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	<title>KAI FLORIAN BECKER (KFB) &#187; interviews</title>
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		<title>Sophia: Die Lust am Touren und Schwimmen</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 05:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Robin Proper-Sheppard macht Musik, die unter die Haut geht. Erst war diese melancholisch und wütend (von 1990 bis 1994 mit The God Machine). Seit 1995 heißt seine Band Sophia, deren Songs weniger wütend, dafür umso einfühlsamer sind. Aktuell ist er mit den Sophia-Songs auf Solotournee und wird am Samstag in Saarbrücken gastieren.
Mit jedem Album touren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Robin Proper-Sheppard macht Musik, die unter die Haut geht. Erst war diese melancholisch und wütend (von 1990 bis 1994 mit The God Machine). Seit 1995 heißt seine Band Sophia, deren Songs weniger wütend, dafür umso einfühlsamer sind. Aktuell ist er mit den Sophia-Songs auf Solotournee und wird am Samstag in Saarbrücken gastieren.</p>
<p>Mit jedem Album touren Sie mehrfach durch Europa. Es scheint Ihnen großen Spaß zu bereiten, live aufzutreten?<br />
Sheppard: &#8220;Natürlich. Für viele Musiker ist es das Ein und Alles, vor Publikum zu spielen. Aber nicht für mich. Das Schönste am Touren ist, nach den Konzerten Leute zu treffen und mit ihnen zu reden. Ich finde es spannend zu erfahren, wie meine Musik auf sie wirkt. Gerade während dieser Akustiktournee habe ich viel Zeit, mit meinen Fans zu reden.&#8221;</p>
<p>Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es viele Fans gibt, die immer und immer wieder Ihre Konzerte besuchen.<br />
Sheppard: &#8220;Ich kenne welche, die waren schon auf zwölf Sophia-Konzerten. Beeindruckend, oder? Da dieses Mal die Eintrittspreise etwas niedriger und die Clubs kleiner sind &#8211; ich wusste nämlich ehrlich gesagt nicht, ob mich viele allein auf der Bühne ertragen würden &#8211; treffe ich auch viele neue Fans.&#8221;</p>
<p>Es heißt, an freien Tagen würden sie am liebsten schwimmen gehen. Sie haben sogar schon an zwei Schwimm-Marathons teilgenommen.<br />
Sheppard: &#8220;Na, wer genießt es nicht, einige Runden im Wasser zu drehen. Drei Tage vor dieser Tour nahm ich an einem Rennen teil. Es lief okay. Ich war nicht ganz so schnell wie im letzten Jahr. Da arbeitete ich gerade an dem Album &#8216;There Are No Goodbyes&#8217; und war unglaublich depressiv. Ich versuchte, das mit Songschreiben und Schwimmen zu bekämpfen. Da ich in Kalifornien aufwuchs und eine Affinität zu Wasser habe, ist Schwimmen für mich eine meditative Erfahrung. Es ist perfekt, um abzuschalten.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2010)</p>
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		<title>William Fitzsimmons: Das Vertrauen in Klänge</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jun 2010 13:28:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[William Fitzsimmons trägt gerne Bart. Was er mit einigen Musikern seiner Zunft gemein hat. Denn Fitzsimmons zählt zur Singer-Songwriter-Gilde. Doch im Gegensatz zu anderen spielt er nicht nur Gitarre und singt. Obendrein würzt er seine Songs mit Beats und Samples aus der Tonkonserve.
Sie wuchsen als Kind blinder Eltern auf. Inwiefern hat diese Tatsache Ihr Leben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>William Fitzsimmons trägt gerne Bart. Was er mit einigen Musikern seiner Zunft gemein hat. Denn Fitzsimmons zählt zur Singer-Songwriter-Gilde. Doch im Gegensatz zu anderen spielt er nicht nur Gitarre und singt. Obendrein würzt er seine Songs mit Beats und Samples aus der Tonkonserve.<span id="more-605"></span></p>
<p>Sie wuchsen als Kind blinder Eltern auf. Inwiefern hat diese Tatsache Ihr Leben geprägt?<br />
Fitzsimmons: &#8220;In vielerlei Hinsicht hat das meine Kindheit gar nicht beeinträchtigt. Sie unterstützten mich und meine Geschwister darin, hart an uns zu arbeiten, unabhängig und einsichtig zu sein. Was wohl alle guten Eltern vermitteln würden. Andererseits wurde ich in einem unglaublich schwierigen Umfeld groß. Es existierten keine visuellen Reize. Selbst kurze Reisen waren unmöglich und das Vertrauen in Klänge war das A und O. Wir wurden erzogen, unsere Ohren zu benutzen und nicht unsere Augen, um zu verstehen und mit der Welt zu kommunizieren. Der wichtigste Teil der Erziehung war, zu lernen, mit Musik zu sprechen.&#8221;</p>
<p>Ihr Vater soll trotz seiner Behinderung vor Jahren eine Orgel gebaut haben?<br />
Fitzsimmons: &#8220;Er hat sehr effizient seine Ohren, Hände und seinen Verstand eingesetzt, um Dinge zu machen, die Du und ich dank unserer Augen im Nu erledigen könnten. Er kannte sich schon als Kind mit Elektrizität aus, werkelte mit den ersten Computern herum und ist wohl der brillanteste Mensch, den ich je getroffen habe. Er war ein Fan von Orgeln und deren Musik. Es dauerte, bis er seine Orgel fertig hatte. Da war ich etwa zehn Jahre alt. Unser Wohnzimmer war zum einen mit Möbeln zugestellt, zum anderen mit der Orgel. Sie klang wahnsinnig gut. Es war aufregend, einen solchen Klang aus der Nähe erleben zu können. Leider mussten meine Eltern nach ihrer Scheidung das Haus und damit die Orgel verkaufen.&#8221;</p>
<p>Sie spielten nie in einer Band, schrieben Ihre Songs stets alleine. Warum?<br />
Fitzsimmons: &#8220;Diesbezüglich bin ich ein Einzelgänger. Ich hatte es mit befreundeten Musikern versucht, doch letztlich habe ich lieber keine Menschen um mich herum, wenn ich komponiere. Das mache ich am liebsten in aller Stille und Abgeschiedenheit. Im Studio und auf Tour habe ich allerdings meine Band dabei. Introvertierte Menschen brauchen andere Menschen, extrovertierte sind manchmal lieber allein. Am besten man hat, wie ich, die Wahl zwischen beidem.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Juni 2010)</p>
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		<title>Fettes Brot: Größenwahnsinig wie wir sind</title>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 05:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[1992 gründeten die Vorstadt-Gymnasiasten Boris Lauterbach, besser bekannt als König Boris, Martin Vandreier alias Dokter Renz und Björn Warns (Björn Beton) Fettes Brot. Seitdem hat die Hamburger HipHop-Band scheinbar mit Leichtigkeit unzählige Hits geschrieben: angefangen bei &#8220;Nordisch By Nature&#8221; und &#8220;Jein&#8221; über &#8220;Viele Wege führen nach Rom&#8221; und &#8220;Schwule Mädchen&#8221; bis hin zu &#8220;Bettina, zieh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1992 gründeten die Vorstadt-Gymnasiasten Boris Lauterbach, besser bekannt als König Boris, Martin Vandreier alias Dokter Renz und Björn Warns (Björn Beton) Fettes Brot. Seitdem hat die Hamburger HipHop-Band scheinbar mit Leichtigkeit unzählige Hits geschrieben: angefangen bei &#8220;Nordisch By Nature&#8221; und &#8220;Jein&#8221; über &#8220;Viele Wege führen nach Rom&#8221; und &#8220;Schwule Mädchen&#8221; bis hin zu &#8220;Bettina, zieh dir bitte etwas an&#8221; und aktuell &#8220;Kontrolle&#8221;, einer Auskopplung aus ihren beiden zuletzt veröffentlichten Livealben &#8220;Fettes&#8221; und &#8220;Brot&#8221;. Wie es möglich ist, über Jahre konstant hohe Qualität abzuliefern, das erklärt Boris Lauterbach.<span id="more-588"></span></p>
<p>Auf der Facebook-Website von Fettes Brot steht: &#8220;Fettesbrot packt seine Koffer und nimmt mit: Das Nervenkostüm!&#8221; Sie sind doch nicht etwa aufgeregt, wenn Sie auf Tournee gehen?<br />
&#8220;Das Nervenkostüm ist unsere achtköpfige Band, die wir liebevoll so nennen. Davon ab: Wenn man jeden Abend vor ein paar tausend Leuten auf die Bühne geht, und wenn man will, dass alles funktioniert und gut wird, und mit einer gewissen Leidenschaft bei der Sache ist, bleibt Nervosität nicht aus.&#8221;</p>
<p>Das Video zur aktuellen Single &#8220;Kontrolle&#8221; entstand unter der Regie von Björn Beton. Er hatte erstmals Regie geführt. Woher hat er den Sachverstand?<br />
&#8220;Um Sachverstand haben wir uns noch nie gekümmert, sonst hätten wir uns nie auf die Bühne gewagt. Im Ernst: Björn hatte eine gute Idee, sich Hilfe genommen und sein Konzept seinen Vorstellungen entsprechend umgesetzt. Das Resultat spricht für sich.&#8221;</p>
<p>Und wurde auf Netzpolitik.org gepostet, einem Blog für Freiheit und Offenheit im digitalen Zeitalter. War es Ihre Intention, so ernst genommen zu werden?<br />
&#8220;Auf jeden Fall. Wer was nachher mit unserem Video macht, das können wir nicht beeinflussen. Unser Ziel war es, das Thema Kontrolle, Überwachungsstaat und Internetsperre in einen Popsong einzubringen. Wenn das Ergebnis dann auch auf solchen Seiten besprochen wird, freuen wir uns durchaus.&#8221;</p>
<p>In dem Lied setzten Sie den Auto-Tune-Effekt ein, der die Stimme künstlich verändert. Kommt heutzutage kein Popalbum ohne diese nervige Spielerei aus?<br />
&#8220;Sicherlich. Aber es passte inhaltlich bestens. Der Auto-Tune kontrolliert ja die Stimme, damit die Töne immer richtig liegen.&#8221;</p>
<p>Ist Fettes Brot nun eine politische und doch keine Unterhaltungsband?<br />
&#8220;Das ist kein Wiederspruch. Wir sind beides. Wir haben keine Scheu, unsere Ansichten kundzutun. Doch wird man bei uns keinen erhobenen Zeigefinger sehen. Besonders gelungen ist ein Lied dann, wenn man dazu in der Disco tanzen kann und zuhause beim genaueren Studium des Textes ins Grübeln kommt.&#8221;</p>
<p>Hätten Sie es in den Neunzigern je für möglich gehalten, auch 2010 noch mit Fettes Brot zu touren und Alben zu veröffentlichen?<br />
&#8220;Vor 18 Jahren hätte ich bestimmt nein gesagt. Wir sind keine Band, die große Zukunftspläne schmiedet. Unsere Planungen erstrecken sich immer auf ein halbes, maximal auf ein Jahr. Ich kann mir durchaus vorstellen, mit 60 Jahren noch Musik zu machen. Solange wir Spaß an der Sache haben, das Gefühl überwiegt, dass wir noch relevant sind, und sich die Leute für uns interessieren, machen wir weiter.&#8221;</p>
<p>Wie sehen Sie die Veränderungen, die der deutsche HipHop in den letzten Jahren durchgemacht hat?<br />
&#8220;Der HipHop hat die Entwicklungen genommen, die alle Subkulturen durchmachen, wenn sie in den Mainstream Einzug erhalten. Es gibt eine gewisse Pluralität: verschiedene Stile und verschiedene Ansätze. Das wiederum kann auch zu einer Art Beliebigkeit führen. Letztlich ist der HipHop ein fester Bestandteil der Musikkultur, der sicherlich auch in Zukunft immer mal wieder aufregende Künstler hervorbringen wird. Leider sind momentan die Dummdreisten etwas lauter als die Intelligenten. Aber das kann sich wieder ändern. Ich halte nichts von Pessimismus und hoffe aufs Beste.&#8221;</p>
<p>Was ist das Geheimnis, dass Fettes Brot seit 18 Jahren zusammen sind?<br />
&#8220;Es ist eine Mischung aus vielen Dingen. Wir haben im Verlauf unserer Karriere nicht jeden Euro mitgenommen, den wir hätten verdienen können und haben uns eher für die Kunst denn fürs Geld entschieden. Dann wären da die drei Typen in der Band: Wir mögen uns und inspirieren uns gegenseitig. Wir sind in erster Linie Freunde, dann erst Kollegen. Außerdem sind wir nach wie vor neugierig und haben tierischen Spaß, Platten aufzunehmen, auf Tour zu gehen und unser Leben mit Musik zu beschreiten. Ohne den Spaß würde es keinen Sinn mehr machen.&#8221;</p>
<p>Und warum sind Ihre Songs seit jeher so erfolgreich? Liegt es daran, dass Sie musikalisch stets am Puls der Zeit sind? Oder an der Ironie in Ihren Songs?<br />
&#8220;Beides. Wir beschäftigen uns eingängig mit aktueller Musik und vermeiden es, uns zu wiederholen. Viele Fans sind mit uns gewachsen. Andererseits ist es erstaunlich, wie viele junge und neue Fans auf unseren Konzerten auftauchen. Das gibt uns ein sehr gutes Gefühl.&#8221;</p>
<p>Man hat nicht den Eindruck, Sie würden sich zu ernst nehmen, zugleich aber nehmen Sie Ihren Job sehr ernst.<br />
&#8220;Das ist schön gesagt. Ein ironischer Abstand zu sich selbst, ist ungemein wichtig: im Privatleben und erst recht als Popstar. Wenn man sich jeden Tag so benimmt, als sei man am offenen Herzen operiert, wäre das sehr schnell peinlich. Glücklicherweise haben wir diese Distanz. Aber sobald wir in ein Studio oder auf eine Bühne gehen, haben wir den Ehrgeiz, es so gut zu machen, wie wir können.&#8221;</p>
<p>Seit längerem erscheinen Ihre Tonträger auf Ihrem eigenen Label Fettes Brot Schallplatten. Vielen Künstlern wäre das zu viel; sie konzentrieren sich auf die Musik und kümmern sich weniger ums Business&#8230;<br />
&#8220;Wir sind eine gewachsene Truppe, der auch noch andere angehören. Der Ehrlichkeit halber muss ich sagen, dass sich eben diese anderen um das Label kümmern. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Musik. Wir treffen uns nur ein Mal die Woche und besprechen geschäftliche Dinge.&#8221;</p>
<p>Bei einer anderen Plattenfirma wäre es vielleicht nicht so einfach zu realisieren gewesen, zwei Livealben an einem Tag zu veröffentlichen. Wieso eigentlich zwei separate Alben?<br />
&#8220;Das hat mit popkulturellen Zusammenhängen zu tun. Die Beatles haben das schon so gemacht und auch Gun&#8217;n'Roses. Wir wollten uns &#8211; so größenwahnsinnig wie wir sind &#8211; da einreihen. Daher haben wir zwei durchdesignte, edel verpackte Alben herausgebracht.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2010)</p>
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		<title>Midge Ure: Wie ein Urlaubstrip</title>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 05:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Er hätte Sänger der Sex Pistols werden können, spielte dann aber in der Punkband The Rich Kids. Danach wurde er Frontmann von Ultravox, gründete Visage, stand mit Thin Lizzy auf der Bühne und schrieb mit Bob Geldorf den Band Aid-Hit &#8220;Do They Know It&#8217;s Christmas?&#8221;. Davon ab ist er seit Jahren erfolgreicher Solomusiker. Das Leben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er hätte Sänger der Sex Pistols werden können, spielte dann aber in der Punkband The Rich Kids. Danach wurde er Frontmann von Ultravox, gründete Visage, stand mit Thin Lizzy auf der Bühne und schrieb mit Bob Geldorf den Band Aid-Hit &#8220;Do They Know It&#8217;s Christmas?&#8221;. Davon ab ist er seit Jahren erfolgreicher Solomusiker. Das Leben von Midge Ure ist wahrlich bewegt und ein Interview mit ihm kurzweilig und unterhaltsam zugleich.<span id="more-584"></span></p>
<p>Wenn Sie zurückblicken auf all das, was Sie als Musiker erreicht haben, sind Sie stolz auf sich?<br />
&#8220;Ehrlich gesagt, kenne ich niemanden, der so denkt. Andererseits gibt es persönliche Momente in meinem Leben, die vielleicht nicht die offensichtlichen Höhepunkte sind, da hätte ich mich schon kneifen können. Beispielweise als ich mit Eric Clapton in meinem Haus in der Karibik Gitarre spielte. Wir saßen da und spielten ein paar alte Blues-Lieder. Phänomenal. Das war das absolut Größte für mich. Ich erinnere mich noch, dass ich als Kind hinten auf meiner Jacke stehen hatte: Clapton is god! 15 Jahre später spiele ich zusammen mit ihm. Es sind nicht die Nummer Eins-Hits, sondern die kleinen Dinge, die mir etwas bedeuten.&#8221;</p>
<p>Haben Sie die Session mitgeschnitten?<br />
&#8220;Nein, sie existiert nur in meinem Kopf. Haha. Ich weiß noch: Ich hatte eine Akustik- und eine E-Gitarre. Letztere hatten wir an einen Ghettoblaster angeschlossen, weil ich keinen Verstärker da hatte. Wir tauschten immer wieder die Instrumente. Es war fantastisch.&#8221;</p>
<p>Sie erwähnten Ihre Nummer Eins-Hits. Wo bewahren Sie Ihre Goldenen Schallplatten auf?<br />
&#8220;Die sind alle in einem Raum unter dem Dach verstaut. Ich weiß diese Auszeichnungen durchaus zu schätzen. Aber ich habe keine Lust, durch mein Haus zu gehen und sie ständig betrachten zu müssen. Das wäre zu selbstgefällig. Man würde eh nicht unbedingt vermuten, dass hier ein Musiker wohnt. Die einzigen Instrumente, die bei mir rumstehen, sind die meiner Kinder.&#8221;</p>
<p>Ihr Haus erinnert demnach nicht an Museum?<br />
&#8220;Auf keinen Fall. Ich habe es nicht so mit Antiquiertem. In diesem Moment sitze ich vor meinem High-Tech-Laptop. Ich bin der totale Technik-Liebhaber und mag diese kleinen Maschinen, die dir das Leben erleichtern.&#8221;</p>
<p>Bei welchem Projekt – abgesehen von der Session mit Clapton – hatten Sie am meisten Spaß?<br />
&#8220;Ohne jetzt zu nazistisch erscheinen zu wollen: Das war der Moment, in dem ich zu Ultravox kam. Denn wir hatten seinerzeit gar nichts. Wir standen ohne Plattenfirma da, der Sänger und der Gitarrist waren ausgestiegen und wir pleite. Doch im Proberaum machten wir so aufregende Musik, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben gehört hatte. Noch bevor wir Erfolg hatten, war es ein fantastisches Gefühl, Mitglied dieser Band zu sein. Davon ab, hatte ich unglaublich viel Glück, über die Jahre die Leute zu treffen, die ich verehrte. Das Duett mit Kate Bush war zum Beispiel großartig (&#8221;Sister And Brother&#8221; von seinem 1988 veröffentlichten Album &#8220;Answers To Nothing&#8221;). Wir waren nicht zusammen im Studio, so dass ich in Tränen ausbrach, als ich den fertigen Song erstmals hörte. Kate hatte Tage damit verbracht, den Gesang mit einem Mehrspurgerät einzusingen.&#8221;</p>
<p>Waren Sie bereits ein Fan von Ultravox bevor Sie in die Band kamen?<br />
&#8220;Ich war kein Fan der ersten beiden Platten. Ich wohnte zuvor in Glasgow. Da hörte ich von dem Gerücht, Ultravox sei eine künstliche Band. Das war seinerzeit ihr Stigma. So hatte ich wenig Interesse für die Band entwickelt. Bis ich in London die Clubs meines Freundes Rusty Egan aufsuchte und Songs ihres dritten Albums &#8216;Systems Of Romance&#8217; zu hören bekam. Mir gefielen die Aufnahmen mit Conny Plank in Deutschland als auch die Kombination aus traditionellen Rockinstrumenten und Elektronik.&#8221;</p>
<p>Mit eben jenem Egan und Steve Strange gründeten Sie 1978 Visage, deren bekanntester Song &#8220;Fade To Grey&#8221; ist. Wie denken Sie heute über Visage?<br />
&#8220;Auf diesen Song bin ich stolz. Visage war ja nur ein Projekt. Ich durfte bis dahin nie im Studio das machen, worauf ich Lust hatte. Dabei hatte ich großes Interesse am Produzieren, hatte mir gerade meinen ersten Synthesizer gekauft und hörte viel elektronische Musik aus Deutschland und Belgien. Dann versammelte ich all meine Lieblingsmusiker um mich herum: Billy Currie von Ultravox und die Jungs von Magazine. Rusty half mir dabei, und so konnte ich erstmals im Studio nach meinen Vorstellungen Musik machen. &#8216;Fade To Grey&#8217; basiert auf einem Jam von Currie und Chris Payne, dem Keyboarder von Gary Numans Liveband. Diesen Jam hatten sie immer wieder während einer Numan-Tour gespielt. Ich musste nur noch die Melodie und den Text hinzufügen. Der Song wurde bekanntlich extrem populär und plötzlich in den angesagtesten Clubs in Berlin und New York gespielt.&#8221;</p>
<p>Das muss für die restlichen Ultravox-Mitglieder doch frustrierend gewesen sein: Kaum durften Sie mal machen, was Sie wollten, hatten Sie einen weltweiten Hit gelandet.<br />
&#8220;Haha. Ich glaube nicht, dass einer frustriert war. Es war ja nicht nur ich. Ohne die anderen hätte ich meine Ideen nie realisieren können. Die Kombination aus Leuten war das Geheimnis &#8211; auch bei Ultravox. Ich denke da an den Song &#8216;Vienna&#8217;, der die Ideen aller Vier wiederspiegelt. Vielleicht war ich der Katalysator. Aber ich allein hätte mir diese Songs nicht ausdenken können &#8211; genauso wenig wie Ultravox ohne mich. Wir waren zur richtigen Zeit zusammen. Außerdem waren wir jung, naiv und enthusiastisch und hatten viel Glück.&#8221;</p>
<p>Nun gehen Sie erneut mit Ultravox auf Tournee. Sind Sie aufgeregt?M.U.: &#8220;Wir kennen ja die Geschichten von all den Bands, die auf Reunion-Tour gehen und deren Mitglieder mit eigenem Manager im eigenen Auto reisen. Wir tourten bereits Ende letzten Jahres durch Großbritannien und das in einem Minibus. Ein tolle Erfahrung: Wir redeten und redeten. Das war neu für uns. Wir machen das ja aus Spaß und nicht, um reich zu werden. Die Show kostet Unsummen. Wir werden aber viel Genugtuung erfahren und die Songs auf technisch höchstem Niveau darbieten können. Mich erinnert das fast an einen Urlaubstrip. Wobei die Vorbereitungen intensiv waren: Warren (Cann) hatte jahrelang kein Schlagzeug mehr gespielt, Billy tüftelte ewig am Computer, um die alten Synthesizer-Sounds zu kreieren, und keiner von ihnen hatte je ein In-Ear-Monitorsystem benutzt. Haha.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2010)</p>
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		<title>Editors: Freundschaft über alles</title>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 18:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf ihrem Debütalbum &#8220;The Black Room&#8221; kokettierte die aus Birmingham stammende Band Editors mit dem Sound von Joy Division, Echo And The Bunnymen und auch Interpol. Fünf Jahr später fürchtete das Quartett, in einer Sackgasse zu enden und wandte sich auf seinem dritten Album &#8220;In This Light And On This Evening&#8221; elektronischen Klangwelten zu. Eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf ihrem Debütalbum &#8220;The Black Room&#8221; kokettierte die aus Birmingham stammende Band Editors mit dem Sound von Joy Division, Echo And The Bunnymen und auch Interpol. Fünf Jahr später fürchtete das Quartett, in einer Sackgasse zu enden und wandte sich auf seinem dritten Album &#8220;In This Light And On This Evening&#8221; elektronischen Klangwelten zu. Eine gewagte, aber überlebensnotwendige Maßnahme, wie Schlagzeuger Edward Lay im Gespräch erklärt.<span id="more-578"></span></p>
<p>Sie alle hatten &#8220;Music Technology&#8221; an der Stafford University studiert, bevor sie Editors gründeten. Haben Sie während des Studiums etwas gelernt, das Ihnen heute als professioneller Musiker weiter hilft?<br />
&#8220;Ehrlich gesagt: Nein. Wir wollten sowieso keine Toningenieure, höchstens vielleicht Produzenten werden. Zumindest hatten wir die Zeit und die Möglichkeit, eine Band zu gründen. Da wir uns täglich im Unterricht sahen, konnten wir uns sehr gut kennenlernen, bevor wir wochenlang im Tourbus aufeinander hocken mussten. Doch was uns auf der Universität vermittelt wurde, hilft uns heute im Musikgeschäft nicht wirklich weiter.&#8221;</p>
<p>Stimmt es, dass Sie zu Beginn Ihrer Karriere als Verkäufer in einem Schuhgeschäft arbeiteten?<br />
&#8220;Ja, Chris (Urbanowicz, Gitarrist) und ich verkauften im gleichen Laden Schuhe. Das war eine ganz spezielle Erfahrung. Ich vermied es so weit wie möglich, anderer Leute Füße zu berühren. Es hat aber Spaß gemacht. Chris und ich waren ein gutes Team. Und wir haben einige sehr interessante Menschen kennen gelernt. Letztlich muss man halt irgendeinen Job haben, um sich ein Leben mit der Band zu finanzieren.&#8221;</p>
<p>Was sind Ihre Lieblingsschuhe beim Schlagzeugspielen?<br />
&#8220;Ha, das sind natürlich Converse All Stars, die Klassiker überhaupt. Das liegt einfach an der dünnen, sehr flexiblen Sohle. Man spürt die Pedale gut. Mensch, jetzt reden wir tatsächlich über Schuhe…&#8221;</p>
<p>Okay, Themawechsel: Wann hatten Sie den Punkt erreicht, von dem an Sie von der Musik leben konnten?<br />
&#8220;Nachdem wir den Plattenvertrag unterschrieben hatten und die ersten Tourneen anstanden, mussten wir unsere Jobs aufgeben. Welcher Arbeitgeber lässt dich schon wochenlang die Welt bereisen und stellt dich danach wieder an? So mussten wir einen Weg finden, irgendwo zu wohnen, ohne Geld auszugeben. Ich kam im Elternhaus von Russell (Leetch, Bassist) unter. Wahrscheinlich ging ich ihnen gehörig auf die Nerven, doch sie waren stets locker und nett zu mir. Es dauerte eine Weile, bis wir genug Geld verdienten. Letztlich haben wir jetzt erst den Punkt erreicht. Dennoch lief es gut für uns; wir hatten viel Glück, aber auch enorm viel Arbeit in die Band investiert. Wir sind dankbar, dass wir uns diesen Traum erfüllen durften.&#8221;</p>
<p>Hatten Sie denn den Wunsch, professioneller Musiker zu werden?<br />
&#8220;Oh ja. Ich hätte nur nicht gedacht, dass sich dieser jemals erfüllen würde. Vielleicht ist das Geheimnis, dass die Band auf einer sehr engen Freundschaft zwischen uns Vier basiert.&#8221;</p>
<p>Insofern wäre es ein Schock, wenn jetzt jemand aussteigen würde?<br />
&#8220;Vor einigen Monaten hatten wir uns darüber unterhalten, was wir im Fall der Fälle machen würden. Ich kann ehrlich gesagt nicht prophezeien, was passieren würde. Man weiß nie, was und wie es kommt.&#8221;</p>
<p>Sie erwähnten bereits, dass Sie eine enge Freundschaft verbindet. Mittlerweile leben Russell und Chris in New York, Sänger Tom Smith in London und Sie in Birmingham. Wie passt das zusammen?<br />
&#8220;Man braucht auch mal Abstand voneinander. Ohne die Auszeiten könnte die Band nicht existieren. Dann wären wir ja Maschinen. Man muss zudem neue Erfahrungen sammeln, damit die Musik auch weiterhin frisch und interessant klingt. Ich reise nicht nur mit der Band viel, sondern auch privat. Ich glaube, dass all die verschiedenen Orte, an denen wir leben, sich in dem neuen Album wiederspiegeln.&#8221;</p>
<p>Ist es dadurch nicht schwierig geworden, Band-Meetings zu arrangieren?<br />
&#8220;Die brauchen wir gar nicht. Letztlich lassen wir alles unser Management regeln. Die Leute kennen wir vom ersten Tag an und sind mittlerweile ebenfalls eng mit uns befreundet.&#8221;</p>
<p>Freundschaft scheint Ihnen sehr wichtig zu sein.<br />
&#8220;Absolut. Das gilt nicht nur für die Band und das Management, sondern auch für unsere Booking-Agenten, die PR-Leute und natürlich unsere Livecrew, die uns seit Jahren begleitet. Wir arbeiten so hart, da muss das Umfeld stimmen.&#8221;</p>
<p>Das neue Editors-Album, &#8220;In This Light And On This Evening&#8221;, klingt anders als seine beiden Vorgänger: elektronischer. Wie kam das?<br />
&#8220;Als wir uns die ersten Male trafen, um neue Songs zu schreiben, hatten wir das Gefühl, uns selbst zu kopieren. Wir waren wenig begeistert und uns schnell einig, dass es Veränderungen geben musste. Eine Möglichkeit bestand darin, anderes Equipment zu benutzen – beispielsweise einen Sampler. Ich würde nicht mal sagen, dass &#8216;In This Light And On This Evening&#8217; ein elektronisches Album geworden ist – eher ein mechanisches.&#8221;</p>
<p>Ohne diese Veränderungen wären Sie in einer Sackgasse gelandet?<br />
&#8220;Auf jeden Fall. Wir wollten weder uns noch andere anöden. Das wäre dumm gewesen. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Fans von uns erwarten, dass wir unserem Stil immer treu bleiben. Ich glaube, sie verändern sich und wachsen mit uns. Wir wollen sie keinesfalls enttäuschen.&#8221;</p>
<p>Allerdings schrieb Tom just, dass dieses Album vielen Fans vor den Kopf stoßen und die Meinungen spalten werde. Wie fielen bis dato die Reaktionen aus?<br />
&#8220;Wir absolvieren gerade die zweite UK-Tournee mit den neuen Songs. Beim ersten Mal blickten wir von der Bühne in sehr kritische Gesichter. Jetzt ist es schon besser. Die Konzerte sind intensiv, die Fans gelöster. Es sind jetzt auch viel dynamischere Shows, weil wir öfters die Instrumente wechseln und neue Klänge hinzugekommen sind.&#8221;</p>
<p>Trotz der kritischen Fans schaffte es &#8220;In This Light And On This Evening&#8221; auf Platz eins der UK-Charts.<br />
&#8220;Stimmt. Ich weiß nicht, ob wir das erwartet haben. Über so etwas machen wir uns wenig Gedanken. Das Album ist jedenfalls rund: Die Songs passen zusammen, und es gibt einen roten Faden. Überrascht war ich dennoch über die Chartplatzierung. Wobei es auch schnell wieder von Platz eins verschwand. (lacht)&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2010)</p>
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		<title>Karcher: Private Spaß-Veranstaltung</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 05:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Karcher gehören zu den besten und dienstältesten Indierock-Bands im Saarland. Zwar hat es nie für einen Plattenvertrag gereicht, dennoch hat die Mitte der Neunziger gegründete Band nie aufgegeben und an ihrem dynamischen Noiserock festgehalten. Gerade haben sie ein neues Album namens &#8220;Enduro&#8221; fertiggestellt. Ein Interview mit Sänger Dietmar Bottler.
Laut eigener Aussage ist Karcher eine &#8220;persönliche, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Karcher gehören zu den besten und dienstältesten Indierock-Bands im Saarland. Zwar hat es nie für einen Plattenvertrag gereicht, dennoch hat die Mitte der Neunziger gegründete Band nie aufgegeben und an ihrem dynamischen Noiserock festgehalten. Gerade haben sie ein neues Album namens &#8220;Enduro&#8221; fertiggestellt. Ein Interview mit Sänger Dietmar Bottler.<span id="more-553"></span></p>
<p>Laut eigener Aussage ist Karcher eine &#8220;persönliche, Non Profit-Freizeitbeschäftigung&#8221;. Was ist darunter zu verstehen?<br />
Bottler: &#8220;Wir sind damals dem Jugendzentrumsnetzwerk entwachsen, mittlerweile aber sehr in unsere Berufe eingebunden. Die Band ist eine private Spaß-Veranstaltung geworden. Wenn sich mal die Möglichkeit ergibt, irgendwo zu spielen – was selten passiert – dann freuen wir uns. Aber den Gedanken, irgendwann 2,50 Euro mit Musik zu verdienen, den haben wir uns längst abgeschminkt.&#8221;</p>
<p>Nun hat die Band einige Besetzungswechsel hinter sich. Dennoch ist der Karcher-Sound über Jahre mehr oder wenig gleich geblieben. Wie ist Euch das gelungen?<br />
Bottler: &#8220;Nun, drei Konstanten sind ja geblieben: Gitarre, Bass und Gesang. Auf diesen Positionen hat sich seit nunmehr 13 Jahren nichts getan. Natürlich bringt jeder Wechsel Veränderungen mit sich. So haben wir jetzt wieder einen zweiten Gitarristen und freuen uns, endlich wieder eine Wand, also Krach machen zu können. Sobald der eingearbeitet ist, werden wir neue Songs schreiben, die dann &#8211; bei unserem Arbeitspensum &#8211; in fünf bis zehn Jahren veröffentlicht werden.&#8221;</p>
<p>Fast hätte es mal mit einem Plattenvertrag geklappt. Woran scheiterte es?<br />
Bottler: &#8220;2005 war gerade unser zweiter Gitarrist ausgestiegen. Dadurch klang die Musik nicht mehr so dicht und kompakt wie zuvor. Das störte den Labelbetreiber. Ihm war letztlich das Risiko zu groß, weil er fürchtete, im Falle einer Albumproduktion Geld drauf zu legen. Unsere neue CD wollen wir dennoch wieder an einige Leute verschicken, in der Hoffnung, dass jemand bereit ist, uns zu unterstützen oder unter Vertrag zu nehmen.&#8221;</p>
<p>Gibt es eigentlich etwas, das sich in der hiesigen Musikszene ändern sollte?<br />
Bottler: &#8220;Ich will niemandem zu nahe kommen, doch mir ist aufgefallen, dass immer weniger Musiker musikalisch Eigenes machen. Das finde ich schade. Vielleicht ist das eine Alterserscheinung.&#8221;</p>
<p>Oder es liegt daran, dass die eigenen Songs auf wenig Interesse stießen und Coversongs generell besser ankommen&#8230;<br />
Bottler: &#8220;Klar, so hat man wenigstens einmal die Chance, auf einem größeren Fest aufzutreten. Ich wünsche mir dennoch, die Leute würden wieder mehr auf eigenen Füssen stehen.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (April 2010)</p>
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		<title>Lacuna: Wir sind richtig gute Freunde</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 05:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die saarländische Alternative Rock-Band Lacuna, die sich bereits Ende der Neunziger gründete, hat gerade ihr drittes Album &#8220;Oceangoing&#8221; fertiggestellt. Erscheinen wird es bei einer britischen Plattenfirma. Am Freitag werden Lacuna die neuen Songs in der &#8220;Sparte4&#8243; live vorstellen. Aus diesem Anlass sprach Kai Florian Becker mit Sänger/Gitarrist Marko Bach und Gitarrist Fabian Fuchs.

Wie ist Eurer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die saarländische Alternative Rock-Band Lacuna, die sich bereits Ende der Neunziger gründete, hat gerade ihr drittes Album &#8220;Oceangoing&#8221; fertiggestellt. Erscheinen wird es bei einer britischen Plattenfirma. Am Freitag werden Lacuna die neuen Songs in der &#8220;Sparte4&#8243; live vorstellen. Aus diesem Anlass sprach Kai Florian Becker mit Sänger/Gitarrist Marko Bach und Gitarrist Fabian Fuchs.<br />
<span id="more-506"></span><br />
Wie ist Eurer Meinung nach die aktuelle Situation für junge Bands im Saarland? Fehlt es an öffentlichen Geldern oder an Auftrittsmöglichkeiten?<br />
Fabian: &#8220;Wir finden es klasse, dass die ans Saarländische Staatstheater angekoppelte &#8216;Sparte4&#8242; unterschiedlichste Kulturveranstaltungen und auch Konzerte anbietet. Klar könnte es auch mehr Unterstützung für hiesige Bands geben. In Schweden beispielsweise sieht die Situation für junge Musiker nicht zuletzt aufgrund staatlicher Förderung besser aus. Aber auch im Saarland entstehen immer wieder Initiativen, mit denen sich dank viel Eigenengagement und Herzblut neue Möglichkeiten eröffnen.&#8221;<br />
Marko: &#8220;Deutschlandweit sind die Möglichkeiten geringer geworden. Andererseits ist es schön, dass insbesondere Festivals &#8211; ganz gleich ob mit Schwerpunkt Musik, Film oder Kunst im Allgemeinen &#8211; einen höheren Stellenwert zu erreichen scheinen.&#8221;</p>
<p>Findet Eure Musik außerhalb des Saarlandes mehr Beachtung als hier?<br />
Fabian: &#8220;In den letzten Jahren haben wir einige zehntausend Kilometer in Kleinbussen zurückgelegt und das nicht nur auf der A8 und A620. Immer wieder gab es tolle Reaktionen auf unsere Musik. Natürlich war es genial, auf Bühnen fernab der Heimat zu stehen und zu sehen, dass wir den einen oder anderen Unbekannten von unserem Tun überzeugen konnten. Im europäischen Ausland zu spielen, ist absolut großartig. Aber wir haben auch jede Menge Konzerte in heimischen Gefilden in bester Erinnerung.&#8221;<br />
Marko: &#8220;Beispielweise das Saarbrücker Konzert zu unserem 10-jährigen Bandjubiläum. Da herrschte eine sehr familiäre Atmosphäre.&#8221;</p>
<p>Wie ist es zu erklären, dass Ihr bei einer britischen Firma unter Vertrag steht?<br />
Fabian: &#8220;Entstanden ist der Kontakt auf einem Festival in der Nähe von Chemnitz. Wir waren zu spät dran, konnten aber dank der Flexibilität des Veranstalters und der britischen Hauptband zur besten Uhrzeit spielen. Unser Auftritt hatte den anwesenden Labelchef wohl überzeugt. Toll ist, dass wir es so schon zu Samplerbeiträgen und Rezensionen in britischen Magazinen gebracht haben. Jetzt sind wir natürlich auf die Reaktionen zum neuen Album gespannt.&#8221;</p>
<p>In über zehn Jahren gab es bei Lacuna nie einen Besetzungswechsel. Was ist Euer Geheimnis?<br />
Fabian: &#8220;Die erwähnten Busfahrten der Prä-DVD-Player-Ära haben uns zusammengeschweißt. Das Werkeln an neuen Ideen, die Einrichtung unseres Proberaums und Studios und auch der eine oder andere Konflikt haben uns auch kreativ herausgefordert. Wir sind richtig gute Freunde, die auch, wie im letzten Jahr geschehen, einfach mal ein paar Tage Urlaub miteinander verbringen.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (März 2010)</p>
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		<title>Dúné: Flucht vor der Langeweile und Einöde</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 05:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die sieben Mitglieder der dänischen Band Dúné sind im Schnitt 20 Jahre jung, haben aber schon zwei Alben veröffentlicht: &#8220;We Are In There, You Are Out Here&#8221; (2007) und &#8220;Enter Metropolis&#8221; (2009). Gegründet wurde die Alternative/Wave-Rock-Formation vor neun Jahren in dem kleinen Städtchen Skive. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kopenhagen leben sie mittlerweile in Berlin. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die sieben Mitglieder der dänischen Band Dúné sind im Schnitt 20 Jahre jung, haben aber schon zwei Alben veröffentlicht: &#8220;We Are In There, You Are Out Here&#8221; (2007) und &#8220;Enter Metropolis&#8221; (2009). Gegründet wurde die Alternative/Wave-Rock-Formation vor neun Jahren in dem kleinen Städtchen Skive. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kopenhagen leben sie mittlerweile in Berlin. Kai Florian Becker im Gespräch mit Sänger Mattias Kolstrup.<br />
<span id="more-483"></span><br />
Warum sind Sie mit der kompletten Band nach Berlin gezogen?<br />
Kolstrup: &#8220;Nachdem wir alle die Schule abgeschlossen hatten, gingen wir nach Kopenhagen. Es ist eine wundervolle Stadt, aber wir wollten etwas noch Größeres und Aufregenderes erleben – etwas, das uns inspiriert. So kamen wir auf Berlin. Gleichzeitig wurden wir als Musiker ambitionierter und suchten den engen Kontakt zu unserem Label, das hier seinen Sitz hat.&#8221;</p>
<p>Hat der Albumtitel &#8220;Enter Metropolis&#8221; etwas mit dem Umzug vom Land in die Großstadt zu tun?<br />
Kolstrup: &#8220;Richtig. Der Titel verweist auch auf all die anderen größeren Städte, die wir während unserer letzten Tourneen besucht haben. Für uns Landeier war es natürlich etwas Besonderes, Los Angeles, Moskau und Tokio zu Gesicht zu bekommen. &#8216;Enter Metropolis&#8217; bezieht sich zudem auf die Erfahrung, erwachsen zu werden und mehr zu erleben.&#8221;</p>
<p>Was fasziniert Sie an diesen Metropolen?<br />
Kolstrup: &#8220;Die Tatsache, dass hinter jedem dieser Millionen Fenster ein Mensch lebt, der sein ganz individuelles Leben führt. Viele kennen vielleicht nicht mal ihre Nachbarn, obwohl sie mit ihnen Tür an Tür wohnen. Ich erinnere mich da im Besonderen an Tokio und die unzähligen Wolkenkratzer. Das war beeindruckend.&#8221;</p>
<p>Vermissen Sie denn Dänemark?<br />
Kolstrup: &#8220;Ehrlich gesagt: Bis jetzt nicht. Was nicht heißt, dass ich nicht mal wieder meine Familie und meine Freunde sehen will.&#8221;</p>
<p>Sie gründeten Dúné, da waren Sie gerade mal ein Teenager. Verrückt, oder? Woher nahmen Sie nur den Mut?<br />
Kolstrup: &#8220;Das hat mit Skive zu tun. Wir waren tierisch gelangweilt und hatten einfach nichts anderes zu tun. Wir waren wegen unserer langen Haare und unserer Kleidung in der Schule stets die Außenseiter. Die Musik war unsere Flucht vor der Langeweile und der Einöde. Wir gaben uns von Beginn an voll und ganz der Musik hin. Letztendlich wurden wir in der Band groß. Sie ist zu unserer Identität geworden.&#8221;</p>
<p>In Ihrer Heimat haben sie schon zahlreiche Musikpreise abgeräumt. Was bleibt da noch als Ziel?<br />
Kolstrup: &#8220;Der Erfolg in Dänemark ist das eine. Aber auf der ganzen Welt Erfolg zu haben, das wäre ein Traum. Doch bis dahin ist es ein langer, schwerer Weg. Immerhin läuft es derzeit schon mal in Deutschland ganz gut für uns. Darauf wollen wir aufbauen.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Februar 2010)</p>
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		<title>Friska Viljor: Kindermusik mit Erwachsenen-Texten</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 05:00:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die schwedische Band Friska Viljor wurde vor fünf Jahren von Daniel Johansson und Joakim Sveningsson gegründet. Sie nutzten das gemeinsame Musizieren, um sich von ihren gescheiterten Beziehungen zu therapieren. Heute sind die beiden Gitarristen glücklich – nicht nur wegen des wachsenden Bekanntheitsgrades ihrer Band. Kai Florian Becker erreichte Joakim Sveningsson in der Schweiz, auf einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die schwedische Band Friska Viljor wurde vor fünf Jahren von Daniel Johansson und Joakim Sveningsson gegründet. Sie nutzten das gemeinsame Musizieren, um sich von ihren gescheiterten Beziehungen zu therapieren. Heute sind die beiden Gitarristen glücklich – nicht nur wegen des wachsenden Bekanntheitsgrades ihrer Band. Kai Florian Becker erreichte Joakim Sveningsson in der Schweiz, auf einer der zahlreichen Stationen ihrer aktuellen Europatournee.<br />
<span id="more-485"></span><br />
Sie sollen ihr Debütalbum &#8220;Bravo!&#8221; als &#8220;Kindermusik mit Erwachsenen-Texten&#8221; beschrieben haben. Stimmt das?<br />
Sveningsson: &#8220;Ja. Denn die Musik ist direkt und die Melodien sind eingängig. Doch die Texte behandeln ernste Themen aus der Erwachsenenwelt, die allerdings zum Teil in kindlicher Art und Weise erzählt sind. Weshalb sie wiederum leicht verständlich sind.&#8221;</p>
<p>Ihr erstes Album war stark von der Musik der Kanadier Arcade Fire beeinflusst. Auf dem zweiten, &#8220;Tour De Hearts&#8221;, kam noch Ska-Punk und Indiepop hinzu. Mit ihrem dritten Album, &#8220;For New Beginnings&#8221;, scheinen Sie endgültig beim Indiepop gelandet zu sein. Brauchen Sie oft Veränderungen?<br />
Sveningsson: &#8220;Das waren – wie so oft bei Künstlern – ganz natürliche Entwicklungsprozesse. Zur Zeit unseres ersten Albums standen wir vor allem unter dem Einfluss von Alkohol. Schließlich hatten wir beide kurz zuvor unsere Freundin verloren. Während der Aufnahmen zu unserem zweiten Album tranken wir kaum noch und dachten viel mehr über die Songs nach. Bei &#8216;For The New Beginnings&#8217; war es wieder ganz anderes: Wir trafen uns nur drei Mal. Ansonsten arbeiteten Daniel und ich separat an den Songs. Insofern entstand jedes Album unter anderen Umständen und obendrein in unterschiedlichen Gemütszuständen.&#8221;</p>
<p>Der Song &#8220;Wohlwill&#8221; handelt von einer gleichnamigen Straße auf St. Pauli, in dem es einen Plattenladen gibt, der für Ihre Karriere eine entscheidende Rolle gespielt haben soll. Welche?<br />
Sveningsson: &#8220;Im Sommer 2006 gingen wir mit unserem ersten Album im Gepäck nach Hamburg, um auf der Straße Musik zu machen. So kamen wir in den besagten Plattenladen, dessen Chef uns nach einer Hörprobe begeistert zehn CDs abkaufte und obendrein einlud, abends im Laden aufzutreten. Letztlich gaben wir in Hamburg fünf Konzerte an verschiedenen Orten und lernten vor der Abreise sogar noch einen Labelbetreiber kennen, der uns bald darauf unter Vertrag nahm. Wir hatten verdammt viel Glück.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Februar 2010)</p>
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		<title>Muff Potter: Zum Abschied ein paar Worte</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Dec 2009 16:48:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[16 Jahre begeisterten Muff Potter mit ihrem energischen Deutschpunkrock. Diesen Sommer kündigten sie überraschend ihren Abschied an. Nach der aktuellen Tournee wird das Kapitel Muff Potter zu Ende gehen. Kai Florian Becker sprach mit Sänger/Gitarrist Thorsten &#8220;Nagel&#8221; Nagelschmidt.
Warum wird es Ihre Band in ein paar Tagen nicht mehr geben?
Nagel: &#8220;Ich vergleiche das gerne mit einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>16 Jahre begeisterten Muff Potter mit ihrem energischen Deutschpunkrock. Diesen Sommer kündigten sie überraschend ihren Abschied an. Nach der aktuellen Tournee wird das Kapitel Muff Potter zu Ende gehen. Kai Florian Becker sprach mit Sänger/Gitarrist Thorsten &#8220;Nagel&#8221; Nagelschmidt.<span id="more-421"></span></p>
<p>Warum wird es Ihre Band in ein paar Tagen nicht mehr geben?<br />
Nagel: &#8220;Ich vergleiche das gerne mit einer langen Beziehung. Es muss gar keinen speziellen Auslöser geben, aber irgendwann hat man den Punkt erreicht, an dem es sinnvoll ist, getrennte Wege zu gehen. Wir haben uns immer viel gestritten -was wichtig war. Es geht auch nicht anders. Aber dann kommt der Punkt, an dem man gewisse Sachen nicht mehr miteinander diskutieren will. Das Gefühl hatten wir im Laufe dieses Jahres.&#8221;</p>
<p>Welcher war Ihr schönster Muff Potter-Moment?<br />
Nagel: &#8220;Es gab viele. Die allerschönsten waren die im Proberaum: die kleinen Momente zu viert beim Songschreiben. Der Zeitpunkt, an dem man das Gefühl hat, gerade das beste Lied der Bandgeschichte geschrieben zu haben. Das ist genau der Grund, warum ich Musik mache.&#8221;</p>
<p>Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf Ihrer Karriere? Hatten Sie Glück oder viele Steine im Weg liegen?<br />
Nagel: &#8220;Schwer zu sagen. Wir haben unsere Band nie als Karriere begriffen. Wir waren einfache Punker vom Dorf, die nur drei Akkorde spielen konnten, aber Musik machen wollten. Dann kam eins zum anderen: die ersten Konzerte, die erste Platte, ein Management und plötzlich ein Vertrag mit einer großen Plattenfirma. Wir hatten das nicht am Reißbrett entworfen. Insofern bin ich sehr glücklich, wie alles verlief. Zumal es nicht selbstverständlich ist, dass man mit 16 Jahren eine Band gründet, auf die man mit 33 noch stolz ist.&#8221;</p>
<p>Würden Sie demnach alles wieder so machen? Auch den Vertrag mit dem Major Universal, der in der Deutschpunkszene sicherlich nicht gut ankam?<br />
Nagel: &#8220;Wir kommen aus einer sehr kleinen und pedantischen Szene und haben seit jeher Kritik einstecken müssen – meist für wesentlich banalere Dinge. Darauf haben wir nie gehört, sondern das gemacht, was wir für richtig erachtet haben. Meistens hatten wir recht. Was nichts mit Besserwisserei, eher mit Instinkt zu tun hatte.&#8221;</p>
<p>Sie spielten oft im Saarland und wie zu hören ist, haben Sie eine besondere Beziehung zu der hiesigen Gegend.<br />
Nagel: &#8220;Ja, denn als wir vor Jahren auf dem Rocco Del Schlacko-Festival spielten, hatten wir einen Rekord beim T-Shirt-Verkauf aufgestellt, der bis heute ungebrochen ist. (lacht) Das Saarland war &#8211; abgesehen von diesem kommerziellen Aspekt &#8211; immer sehr gut zu uns. Was keine Anbiederei ist. Wir spielten schon in den kleinsten Käffern und immer kamen viele Leute.&#8221;</p>
<p>Nun verabschieden Sie sich mit einer Single, auf der Sie den EA 80-Song &#8220;Auf Wiedersehen&#8221; covern. Bekanntlich waren besagte Deutschpunker Anlass für die Gründung Ihrer Band.<br />
Nagel: &#8220;Stimmt. Bernd Ahlert, mit dem ich Muff Potter gründete, und ich hatten eine klare Vorstellung: Wir wollten wie EA 80 klingen. Wobei wir auch gerne Samiam, Leatherface, Dinosaur Jr., Hüsker Dü und But Alive gehört haben. Aber nichts war uns wichtiger als EA 80. Insofern schließt sich mit der Single ein Kreis.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Dezember 2009)</p>
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		<title>Biffy Clyro: Schön-Wetter-Rocker</title>
		<link>http://www.kaiflorian.de/2009/11/schon-wetter-rocker/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 15:29:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Dem schottischen Trio Biffy Clyro gelingt der Spagat zwischen dem Stadion-Alternative Rock der Foo Fighters und dem Rock-Wahnwitz ihrer englischen Kollegen Muse immer besser. Der aktuelle Beweis ist mittlerweile fünftes Album &#8220;Only Revolutions&#8221;,dessen Titel von dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers Mark Z. Danielewski entlehnt wurde. Wie schon der Vorgänger &#8220;Puzzle&#8221; wurde das Album mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dem schottischen Trio Biffy Clyro gelingt der Spagat zwischen dem Stadion-Alternative Rock der Foo Fighters und dem Rock-Wahnwitz ihrer englischen Kollegen Muse immer besser. Der aktuelle Beweis ist mittlerweile fünftes Album &#8220;Only Revolutions&#8221;,dessen Titel von dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers Mark Z. Danielewski entlehnt wurde. Wie schon der Vorgänger &#8220;Puzzle&#8221; wurde das Album mit Garth &#8220;GGGarth&#8221; Richardson aufgenommen – allerdings nicht wie zuletzt in Kanada, sondern im sonnigen Los Angeles. Und das hatte laut Schlagzeuger Ben Johnston seine ganz speziellen Gründe.<span id="more-378"></span></p>
<p>Sie haben das Album in den Ocean Way Studios in Los Angeles aufgenommen. Dort nahm schon Frank Sinatra seinen Hit &#8220;My Way&#8221; auf. Waren sie sich bei der Arbeit dessen bewusst?<br />
Johnston: &#8220;Natürlich. Das spürt man irgendwie, zumal überall im Studio Fotos aus dieser Zeit hängen. Sowas erhöht natürlich auch den Druck, ist aber ebenso eine Inspiration.&#8221;</p>
<p>Warum haben Sie das Album überhaupt in Los Angeles aufgenommen?<br />
Johnston: &#8220;Hauptsächlich wegen des Studios, das auf eine beeindruckend große Auswahl an Mikrofonen zurückgreifen kann. In Los Angeles gibt es zudem exzellente Studiotechniker. Außerdem ist das Wetter dort so gut. Man wacht auf, sieht das tolle Wetter und freut sich auf die Arbeit. &#8216;Puzzle&#8217; hatten wir ja in Kanada aufgenommen, wo es wochenlang ohne Unterlass regnete. Dieser ständige Platzregen kann einen schon depressiv machen und sich auf den Aufnahmeprozess und letztlich die Musik auswirken.&#8221;</p>
<p>Aber Sie sind doch Schotten, Sie sollten sich nicht am Wetter stören.<br />
Johnston: &#8220;(lacht) Nur weil wir Schotten sind, heißt das nicht, dass wir Regen mögen. (lacht) Ich glaube, niemand liebt Regen. Wenn man lange in Los Angeles lebt, genießt man es vielleicht, wenn es zwischendurch mal einen Tag Regen gibt. Aber ein Tag Regen pro Monat reicht völlig.&#8221;</p>
<p>Es heißt, Josh Homme von den Queens Of The Stone Age, der heutzutage auf nahezu allen Rockalben mitzuwirken scheint, hat Sie im Studio besucht. Stimmt das?<br />
Johnston: &#8220;Wir sind in der Vergangenheit mit Queens Of The Stone Age durch die USA und Europa getourt und wurden so Freunde von Homme. Wir sagten ihm, wir würden in LA aufnehmen. Woraufhin er erklärte, vorbeikommen zu wollen. Wir tauschten die Telefonnummern aus. Erst glaubten wir ihm nicht. Doch dann riefen wir ihn an und ein paar Tage später stand er in der Tür und schenkte uns für den Song &#8216;Bubbles&#8217; ein beeindruckendes Gitarrensolo.&#8221;</p>
<p>Ist es denn eine Herausforderung, mit Gastmusikern zu arbeiten? Schließlich haben die mitunter einen ganzen Blick auf einen Song.<br />
Johnston: &#8220;Was die Sache mit Homme betrifft, da war es so, dass der Song bereits fertig war und er nur das Solo als kleines Extra beisteuerte. So lief das bei diesem Album eigentlich auch mit allen anderen. Es trafen keine verschiedenen Ansichten oder Ideen aufeinander, denn alle Ideen stammen von uns.&#8221;</p>
<p>&#8220;Only Revolutions&#8221; erscheint bei 14th Floor, einem Sublabel von Warner Music. Sind die anderen Bands und Musiker aus dem von ihrer Heimatstadt Ayr nicht fern gelegenen Glasgow neidisch darauf, dass Sie einen Majorvertrag haben?<br />
Johnston: &#8220;(lacht) Nicht, dass ich wüsste. Wir leben aber auch nicht in Glasgow. Wir leben auf dem Land und haben unseren Proberaum auf einem Bauernhof. Mit anderen Bands haben wir keinen Kontakt. Wir sind wir und kein Teil einer Bandclique.&#8221;</p>
<p>Sie wollen nicht zur dortigen Bandszene dazugehören?<br />
Johnston: &#8220;Auf gar keinen Fall. Wenn man auf eigenen Beinen steht, läuft man nicht Gefahr, dass wenn eine Szene stirbt, die eigene Band auch stirbt.&#8221;</p>
<p>Im Sommer 2008 erreichte die Non Album-Single &#8220;Mountains&#8221;, die auch auf &#8220;Only Revolutions&#8221; enthalten ist, die britische Top 5. Das war sicherlich eine faustdicke Überraschung?<br />
Johnston: &#8220;Und was für eine. Wir hatten den Song schon länger fertig und dachten, es wäre eine gute Idee, ihn weit vor dem Album zu veröffentlichen, um den Leuten zu zeigen, dass es uns noch gibt. Und dann kam die Single nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Australien, Japan, Israel und Deutschland bestens an. Das war weit mehr, als wir erwartet hatten. Wir sind ja keine Chartband.&#8221;</p>
<p>Aber sicherlich sind dadurch die Erwartungen an &#8220;Only Revolutions&#8221; noch höher?<br />
Johnston: &#8220;Von Label-Seite aus sicherlich. Doch wir machen nicht Musik, um in den Charts zu landen. Natürlich ist es schön, oben in den Charts aufzutauchen. Aber das ist nicht unsere Intention. Selbst wenn das Album ein kommerzieller Flop werden würde, wären wir glücklich.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (im November 2009)</p>
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		<title>Geoff Tate (Queensryche): &#8220;Mein Vater kämpfte im Koreakrieg&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 11:47:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Die aus Seattle stammende Band Queensryche hat seit jeher ein Faible für progressiven Metal und Konzeptalben. Das gilt für ihren 1988 veröffentlichten Meilenstein &#8220;Operation: Mindcrime&#8221; ebenso wie für ihr aktuelles und mittlerweile zehntes Studioalbum &#8220;American Soldier&#8221;. Mit dessen Songs im Gepäck kommen Queensryche auf Deutschlandtournee. Kai Florian Becker sprach mit Sänger Geoff Tate.
&#8220;American Soldier&#8221; beschreibt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die aus Seattle stammende Band Queensryche hat seit jeher ein Faible für progressiven Metal und Konzeptalben. Das gilt für ihren 1988 veröffentlichten Meilenstein &#8220;Operation: Mindcrime&#8221; ebenso wie für ihr aktuelles und mittlerweile zehntes Studioalbum &#8220;American Soldier&#8221;. Mit dessen Songs im Gepäck kommen Queensryche auf Deutschlandtournee. Kai Florian Becker sprach mit Sänger Geoff Tate.<span id="more-230"></span></p>
<p>&#8220;American Soldier&#8221; beschreibt die Erfahrungen von US-Soldaten an den Kriegsfronten. Woher rührt Ihr Interesse an diesem Thema?<br />
Tate: &#8220;Ich wuchs in einer Militärfamilie auf. Mein Vater kämpfte im Koreakrieg. Ich wollte immer, dass er mir davon berichtet. Doch er weigerte sich hartnäckig. Erst 2006 brach er sein Schweigen. Es kam zu einer fesselnden Konversation zwischen uns, die letztlich der Anlass dafür war, das neue Album diesem Thema zu widmen.&#8221;</p>
<p>Sie hatten sich im Zuge Ihrer Recherche zudem mit anderen Soldaten unterhalten. Was haben Sie dabei erfahren?<br />
Tate: &#8220;Was mich absolut überraschte war die Tatsache, wie sehr Soldaten gegen einen Krieg sind. Fast alle waren sich darin einig. Das hatte ich wirklich nicht erwartet.&#8221;</p>
<p>Waren diese Soldaten auch schon Kriegsgegner bevor sie an der Front waren?<br />
Tate: &#8220;Das hatte ich sie leider nicht gefragt. Ich wünschte, ich hätte.&#8221;</p>
<p>Befürchten Sie nicht, dass das zentrale Thema des Albums Außenstehenden und insbesondere Nicht-Amerikanern zu patriotisch erscheint?<br />
Tate: &#8220;Je mehr wir über ein Thema reden, desto eher verstehen wir es. Und je mehr wir verstehen, desto eher können wir etwas verändern. Ich finde es gibt immer immens viele unterschiedliche Standpunkte zu einem Thema &#8211; auch zu diesem. Reden hilft aber, um eine Sache besser verarbeiten zu können. Wenn das nicht passiert, wird viel fehlinterpretiert. Als Kind dachte ich, es läge an mir, dass mein Vater oft so komisch reagierte. Dabei wurde er durch den Krieg ein ganz anderer Mensch und konnte über seine dramatischen Erfahrung einfach nicht reden.&#8221;</p>
<p>Für viele Fans ist &#8220;Operation: Mindcrime&#8221; das beste Queensryche-Album. Wie stehen Sie heute zu dem Album?<br />
Tate: &#8220;Für gewöhnlich höre ich mir nie mehr eines unserer Alben an, sobald wir es fertig gestellt haben. Ich bin natürlich dankbar, dass dieses Album hoch angesehen ist. Andererseits hoffe ich, dass Queensryche nicht nur mit diesem in Verbindung gebracht werden.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Juni 2009)</p>
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