-Phänomen mehr ist. Davon ab haben sich die Brüder Bill und Tom Kaulitz, Georg Moritz Hagen Listing und Gustav Klaus Wolfgang Schäfer auch musikalisch weiterentwickelt. Während sie 2005 mit dem leicht nervigen Ohrwurm &#8220;Durch den Monsun&#8221;, der dank eines Plastik-MP3 Players als Menü-Dreingabe einer Fast Food-Kette millionenfach den Weg in unzählige Kinderhände fand, ihre Karriere starteten, klingt ihr aktuelles Album &#8220;Humanoid&#8221; vergleichsweise erwachsen.</p>
<p>Insofern war die Rockhal am Montagabend nicht nur mit hysterisch kreischenden Kindern und Teenies bevölkert. Unter den knapp 5.000 Fans befanden sich zudem zahlreiche Erwachsene – und das nicht in Begleitung ihrer Sprösslinge. Die einen hatten sichtlich Spaß an der gigantischen Show, die Tokio Hotel boten. Die anderen hatten Spaß mit sich selbst und trugen eine Bill Kaulitz-Perücke und ein lila &#8220;Bill ich will ein Kind von Dir&#8221;-T-Shirt zur Schau.</p>
<p>Unterdessen gaben Tokio Hotel ihr Bestes, um gleich zum Tourauftakt einen tadellosen Eindruck zu hinterlassen. Was hatten ihre Fans diesen Moment so sehnlichst erwartet, als das Hallenlicht erlosch. Sofort brach ein ohrenbetäubendes Kreischen los. Der Vorhang fiel und zum Vorschein kam eine riesige metallene Kugel, die sich mit dem Einsetzen der ersten Takte von &#8220;Komm&#8221; öffnete. Drinnen saß Schlagzeuger Schäfer auf einem beweglichen Podest und heraustrat Sänger Bill. Links und rechts von der Bühne hatten bereits Bills Bruder Tom (Gitarre) und Bassist Listing Stellung bezogen.<br />
Dem Motto der Tour entsprechend, das &#8220;Welcome to Humanoid City&#8221; lautet, glich die Kulisse einer futuristischen, urbanen Industriestätte. Wohin könnte diese besser passen als ins Escher Industriegebiet Belval. Zu schade nur, dass das Konzert nicht draußen vor den rostigen Fabrikruinen stattfand.</p>
<p>Vom dritten Lied an, dem fetzigen &#8220;Ich brech aus&#8221;, hatte Bill seine anfängliche Nervosität abgelegt und rannte befreit durchs Bühnenbild. Es folgte die erste kurze Unterbrechung: Bill verschwand hinter der Bühne und wechselte sein Kostüm. Die wurden allesamt exklusiv von dem US-Modelabel &#8220;Dsquared2&#8243; (Madonna, Britney Spears) angefertigt und glichen einem ausgefallenen Mix aus Biker-Outfit, Kiss-Uniform und Raumfahreranzug &#8211; alle in schwarzem Leder und mit Nieten und LED-Lämpchen bestückt. Das gefiel nicht nur einer Gruppe junger Damen, die fortwährend in Richtung Bühne riefen: &#8220;Umziehen! Umziehen! Umziehen!&#8221;. Wahrscheinlich wären sie am liebsten mit Bill hinter der Bühne verschwunden.</p>
<p>Mitten im einem kurzen Akustikset, der mit &#8220;Humanoid&#8221; eröffnet wurde, bekannte der begehrte Sänger: &#8220;Ihr glaubt gar nicht, wie viel uns das hier bedeutet. Vielen Dank, Luxemburg! Dankeschön.&#8221; Für die anschließende Ballade &#8220;Geisterfahrer&#8221; wurden einmal mehr Feuerzeuge entflammt, Leuchtstäbe geschwenkt und die Handys gezückt, um auch diesen Moment digital festzuhalten.</p>
<p>Mit der flotten 80er Jahre-Reminiszenz &#8220;Dogs Unleashed&#8221;, die englische Version von &#8220;Hunde&#8221;, rissen Tokio Hotel ihre Fans kurzzeitig aus ihrer sehnsuchtsvollen Stimmung heraus. Die Pianoballade &#8220;Zoom&#8221;, &#8220;Für immer jetzt&#8221; und der Hit, den die Band laut Bill seit fünf Jahren jeden Abend spielt, &#8220;Durch den Monsun&#8221;, markierten das Ende dieses kurzweiligen Spektakels. Zurück blieben weitestgehend beseelte Fans. Darunter auch der überglückliche Ludovic Gros, 16, aus dem lothringischen Seignbouse: &#8220;Es war einfach nur geil! Die Jungs haben uns mit Material zugeschmissen&#8221;, freute er sich und zeigte die zerknautschte leere Wasserflasche, die ihm Tom Kaulitz zugeworfen hatte. Ebenso überwältigt von der 90-minütigen Show war die sechsjährige Suzanna Barth: &#8220;Es war toll. Am besten hat mir von der Band der Tom gefallen. Das beste Lied war &#8216;Übers Ende der Welt&#8217;&#8221;, sagte sie, ehe sie sich, sichtlich erschöpft, mit ihren Eltern auf den Heimweg nach Völklingen machte. So schnell wird sie diesen Abend sicherlich nicht vergessen. Wie so viele Tokio Hotel-Fans.</p>
<p>Kai Florian Becker (Februar 2010)</p>
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		<title>Air: Spartanisch, statisch, schön</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 15:16:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie so oft in den vergangenen Monaten war auch am Montagabend das Atelier restlos ausverkauft. Unten auf dem Parkett und oben auf der Galerie drängten sich lange vor Konzertbeginn die Menschen, um später nur ja einen Blick auf die Bühne erhaschen zu können. Schließlich hatten sich Air angekündigt, einer der Pop-Exportschlager Frankreichs. Doch bevor die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie so oft in den vergangenen Monaten war auch am Montagabend das Atelier restlos ausverkauft. Unten auf dem Parkett und oben auf der Galerie drängten sich lange vor Konzertbeginn die Menschen, um später nur ja einen Blick auf die Bühne erhaschen zu können. Schließlich hatten sich Air angekündigt, einer der Pop-Exportschlager Frankreichs. Doch bevor die ihren Chill Out-Electro servierten, war George Pringle an der Reihe.<br />
<span id="more-479"></span><br />
Auf der Myspace-Seite der jungen Musikerin aus London steht: &#8220;Posh girl moans&#8230;&#8221;. Weiter unten ist eine Definition von &#8220;Diseuse&#8221; zu lesen: &#8220;A female entertainer who performs monologues&#8221;. Was zugleich eine treffende Umschreibung ihrer Bühnenperformance ist. Im Gegensatz zu ihrem männlichen Alltagsphilosophen Mike Skinner von The Streets ist Pringle, die eigentlich Georgina Richards-Pringle heißt und zuvor in einer Punkband sang und danach solo Akustikmusik machte, äußerst schüchtern. Die schlaksige 25-Jährige kam lediglich mit Mikrofon und iBook auf die Bühne und machte nicht den Eindruck, als fühlte sie sich pudelwohl ob der vielen Blicke, die auf sie gerichtet waren. Sie schien leicht nervös zu sein und brach die Versuche, mit dem Publikum auf französisch zu kommunizieren, auch mal mitten im Satz ab. Andererseits zog sie ihr Programm durch &#8211; trotz des nicht unerheblichen Geräuschpegels im Publikum. Einige unterhielten sich nämlich lieber als dieser jungen Künstlerin zuzuhören, die auf unnachahmliche Weise die Spoken Word-Kunst mit dem am Computer generierten LoFi-Electro kombinierte.</p>
<p>Mit solch spartanischen Mitteln komponieren Air natürlich nicht ihre Songs. Allenfalls ihre Bühnendarbietung war spartanischer Natur. Jean-Benoît Dunckel, komplett in weiß gekleidet, bewegte sich so gut wie gar nicht. Er stand mit stoischer Ruhe da und bediente die Tasten, Knöpfe und Regler seiner teils sehr antiquiert anmutenden Instrumente. Zwischen den Songs kam stets ein Assistent geeilt, um an den Apparaturen die Einstellungen für die passenden Klänge des nächsten Songs vorzunehmen. Der trug übrigens &#8211; einem Butler gleich &#8211; weiße Handschuhe und einen dunklen Anzug. Das hatte Stil.</p>
<p>Im Hintergrund saß Schlagzeuger Alex Thomas (auch Bat For Lashes) und auf der rechten Bühnenseite stand Nicolas Godin, der etwas mehr Einsatz als sein Kollege Dunckel zeigte. Er spielte Bass, Keyboard, sang ab und an und in ganz raren Momenten huschte ihm sogar ein Lächeln über sein strenges Gesicht. Beispielsweise als das die Stimmung im Saal über zu kochen drohte, weil Air gerade &#8220;Sexy Boy&#8221; von ihrem 1998 veröffentlichten Debüt &#8220;Moon Safari&#8221; anstimmten.</p>
<p>Obwohl ihr Bewegungsradius auf der Bühne minimalst war und sich nach vielen Wochen auf Tour zusätzlich Routine eingeschlichen hatte, die Musik war vom Allerfeinsten. Los ging es mit &#8220;Do The Joy&#8221;, dem ersten Song ihres aktuellen Albums &#8220;Love 2&#8243;. Sechs weitere Songs davon folgten. Dazwischen gesellten sich die Klassiker &#8220;Kelly Watch The Stars!&#8221;, &#8220;Cherry Blossom Girl&#8221;, &#8220;La Femme d&#8217;Argent&#8221; und &#8220;How Does It Make You Feel?&#8221;.</p>
<p>Die einzigen Mankos an diesem Abend waren, dass die Bühne des Atelier zu klein für die standardmäßige Lichtshow war und dass vom hervorragenden &#8220;The Virgin Suicides&#8221;-Soundtrack nur &#8220;Highschool Lover&#8221; und leider nicht das brillante &#8220;Playground Love&#8221; gespielt wurde. Wahrscheinlich fehlt Letzteres immer wieder auf der Setlist, weil es im Studio von Gordon Tracks alias Thomas Marx (Phoenix) eingesungen wurde. Glücklicherweise war es auch ohne &#8220;Playground Love&#8221; ein gelungener Abend.</p>
<p>Kai Florian Becker (Februar 2010)</p>
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		<title>Silbermond: Bio-Halstuch und Schneidebrett</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 05:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Binnen fünf Jahren, also seit dem Erscheinen ihres ersten Albums &#8220;Verschwende Deine Zeit&#8221;, avancierten Silbermond vom Newcomer zu einer festen Größe der deutschen Rock- und Pop-Musik. Jedes ihrer drei Studioalben wurde mit Doppel-Platin ausgezeichnet; die letzten beiden standen sogar auf Platz eins der deutschen Charts. Von all den Musikpreisen, die sie erhielten, ganz zu schweigen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Binnen fünf Jahren, also seit dem Erscheinen ihres ersten Albums &#8220;Verschwende Deine Zeit&#8221;, avancierten Silbermond vom Newcomer zu einer festen Größe der deutschen Rock- und Pop-Musik. Jedes ihrer drei Studioalben wurde mit Doppel-Platin ausgezeichnet; die letzten beiden standen sogar auf Platz eins der deutschen Charts. Von all den Musikpreisen, die sie erhielten, ganz zu schweigen. Gleichzeitig wurden die Konzerthallen größer und größer: 2005 gastierten Silbermond in der Saarbrücker Garage, danach zweimal im E-Werk und am Sonntag also in der Saarlandhalle.<span id="more-411"></span> Die war sogar noch zu klein und bis zum letzten Sitz- und Stehplatz ausverkauft. Etwas mehr als 5.000 Fans – von sehr jung bis alt – feierten über zwei Stunden mit dem Quartett, das vor elf Jahren im sächsischen Bautzen zusammenfand.</p>
<p>Schwer wurde es Silbermond wahrlich nicht gemacht. Als Sängerin Stefanie Kloß anlässlich des Songs &#8220;Meer Sein&#8221; ihre Fans aufforderte, die Arme in die Luft zu recken, gehorchten ihr fast alle. Bevor die Band die aktuelle Single &#8220;Krieger Des Lichts&#8221; anstimmte, sollte jeder im Saal etwas Leuchtendes hoch halten. Noch vor dem ersten Akkord hatte sich die Saarlandhalle dank der unzähligen Handys, Feuerzeuge und Leuchtstäbe in ein Lichtermeer verwandelt. Rhythmisches Klatschen und ein Chor aus tausend Stimmen begleiteten nahezu jeden bekannten Song – so auch &#8220;Durch Die Nacht&#8221; und &#8220;Irgendwas Bleibt&#8221;. Band und Fans kamen sich teilweise sehr nah: Mal durfte ein Dutzend Fans auf die Bühne, mal sprang Kloß ins Publikum und ließ sich auf Händen zur Hallenmitte tragen.</p>
<p>Silbermond boten ihren Fans ein denkwürdiges Konzert und obendrein an ihrem Verkaufsstand nützliche Gebrauchsartikel: vom Bio-Halstuch über eine Kulturtasche und ein Pflasterset mit der Aufschrift &#8220;Nichts passiert&#8221; bis hin zu einem Schneidebrett inklusive eines Rezepts für das &#8220;Perfekte Frühstücksei&#8221;. Irgendwie sympathisch.</p>
<p>Kai Florian Becker (Dezember 2009)</p>
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		<title>Pink: Käsefondue und Spitze</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 05:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Knapp 50 Euro kosteten die Eintrittskarten für das Pink-Konzert am Samstag in der Rockhal. Es waren 50 Euro, die sich zu investieren lohnten. Pink setzte alles daran, diesen Abend unvergesslich zu machen. Das fing bei einer imposanten, eine Spur zu kitschigen Bühnendekoration an, die etwas von Zirkusmanege, Western-Saloon und Varieté hatte. Die 30-jährige Sängerin hatte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Knapp 50 Euro kosteten die Eintrittskarten für das Pink-Konzert am Samstag in der Rockhal. Es waren 50 Euro, die sich zu investieren lohnten. Pink setzte alles daran, diesen Abend unvergesslich zu machen.<span id="more-394"></span> Das fing bei einer imposanten, eine Spur zu kitschigen Bühnendekoration an, die etwas von Zirkusmanege, Western-Saloon und Varieté hatte. Die 30-jährige Sängerin hatte ihren eigenen Spielplatz mitgebracht, über den sie zwei Stunden lang mit ihren Tänzern und Musikern wirbelte und das Publikum bei bester Laune hielt. Und das obwohl ihr doch ein ganzer Topf Käsefondue, den sie am Abend zuvor in einem Luxemburger Restaurant verspeist hatte, zu schaffen machte.</p>
<p>Die Songauswahl war dank Internet längst kein Geheimnis mehr: Auf die rockigen Lieder &#8220;Don&#8217;t Let Me Get Me&#8221;, &#8220;U + Ur Hand&#8221;, &#8220;So What&#8221; und &#8220;Just Like A Pill&#8221; folgten Balladen. Bei &#8220;Dear Mr. President&#8221; wurde auf Leinwänden fortwährend das Konterfei von George W. Bush gezeigt. Nicht dass jemand auf die Idee kommen konnte, Pink wolle den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama anklagen. Die schockierenden Elends- und Kriegsbilder, die dazwischen geschnitten wurden, waren ebenso wenig für die vielen Kinder im Publikum geeignet wie das Liebesgebalze, das sie in einem Hauch von Nichts an Spitzenunterwäsche auf einem Sofa räkelnd mit einem ihrer Tänzer bot. Untermalt wurde die Erotikshow von einer TripHop-Version des Divinyls-Songs &#8220;I Touch Myself&#8221;. Wenigstens hatten jetzt auch die männlichen Begleiter unter den 6.000 Besuchern, die wohl nicht ausnahmslos freiwillig mitgekommen waren, einen denkwürdigen Konzertmoment. Das Gros der Gäste schwebte längst im siebten Himmel.</p>
<p>Kai Florian Becker (Dezember 2009)</p>
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