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	<title>KAI FLORIAN BECKER (KFB) &#187; features</title>
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		<title>Studiorange: Am Anfang ihrer Karriere</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Apr 2010 05:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie stehen noch relativ am Anfang ihrer Karriere, haben aber schon einen ersten Nachwuchspreis gewonnen. Das aus Heusweiler stammende Quartett Studiorange hat in diesem Jahr beim Bandwettbewerb Goldener Schweinwerfer mit eher unkommerziellem Progressiv-Rock etwas überraschend das Publikum überzeugen und sich letztlich gegen 16 Mitbewerber durchsetzen können. &#8220;Ehrlich gesagt, hatte es uns schon überrascht, überhaupt dabei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie stehen noch relativ am Anfang ihrer Karriere, haben aber schon einen ersten Nachwuchspreis gewonnen. Das aus Heusweiler stammende Quartett Studiorange hat in diesem Jahr beim Bandwettbewerb Goldener Schweinwerfer mit eher unkommerziellem Progressiv-Rock etwas überraschend das Publikum überzeugen und sich letztlich gegen 16 Mitbewerber durchsetzen können. &#8220;Ehrlich gesagt, hatte es uns schon überrascht, überhaupt dabei zu sein. An einen Sieg hatte nun wirklich keiner von uns geglaubt&#8221;, erklärt die Band unisono.<span id="more-557"></span></p>
<p>Studiorange legen großen Wert auf die Feststellung, dass es kein Sprachrohr in ihren Reihen gibt. Jeder der Vier spricht für die Gemeinschaft und zu der gehören gleichermaßen Dominik Kirst (17 Jahre, Gitarre, Keyboard, Gesang), Marc Sauer (18, Gitarre), Lars Paulußen (18, Bass) und Sebastian Balzert (17, Schlagzeug, Trompete).</p>
<p>Angefangen hatte alles damit, dass Kirst und Balzert gemeinsam Musik auf der Straße und in Gaststätten machten. So kamen sie auf den Geschmack und gründeten im Februar 2008 die Band Der Große Mit Dem Kleinen. Im Sommer 2009 stießen Gitarrist Sauer und Bassist Paulußen dazu und komplettierten damit die heutige Besetzung. Sie alle vereint eine Vorliebe für progressiven Rock aus den Siebzigern, wie ihn Pink Floyd perfektioniert hatten. Zudem hören sie Noise Rock &#8211; etwa von den Belgiern Ghinzu. Beides nicht die Musik, die man von jungen Abiturienten erwartet. Da fragt man sich, ob ihr technisch anspruchsvoller Erwachsenen-Rock bei ihren gleichaltrigen Freunden ankommt. &#8220;Überraschend gut sogar. Das liegt aber auch an der Vielseitigkeit unserer Musik&#8221;, bestätigen Studiorange.</p>
<p>Derzeit können sie es kaum erwarten, das Abitur hinter sich haben. Danach werden sie wieder mehr Zeit haben, um mit der Band zu proben und aufzutreten. Außerdem wollen sie die Arbeiten an ihrem zweiten Album abschließen: &#8220;Wir sind schon fast fertig. Nur noch ein bisschen abmischen und dann geht es ab ins Presswerk. Das gesamte Album haben wir selbstständig produziert. Abgesehen davon, dass ein Studiotermin extrem teuer ist, sind wir froh, in unserem eigenen Tonstudio unabhängig arbeiten zu können.&#8221;</p>
<p>Wie so viele junge Bands haben Studiorange den Wunsch, einen Plattenvertrag zu unterschreiben. Allerdings nicht um jeden Preis: &#8220;Natürlich ist es unser Traum, von der Musik zu leben. Aber wir wollen uns keineswegs zu einem Marketingprodukt degradieren lassen. Wenn es also nicht klappt, wollen wir weiterhin Musik als Hobby machen.&#8221;</p>
<p>Bis dato scheinen Studiorange auf dem richtigen Weg zu sein. Konzerttermine sind bis in den Sommer hinein bestätigt, und ein abendfüllendes Programm haben sie ebenfalls in petto: &#8220;Wir haben immer das Problem, uns zu entscheiden, welche Songs wir weglassen. Unser Repertoire an eigenen Liedern füllt anderthalb Stunden. Dann kommen noch Coversongs dazu &#8211; etwa von Ghinzu, Pink Floyd oder Stevie Ray Vaughan. Die verändern wir übrigens gerne nach unserem Geschmack.&#8221; Kirst, Sauer, Paulußen und Balzert mögen jung sein, aber sie wissen bereits, was sie wollen. </p>
<p>Kai Florian Becker (April 2010)</p>
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		<title>Das Phänomen Mashup</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 11:51:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[HipHop- und Electro-Discjockeys sind bei ihren Auftritten stets darauf bedacht, den Übergang von einem zum nächsten Lied möglichst flüssig, im besten Fall nahtlos zu gestalten. Dieser Drang nach Perfektion existiert seitdem DJs mit zwei Plattenspielern hantieren. Vor einigen Jahren entstand dann die Idee, nicht nur das Ende des einen mit dem Anfang eines anderen Liedes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>HipHop- und Electro-Discjockeys sind bei ihren Auftritten stets darauf bedacht, den Übergang von einem zum nächsten Lied möglichst flüssig, im besten Fall nahtlos zu gestalten. Dieser Drang nach Perfektion existiert seitdem DJs mit zwei Plattenspielern hantieren. Vor einigen Jahren entstand dann die Idee, nicht nur das Ende des einen mit dem Anfang eines anderen Liedes perfekt zu koppeln, sondern gleich ganze Lieder miteinander zu verschmelzen. Bastard Pop nannte man dieses Phänomen anfangs.<span id="more-238"></span> Mittlerweile hat sich der Begriff Mashup etabliert. Beides bezeichnet das Verknüpfen bereits existierender Songs zu einem neuen. Einem so genannten Mashup liegen meist zwei Songs zugrunde, nicht selten aber auch drei, vier oder fünf.</p>
<p>Oft werden verschiedene &#8220;Musikstile bewusst in Kontrast gestellt und Songs mit einem Augenzwinkern neu arrangiert&#8221;, erklärt Andreas Schröder, der in der Szene unter dem Künstlernamen mouzpusha bekannt ist. Schröder organisiert am 15. und 16. Mai das erste &#8220;International Mash Bash&#8221;-Festival in den Saarbrücker Clubs &#8220;6null3&#8243; und &#8220;Das Modul&#8221;. In dessen Rahmen werden fast 30 Szenegrößen aus fünf Nationen auftreten – darunter die Szene-Idole The Who Boys aus London, der Chilene Jimi Jammes und DJ Morgoth (Berlin).</p>
<p>Die erste bekannte Mashup-Party fand 2002 in London statt; zwei Jahre später wurde die USA vom Mashup-Fieber gepackt. Dank des Internets breitete sich dieses schnell über den gesamten Globus aus. Die illegale Verwendung von geschütztem Songmaterial ist der Musikindustrie natürlich ein Dorn im Auge. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Mashup-Künstlern auf der einen und Platten- und Managementfirmen auf der anderen Seite. Es gibt aber auch Musiker, die ein Mashup zu schätzen wissen und dieses unter eigenem Namen veröffentlichen. So brachte Mousse T. im Jahr 2006 den Song &#8220;Horny As A Dandy&#8221; auf den Markt, den das französische DJ-Duo Loo &#038; Placido aus seinem Hit &#8220;Horny&#8221; und &#8220;Bohemian Like You&#8221; von den Dandy Warhols gebastelt hatte. Der Kampf der Mashup-Pioniere für eine weniger restriktive Verwendung geschützter Songs war also nicht gänzlich vergebens. Denen ging es seit jeher um &#8220;Party, Spaß und gute Musik&#8221;, so Schröder. Genau dafür soll auch das erste &#8220;International Mash Bash&#8221; stehen. Laut Schröder werden &#8220;weltweit zum ersten Mal derart viele Mashup-Künstler an einem Partywochenende&#8221; auftreten. Zudem absolvieren The Who Boys in Saarbrücken ihren letzten Auftritt. Insofern ist alles gerichtet für die Mashup-Party des Jahres.</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2009)</p>
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		<title>The Ting Tings: Gut ist, was Spaß macht</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 11:57:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[konzertrezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Was in Großbritannien auf Nummer eins der Charts steht, muss in Deutschland noch lange nicht bekannt geschweige denn erfolgreich sein. Beispiele hierfür gab es in der Vergangenheit zu genüge. Dieses Schicksal scheint das britische Rock-Duo The Ting Tings nicht zu ereilen.
Am Dienstag spielten sie vor 350 Besuchern in der Garage in Saarbrücken &#8211; eine stattliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was in Großbritannien auf Nummer eins der Charts steht, muss in Deutschland noch lange nicht bekannt geschweige denn erfolgreich sein. Beispiele hierfür gab es in der Vergangenheit zu genüge. Dieses Schicksal scheint das britische Rock-Duo The Ting Tings nicht zu ereilen.<span id="more-244"></span></p>
<p>Am Dienstag spielten sie vor 350 Besuchern in der Garage in Saarbrücken &#8211; eine stattliche Fanschar für eine Band, die in Deutschland noch nie die Top 40 sah. 2004 trafen Jules De Martino und Katie White aufeinander, seit etwa drei Jahren firmieren sie unter dem Namen The Ting Tings. Ihre Musik ist stilübergreifend, zitiert Rock, Rave, Pop, Electro und Funk. Sie machen sich all das zu eigen und kreieren daraus einen eklektischen Mix, der vor allem dreierlei ist: unterhaltsam, eingängig und tanzbar. Bis auf die Ballade &#8220;Traffic Light&#8221; traf das ausnahmslos auf die Songs zu, die sie am Dienstag live vorstellten. Wobei besagter Song ebenso begeistert aufgenommen wurde wie die wilderen, hibbeligeren Stücke &#8220;Shut Up And Let Me Go&#8221;, &#8220;Great DJ&#8221; und &#8220;We Walk&#8221;. Allesamt Paradebeispiele dafür, dass einfach gestrickte Songs eine große Effektivität haben können &#8211; insbesondere live. The Ting Tings interessiert es wenig, ob sie ihre Instrumente beherrschen. Sie stören sich auch nicht an der Naivität, die ihren Kompositionen anhaftet. Gut ist, was Spaß macht. Etwa &#8220;That&#8217;s Not My Name&#8221;, der letzte Song des Abends, der wie das Album schon vor einem Jahr in Großbritannien Platz der eins der Charts eingenommen hatte. Es hat gedauert, bis hierzulande von The Ting Tings Notiz genommen wurde. Jetzt scheint die Band endlich angekommen zu sein.</p>
<p>Kai Florian Becker (April 2009)</p>
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		<title>Faith No More: Neuanfang zum lukrativen Sommer</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 12:46:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Sensation ist perfekt: Faith No More sind zurück. Ergo die wichtigste Crossover-Band der Spätachtziger und Neunziger, die sehr gewagt, aber mit Erfolg Rock mit Metal, Punk, Funk und HipHop fusionierte und dank der Songs &#8220;From Out Of Nowhere&#8221;, &#8220;Epic&#8221;, &#8220;Be Aggressive&#8221; und dem Radiodauerbrenner &#8220;Easy&#8221; weltberühmt wurde. Ihre Pionierarbeit legte den Grundstein für den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Sensation ist perfekt: Faith No More sind zurück. Ergo die wichtigste Crossover-Band der Spätachtziger und Neunziger, die sehr gewagt, aber mit Erfolg Rock mit Metal, Punk, Funk und HipHop fusionierte und dank der Songs &#8220;From Out Of Nowhere&#8221;, &#8220;Epic&#8221;, &#8220;Be Aggressive&#8221; und dem Radiodauerbrenner &#8220;Easy&#8221; weltberühmt wurde. Ihre Pionierarbeit legte den Grundstein für den Welterfolg von Korn, Limp Bizkit und Linkin Park.<span id="more-267"></span></p>
<p>Der kräftig durcheinander geschüttelte Musik-Cocktail von Faith No More fand selbst in der kritischen Metalszene Anklang. Wobei nicht jeder Metalhead ein Fan der musikalischen Außenseiter wurde. Das britische Magazin &#8220;Kerrang!&#8221; aber kürte 1989 &#8220;The Real Thing&#8221; zum Album des Jahres. 1992 war die Band auf ihrem Höhenpunkt. Sie verkaufte von dem Album &#8220;Angel Dust&#8221; – auch wegen des immensen Erfolgs des Commodores-Covers &#8220;Easy&#8221; &#8211; weltweit drei Million Exemplare. Danach folgten noch zwei weitere Alben, aber die Erfolgskurve zeigte fortan nach unten. 1998 kam es schließlich zur längst erwarteten Auflösung. Bassist Billy Gould sagte damals gegenüber dem deutschen Metalmagazin &#8220;Rock Hard&#8221;: &#8220;Faith No More bestanden aus vielen unterschiedlichen Charakteren, die alle ihre eigene Meinung hatten und diese auch durchsetzen wollten. Deshalb gab es viel Streit. Wir standen eigentlich während all der Jahre an der Schwelle zur Auflösung. Was uns trotzdem zusammengehalten hat, war der kreative Kick, der sich nur in dieser ganz besonderen Konstellation entfaltete.&#8221;</p>
<p>Viele Jahre wünschten sich die Faith No More-Fans sehnlichst ein Comeback. Jetzt wurde ihr Flehen erhört. Nachdem die Bandmitglieder just bei einem Treffen mit großer Distanz auf ihre gemeinsame Vergangenheit zurückgeblickt hatten, erkannten sie, dass sie letztlich viel richtig gemacht hatten. Der besagte kreative Kick war wieder da. Genauere Gründe für das Comeback nannte die Band bislang nicht, Interviews hat sie bislang verweigert.</p>
<p>Fest steht indes, dass Faith No More in Kürze auf Open Air-Reise quer durch Europa gehen werden. Mit dabei sind Gould, der charismatische Sänger Mike Patton, Keyboarder Roddy Bottum und Schlagzeuger Mike Bordin. Jim Martin, der eigenwillige Kauz, der von 1984 bis 1993 ihr Gitarrist war, wollte nicht. Statt seiner ist John Hudson mit von der Partie. Ein kleiner Wermutstropfen für die Fans &#8211; aber lieber Faith No More ohne Martin als gar nicht.</p>
<p>Die Kunde von ihrem Comeback verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Auf Facebook berichten treue Anhänger von teils legendären Auftritten. 1992 hatte User Richard ein Konzert im NEC in Birmingham besucht: &#8220;Es war der Wahnsinn: Die Fans auf den bestuhlten Balkonen rissen die Bezüge der Sitze runter und schmissen sie in Richtung Band. Riesig. Es gab einen Sitzbezug-Regen epischen Ausmaßes.&#8221; Der dürfte ausbleiben, wenn Faith No More im Sommer auf einer Freiluftbühne stehen &#8211; wobei sich bekanntlich auch mit Bierbecherhaltern aus Pappe allerhand Unfug anstellen lässt.</p>
<p>Auch die Auftritte anno 2009 dürften in die Annalen eingehen. Abgesehen davon, dass Konzerte unter freiem Himmel seit jeher ihre Besonderheiten haben, wenn Faith No More auf der Bühne stehen, ist immer etwas los – auf und vor der Bühne. Patton, der Blickfang der Band, hält es nie lange still. Er rennt und hopst über die Bühne und entlockt dabei seinen Stimmbändern unglaubliche Geräusche: von lieblichem Gesang bis hin zu infernalischem Gebrüll.</p>
<p>Faith No More ist übrigens nicht die einzige Band, die es wieder wissen will bzw. wollte. Bereits 2004 tauchten die Pixies wie aus dem Nichts auf. Drei Jahre später traten nach Jahren Led Zeppelin wieder live auf. Im gleichen Jahr wagten The Police und Rage Against The Machine einen Neuanfang. Ihre baldige Rückkehr auf die Bühne angekündigt haben zudem The Jackson 5, Spandau Ballet, die deutschen Crossover-Helden Guano Apes, Jane&#8217;s Addiction, Limp Bizkit, Orbital, The Specials, Magazine und Blur. Die Liste ist endlos; die Bands stammen aus allen erdenklichen Genres.</p>
<p>Mitunter mögen rein finanzielle Gründe vorliegen. Eine Reunion-Tournee &#8211; insbesondere eine über Festivals mit hohen Gagensummen – spült viel Geld in die Bandkasse. Bei den anstehenden Auftritten werden Faith No More im Schnitt 125.000 Euro verdienen, schätzt Thilo Ziegler von der Agentur Presented for People, die selbst jährlich ein Festival auf die Beine stellt. Pixies sieht Ziegler derweil bei 100.000 Euro. Während der Verkauf von Tonträgern schon lange nicht mehr großen Gewinne abwirft, bommt das Live-Geschäft. Der Branchendienst &#8220;Musikwoche&#8221; meldete Ende März: &#8220;Das Live-Geschäft wächst solide, während die Tonträgerabsätze kontinuierlich schrumpfen. Einer Studie zufolge brachten die Konzerte anno 2008 weltweit 25 Milliarden Dollar Umsatz ein, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.</p>
<p>Natürlich gibt es auch künstlerische Gründe, die eine Band zum Comeback bewegen: Damon Albarn ist der festen Überzeugung, dass Blur nach wie vor eine Daseinsberechtigung haben. Und nachdem Selig alle angestauten Probleme aus dem Weg geräumt hatten, fanden auch sie wieder zusammen. &#8220;Es ist verrückt und zudem wundervoll, wieder ein Teil von Selig zu sein. Wir sind wie fünf Brüder, die sich nach einem Streit wieder versöhnt haben&#8221;, erklärt Sänger Jan Plewka. So mag es vielen neuen alten Bands ergangen sein.</p>
<p>Einige Musiker wehren sich allerdings vehement gegen ein Comeback. David Byrne liegt nichts an der Wiederauferstehung seiner Talking Heads. Ian Brown und John Squire haben mit The Stone Roses abgeschlossen, und Johnny Marr und Morrissey wollen The Smiths nicht wieder zu Leben erwecken.</p>
<p>Insofern war es nicht selbstverständlich, dass Faith No More, die neben Nirvana zu den ersten und wichtigsten Alternative Rock-Bands zählten, nach elf Jahren erneut zusammen gefunden haben. Es war viel Glück im Spiel und ist für die vielen Fans von einst ein großer Segen.</p>
<p>Kai Florian Becker (April 2009)</p>
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		<title>Kritisch – und unabhängig?</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Dec 2007 23:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Popmusikberichterstattung ist allgegenwärtig. Aber ist sie auch unabhängig? Nimmt die Musikindustrie in irgendeiner Form Einfluss auf die Arbeit der Freien oder die in den Print-, Online- und Radio-Redaktionen? Und wie wichtig ist Popmusikkritik überhaupt?
Keine Frage: Die Musikindustrie hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Umsätze fallen stetig. 2006 wurden &#8220;etwa 3,3 Prozent weniger CDs verkauft als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Popmusikberichterstattung ist allgegenwärtig. Aber ist sie auch unabhängig? Nimmt die Musikindustrie in irgendeiner Form Einfluss auf die Arbeit der Freien oder die in den Print-, Online- und Radio-Redaktionen? Und wie wichtig ist Popmusikkritik überhaupt?<span id="more-88"></span></p>
<p>Keine Frage: Die Musikindustrie hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Umsätze fallen stetig. 2006 wurden &#8220;etwa 3,3 Prozent weniger CDs verkauft als 2005&#8243; (Quelle: <a href="http://www.musikwoche.de">Musikwoche.de</a>, 10.01.2007). Zudem werden vier Mal so viele CDs kopiert wie verkauft. Um CDs zu verkaufen, muss über sie berichtet werden – noch zumindest. Popmusikrezensionen und Interviews mit Popstars sind heutzutage überall zu finden: nicht nur in Special Interest-Magazinen, auch in Tageszeitungen, Erotik- und TV-Programmzeitschriften. Da die Industrie aber immer mehr zum Sparen gezwungen ist, wird die Arbeit der Musikkritiker immer schwieriger – egal ob sie nun in einer Redaktion sitzen oder frei arbeiten. Beispielsweise kann von heute auf morgen der vertraute Pressebetreuer einer Plattenfirma aus Gründen der Rationalisierung gegangen worden sein. Die mögliche Folge: Die Verbindung zum Label ist gekappt, der Musikkritiker wird aus dem Presseverteiler gestrichen, CDs werden nicht mehr verschickt. Dann kann man sich aber noch als registrierter User auf der von der Industrie überwachten Website www.musik-promotion.net (MPN) Neuveröffentlichungen anhören. Dort stehen aktuelle Singles und Alben einiger größerer Firmen als Stream bereit. Allerdings ist der &#8220;elementare Bestandteil einer Pop-Kritik immer der Zugriff auf das fertige Produkt: das Cover, das Booklet mit Texten, Danksagungen, Anmerkungen und Eigenheiten. Werkzeuge wie MPN sind von der Musikindustrie sicher nicht in erster Linie als Erleichterung für Journalisten erfunden worden, sondern als Kontrollmaßnahme gegen Raubkopierer&#8221;, erklärt Andreas Borcholte, Kulturressortleiter bei Spiegel Online. Zudem empfinde er es – wie auch viele seiner Kollegen – &#8220;als äußerst unangenehm, wenn die Plattenfirma per MPN nachsehen kann, welches Album von welchem Künstler ich mir wann und wie lange angehört habe&#8221;.</p>
<p>Der freie Musikjournalist Manuel Möglich glaubt, dass sich die Industrie mit der &#8220;digitalen Bemusterung&#8221; nicht schütze, sondern schade. &#8220;Das hat nur zur Folge, dass diese Alben den physisch bemusterten Tonträgern gegenüber benachteiligt werden. Benachteiligt insofern, dass man einer CD immer noch den Vorzug gibt&#8221;. Tatsächlich verfahren so mittlerweile einige Musikmagazine.</p>
<p>Wenn Tonträger verschickt werden, dann sind das oftmals (gebrannte) CDs ohne Cover oder Textblatt, bei wichtigen Themen sogar noch mit einem personifizierten Wasserzeichen versehen. Der Journalist gefangen im Kontrollsystem der Industrie. Ein seit Jahren bekanntes und lästiges Phänomen. Bereits 2003 beschrieb Thomas Venker, damals wie heute Chefredakteur des Musikmagazins Intro in seinem Buch &#8220;Ignoranz und Inszenierung. Schreiben über Pop.&#8221;, zu welchen Vorsichtsmaßnahmen die Industrie aus Angst vor &#8220;undichten Stellen&#8221; in den Redaktionen greife. Journalisten werden mit &#8220;eingeschränkt hörbaren CDs&#8221; bemustert, &#8220;auf denen die Stücke ausgeblendet oder die durch Störgeräusche für den illegalen Markt uninteressant gemacht wurden&#8221;. Dies macht eine kritische Auseinandersetzung extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Gleiches gilt für so genannte &#8220;Listening Sessions&#8221;. Auserwählte Journalisten dürfen sich nur gemeinsam mit KollegInnen das Album vor dem Veröffentlichungstermin ein oder zwei Mal anhören. Diese Methode verdeutliche, dass &#8220;der Journalist ganz oben auf der Liste der Tatverdächtigen in Sachen Internetbrennkriminalität&#8221;, so Venker.<br />
Abgesehen von der möglichen indirekten Einflussnahme der Industrie, etwa durch die &#8220;Verknappung der Ressourcen&#8221;, wie es Borcholte nennt, ist der Einfluss auf die Redaktionen der Musikmagazine direkter Natur. Es ist keine Seltenheit, dass &#8220;Plattenfirma xy beim Magazin xy eine Titelgeschichte zugesichert bekommt. Im Gegenzug wird über ein Anzeigenpaket verhandelt&#8221;, weiß Möglich, der vor einigen Jahren selbst in der Musikbranche als Promoter tätig war. Zudem offerierten Plattenfirmen im Rahmen einer &#8220;gekauften Coverstory&#8221; exklusive Fotoserien oder Interviewreisen. Tritt dieser Fall ein, wird es kompliziert: Denn &#8220;man darf es sich nicht leisten, in dieser angespannten wirtschaftlichen Lage, Schlechtes über ein Produkt zu schreiben, sobald die Plattenfirma im eigenen Magazin mit Anzeigen dafür wirbt&#8221;, erklärt Magazinredakteur Friedrich (Name von der Redaktion geändert). Allerdings gäbe es auch Magazine, &#8220;die frei von Anzeigen und Vergütungen jeglicher Art, Künstler auf ihren Titel nehmen oder über sie berichten&#8221;, erklärt Möglich.</p>
<p>Während im Bereich Print die direkte Einflussnahme der Industrie je nach Publikation groß sein kann, gilt dies nicht für das Radio. Die Industrie versuche natürlich, &#8220;den Sendern das Ausspielen bestimmter Titel hie und da zu versüßen. Exklusivpremieren und -töne sind Beispiele für eine solche Strategie&#8221;, erklärt Christian Langhorst, Wellenchef von SR 1 Europawelle und 103.7 UnserDing (Saarländischer Rundfunk). Welche Titel in das SR 1-Programm aufgenommen werden, diese Entscheidung trifft die Musikkonferenz. &#8220;Und die Teilnehmer sind unbestechlich. Als öffentlich-rechtlicher Sender ist das alternativlos.&#8221; Möglich, selbst für Eins Live (WDR) tätig, bestätigt die Unabhängigkeit der Öffentlich-rechtlichen: &#8220;Diese haben einen Kulturauftrag zu erfüllen und das wird bei Eins Live sehr ernst genommen und umgesetzt&#8221;. Indirekten Einfluss hat die Industrie hingegen auf kleine Sender. Etwa wenn diese Interviews mit international bekannten Stars senden wollen, diese aber nicht selbst interviewen können oder dürfen. Dann wird auf von der zuständigen Plattenfirma produzierte und via MPN angebotene Interviews – sogenannte Generic Interviews &#8211; zurückgegriffen. &#8220;Mal strahlen wir eigens geführte Interviews aus, mal einzelne O-Töne aus Generic Interviews. Solange man einzelne Töne daraus verwendet und sie entsprechend gekennzeichnet kommentiert, halte ich das für einen aufrichtigen Weg&#8221;, erklärt Langhorst. Dennoch: Generic Interviews sind nur bedingt als objektiv zu erachten – geschweige denn kritisch.</p>
<p>Wenn Interviewtermine gewährt werden, dann sieht man sich – zumindest bei den großen Stars – nicht selten mit thematischen Einschränkungen konfrontiert. &#8220;Es kommt vor, dass die Plattenfirma Fragen untersagt, die nicht direkt auf die jeweils neue Tour/CD/DVD (eines Künstlers) Bezug nehmen&#8221;, hieß es diesbezüglich in der &#8220;Süddeutschen Zeitung&#8221; (23.06.2006). Bestimmte Themen dürfen nicht angesprochen werden. So durften Journalisten Charlotte Gainsbourg, Tochter des 1981 verstorbenen französischen Sängers Serge Gainsbourg, keine Fragen über ihren Vater  stellen. Dabei hatte die Künstlerin mit diesem Thema überhaupt kein Problem, wie sich später in den Interviews zeigte.</p>
<p>Auch die Berichterstattung über Popkonzerte ist schwieriger geworden: Mit Knebelverträgen wird die Arbeit der Fotojournalisten eingeschränkt (siehe Robbie Williams). Art und Dauer der Nutzung von Konzertfotos werden zudem streng reglementiert.</p>
<p>Online-Medien haben nach wie vor einen generell schweren Stand bei den Plattenfirmen. &#8220;Selbst wenn sie als seriös erachtet werden, gelten noch immer verschärfte Bedingungen. Man wird später als Printmedien bemustert und ist einem größeren Misstrauen ausgesetzt&#8221;, erklärt Borcholte, der allgemein die Möglichkeiten der Einflussnahme durch die Musikindustrie auf die Redaktionen für gering hält. Aber &#8220;wenn Journalisten von der Plattenfirma nicht rechtzeitig oder ausreichend mit entsprechendem Ton- und Pressematerial versorgt werden, wie es gerade bei Online-Medien der Fall ist, dann kann eine kritische Berichterstattung über einen Künstler erschwert, manchmal sogar verhindert werden&#8221;, mahnt Borcholte an.<br />
Dass professionelle Musikkritik im Zeitalter der Konkurrenz durch Internetblogs sehr wichtig ist, darüber sind sich alle Interviewten einig. Nur was die kritische Musikberichterstattung angeht, divergieren die Meinungen. Borcholte und Möglich glauben an die unabhängige Musikkritik. Friedrich indes ist überzeugt, dass &#8220;kritische Musikberichterstattung in Verkaufsmagazinen nicht mehr möglich&#8221; ist. Je unabhängiger also ein Medium von Marketing- und Werbegeldern der Industrie agiert, desto kritischer und glaubwürdiger kann die Berichterstattung sein.</p>
<p><em>Kai Florian Becker</em></p>
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		<title>Mike Patton: Einst Sänger von Faith No More</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Dec 2003 23:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beeindruckende Sänger gibt es derer viele. Unter jenen, die ihre Stimmbänder zu einer Kapitalanlage gemacht haben, die einen Schritt weiter gehen und ihre Stimme nicht ausschließlich zum Artikulieren von Worten, sondern auch von Tönen einsetzen, gibt es wenige. Die Stimme wird zum Instrument, zur Rhythmusmaschine ja, gar zum Geräusch-Labor. Das können mitunter seltsame und verstörende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beeindruckende Sänger gibt es derer viele. Unter jenen, die ihre Stimmbänder zu einer Kapitalanlage gemacht haben, die einen Schritt weiter gehen und ihre Stimme nicht ausschließlich zum Artikulieren von Worten, sondern auch von Tönen einsetzen, gibt es wenige. Die Stimme wird zum Instrument, zur Rhythmusmaschine ja, gar zum Geräusch-Labor. Das können mitunter seltsame und verstörende Klanggebilde sein, die bei einem Vokal-Akrobaten wie Mike Patton einer ist im Rachen entstehen.<span id="more-40"></span></p>
<p>Wenn er will, kann er singen wie ein junger Gott. Dann schmelzen die Damen im Publikum dahin &#8211; nicht nur ob seiner Ausstrahlung und seines Charmes. Anstatt dort weiterzumachen, wo er im April 1998 als Frontmann von Faith No More aufgehört hatte, kehrte er fortan den großen Bühnen den Rücken zu und vergrub sich im Untergrund. In Patton brodelte es seit einigen Jahren. Der Ruhm stieg ihm keineswegs zu Kopf. Er löste in ihm aber das Verlangen nach außergewöhnlichen Abenteuern aus. Vorbei die Zeiten, in der er die Commodores-Ballade &#8220;Easy&#8221; trällerte oder mit den Hits &#8220;Epic&#8221; oder &#8220;Midnight Crisis&#8221; das Stadionpublikum begeistert hatte. Es zog ihn an der Seite des Free Jazz- und Noise-Experimentalisten John Zorn auf die kleine Bühne des New Yorker Avantgarde-Clubs &#8220;Knitting Factory&#8221;, wo er ins Mikrofon schrie, hustete, rülpste, keuchte, stöhnte und gurgelte &#8211; die komplette Palette des oralen Klangarchivs. Was für viele FNM-Fans wie eine merkwürdige Kehrtwendung im Leben des Mike Patton ausgesehen haben mag, war in Wirklichkeit ein Schritt zurück zu den Wurzeln. Bevor er Ende der Achtziger zu FNM stieß, war Patton schon sechs Jahre lang Mitglied von Mr. Bungle. Mit High School-Freunden gründete er Anfang der Neunziger die in allen Belangen ungewöhnliche Band. Jeder musste sich ein Pseudonym zulegen &#8211; Patton wurde Vlad Drac &#8211; und gemeinsam wurden die Genre-Grenzen im Galopp übersprungen. Heavy Metal, Funk, Punk, Rock und Jazz wurden meist gleichzeitig durch den Wolf gedreht.</p>
<p>Wahrscheinlich hätten nie mehr als eine handvoll Musikverrückter von Mr. Bungle Notiz genommen, wenn Patton dem Angebot von Faith No More standgehalten hätte. So wurden FNM um eine Attraktion reicher &#8211; nämlich um einen charismatischen und scheinbar durchgeknallten Sänger, der auf der Bühne sein Innerstes nach Außen kehrte &#8211; und Mr. Bungle standen urplötzlich im Blickfeld der Medienwelt. Patton gab FNM nicht nur eine neue Stimme, er brachte zudem ein neues Image, mehr Vielfalt und Genialität mit. All das eben, was er sich jahrelang bei Mr. Bungle antrainiert hatte. Es ist müßig darüber zu spekulieren, wo FNM heute stehen würden. Fest steht, ihr Bassist werkelt nunmehr als Produzent, ihr Schlagzeuger trommelt bei Ozzy Osbournes Begleitband, ihre Gitarristen (gegen Ende wechselten sie im Halbjahresrhythmus) sind abgetaucht und Patton arbeitet wie ein Besessener an allen Fronten.</p>
<p>1999 gründete er mit Greg Werckman das Randgruppen-Label &#8220;Ipecac Records&#8221;. Dort veröffentlicht er Alben, die kein anderes Label auch nur geschenkt bekommen möchte. Ihnen fehlt der Mut zum Risiko, die Liebe zur Musik ist ihnen abhanden gekommen. Patton ist der kommerzielle Erfolg nicht egal. Aber er legt größeren Wert auf die Kunstfertigkeit seiner von ihm betreuten Künstler.</p>
<p>Wenn er sich nicht um das Label kümmert, probt er mit einem seiner zahlreichen Projekte. Entweder mit Mr. Bungle, die es nach wie vor geben soll. Oder mit den Krach-Terroristen Tomahawk oder den völlig durchgeknallten Fantômas. Zeit für Soloalben blieb auch. Die allerdings sind harte Brocken und nur absoluten Fans zu empfehlen. Keine Idee ist Patton zu abwegig, für nichts scheint er sich zu schade zu sein. Er hat sein Leben der Musik verschrieben und benötigt bis auf eine regelmäßige Dosis Kaffee keine Suchtmittel, um seinen Motor am Laufen zu halten.</p>
<p><strong>Info:</strong></p>
<p>Michael Allan Patton wurde am 27. Januar 1968 im kalifornischen Städtchen Eureka geboren. Im Alter von 15 Jahren gründete er die sagenumwobenen Mr. Bungle. Sechs Jahre später wurde er für den frei gewordenen Posten als Sänger von Faith No More engagiert. Mit ihnen nahm er die Alben &#8220;The Real Thing&#8221;, &#8220;Angel Dust&#8221;, &#8220;King For A Day, Fool For A Lifetime&#8221; und &#8220;Album Of The Year&#8221; auf. Nach ihrem Aus gründete er 1999 das Label &#8220;Ipecac Records&#8221;, auf denen er Alben der nicht minder verrückten Melvins, der Country-Band The Lucky Stars oder der eigenen Projekte Fantômas und Tomahawk veröffentlicht hat. 1996 und 1997 erschienen die schwer verdaulichen Soloalben &#8220;Adult Themes For Voice&#8221; und &#8220;Pranzo Oltranzista&#8221;. Demnächst steht das Debüt seines neuen Projekts Peeping Tom an.</p>
<p><em>Kai Florian Becker (im Januar 2003)</em></p>
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		<title>Ring frei für die Pop-Damen</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Dec 2003 23:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nirgendwo werden Erfolge so schnell vergessen wie in der Popmusik. Heute ein Star, morgen eine Null. Regelmäßig gräbt der Nachwuchs den etablierten Stars das Wasser ab. Wie schneiden ergo die neuen Alben von Kylie Minogue, 35 knackige Jahre alt, und Missy Elliott (32) im direkten Vergleich zu den Pop-Sprösslingen Britney Spears (22) und Pink (24) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nirgendwo werden Erfolge so schnell vergessen wie in der Popmusik. Heute ein Star, morgen eine Null. Regelmäßig gräbt der Nachwuchs den etablierten Stars das Wasser ab. Wie schneiden ergo die neuen Alben von Kylie Minogue, 35 knackige Jahre alt, und Missy Elliott (32) im direkten Vergleich zu den Pop-Sprösslingen Britney Spears (22) und Pink (24) ab?<span id="more-56"></span></p>
<p>Beginnen wir mit der Frau, die in den vergangenen Jahren HipHop mitrevolutioniert hat. In Kooperation mit Timbaland kreierte Missy Elliott aufregende neue Sounds, die zuhauf Trittbrettfahrer adaptierten und wiederverwerteten. Doch niemand kann es so gut wie die Chefin im Ring. Im Jahresrhythmus veröffentlicht sie Alben. Schnellschüsse sind keine darunter. Bei &#8220;This Is Not A Test&#8221; (Eastwest) ist der Name Programm. Die vierzehn Songs haben die Testphase längst durchlaufen. Wieder zaubert Missy mit souveräner Lässigkeit eine Überraschung nach der anderen aus dem Hut &#8211; siehe &#8220;Pass The Dutch&#8221; und den geschmeidigen Dancehall in &#8220;Keep It Movin&#8221;. &#8220;Dats What I&#8217;m Talking About&#8221;, ein prickelndes Duett mit R. Kelly, erinnert stark an die Sexphantasien eines Prince. &#8220;It&#8217;s Real&#8221; indes ist ein Paradebeispiel modernen Souls. Missy mag nicht ihre Bestform erreicht haben. Olympiareif ist ihre Leistung allemal. Von Test kann keine Rede sein.</p>
<p>Auch Kylie Minogue hat schon viel ausprobiert. Ihr Devise lautet: neues Album, neuer Stil. Die Konstante ist der Sex-Appeal. Die australische Sängerin geizt ungern mit ihren Reizen. Je älter, desto mutiger wird sie. Gleichzeitig steigt ihr Selbstbewusstsein. Daher passt der Titel &#8220;Body Language&#8221; (EMI) perfekt. Die Musik: vertonte Laszivität. Das erotisierende Spektrum reicht von gesäuseltem Elektropop (&#8221;Slow&#8221;) über 80er Prince-Referenzen (&#8221;Still Standing&#8221;) bis zum Dance-Pop (&#8221;Promises&#8221;). Auf dem Cover mag sie ein Brigitte Bardot-Double darstellen. Drinnen ist sie ganz sie selbst. Ob ohne oder mit Gästen, die da hießen Ms Dynamite oder Green Gartside von Scritti Politti.</p>
<p>Von den alten &#8220;Häsinnen&#8221; zu den Herausforderinnen. Britney Spears, mit ihrem neuen Album &#8220;In The Zone&#8221; (Jive/BMG) in nahezu ganz Europa in den Top Ten, möchte nicht mehr so viel nackte Haut zeigen wie bisher. Das gestand sie unlängst. Dabei waren es die aktuellen Titelbilder von &#8220;GQ&#8221; und &#8220;Esquire&#8221;, die Spears zurück ins Rampenlicht katapultierten und das Interesse an ihrem Album schürten. Für dieses sicherte sie sich die Unterstützung namhafter Pop-Künstler. P. Diddy, Madonna, Moby und R. Kelly sagten zu. Es bewahrheitet sich jedoch die Weisheit: Zu viele Köche verderben den Brei. Der rote Faden fehlt. Ebenso wie das Produzenten-Team Neptunes, das auf dem Vorgänger &#8220;Britney&#8221; mit sicherer Hand die Zügel in selbiger hielt. Sie hätten sicherlich die abschließenden belanglosen Dance-Pop-Nummern &#8220;Shadow&#8221; und &#8220;Brave New Girl&#8221; zu verhindern gewusst. Diese machen am Ende fast den positiven Eindruck von &#8220;Me Against The Music&#8221;, &#8220;Boom Boom&#8221; und der Ballade &#8220;Touch Of My Hand&#8221; zunichte. Es ist für die einstige Vorzeige-Jungfrau nach wie vor ein schwieriger Spagat, erwachsen und sexy zugleich zu wirken. Sie sollte einsehen, dass sie nicht Minogue, Christina Aguilera oder Pink ist.</p>
<p>Letztere hat mit ihrem dritten Album die richtige Parole ausgegeben: &#8220;Try This&#8221; (BMG). Nach Ausflügen zum Teenie-Pop und in den R&amp;B kokettiert sie jetzt mit Rock. Sie braucht nicht die Wilde zu mimen. Ihr Auftreten spiegelt ihr Naturell wieder. Hatte auf dem Vorgängeralbum die ehemalige 4 Non Blondes-Frontfrau Linda Perry einen Großteil der Songs geschrieben, war es auf &#8220;Try This&#8221; Tim Armstrong, Gitarrist und Sänger der rotzigen Punkrocker Rancid. Die Songs tragen seine Handschrift. Gitarren allerorten. Zum Beispiel in &#8220;Trouble&#8221;, &#8220;Last To Know&#8221;, dem aufreizenden &#8220;Oh My God&#8221;, dem coolen &#8220;Hooker&#8221; und &#8220;Walk Away&#8221;. Armstrong, Perry &amp; Co. sind die richtigen Partner gewesen, um Pink ein abwechslungsreiches Album auf den Leib zu schreiben, das eine Brücke von Dance-Pop zu peppigem Rock schlägt. Somit hat am Ende sie die Nase vorn. Knapp dahinter rangieren Missy und Kylie. Die rote Laterne geht an Britney.</p>
<p><em>Kai Florian Becker (im Dezember 2003)</em></p>
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		<title>Aber nicht mit uns</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Dec 2000 23:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein paar hundert Meter entfernt vom imposanten Stadion des 1887 von katholischen irischen Einwandern gegründeten Fussballclubs F.C. Celtic Glasgow liegt ein überschaubares Industriegebiet. In einem der wenigen Bürogebäude hat sich vor ein paar Jahren im obersten Stockwerk die junge und aufstrebende Plattenfirma Chemikal Underground Records eingenistet. 
Wer diese Firma nicht kennt, der sollte sich schleunigst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein paar hundert Meter entfernt vom imposanten Stadion des 1887 von katholischen irischen Einwandern gegründeten Fussballclubs F.C. Celtic Glasgow liegt ein überschaubares Industriegebiet. In einem der wenigen Bürogebäude hat sich vor ein paar Jahren im obersten Stockwerk die junge und aufstrebende Plattenfirma Chemikal Underground Records eingenistet. <span id="more-60"></span><br />
Wer diese Firma nicht kennt, der sollte sich schleunigst über Bands wie Bis, Magoo, The Delgados, Arab Strap, Suckle, Radar Bros., Cha Cha Cohen und Mogwai informieren, denn sie wurden oder werden noch alle ganz gross. Wer hätte das gedacht, denn die Labelmacher hatten kaum Geld als sie Ende 1994 der Idee nachgingen, lieber ein eigenes Label zu gründen als sich irgend jemand anderes anzuvertrauen. Blicken wir doch zurück und befragen Stewart Henderson und Alun Woodward, beides Musiker der Delgados, zu ihrer bisher erfolgreichen Karriere als Labelbosse.</p>
<p>Mogwai und Arab Strap sind bzw. waren eure besten Pferde im Stall. Sie haben den Namen eures Labels weit in die Welt hinaus getragen und euch über die britischen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Ihr habt sie entdeckt und ihnen die Chance gegeben, ihre Musik der Öffentlichkeit vorzustellen. Fünf Jahre nun schon gibt es eure Firma und angefangen hatte es mit einer Single eurer eigenen Band The Delgados. Rückblickend müsstet ihr stolz auf das sein, was ihr alles erreicht habt.</p>
<p>Alun: &#8220;Von Beginn an war klar, dass wir auch mit anderen Bands arbeiten und die Labeltätigkeiten nicht nur auf Delgados beschränken wollten. Wir wollten eine richtige Plattenfirma gründen und unsere Ideen verwirklichen. Nach unseren Vorstellungen sollten innerhalb kurzer Zeit einige kreative Künstler um uns geschart und das Labelprogramm somit stetig erweitert werden. Natürlich sind wir überrascht und stolz darauf, was aus diesem naiven Plan mittlerweile geworden ist. Immerhin hatten wir nur ein lächerliches Startgeld von 1.000 Pfund zur Verfügung.&#8221;</p>
<p>Ist es einfach, in Grossbritannien ein Label aus dem Boden zu stampfen. Ich weiss, dass es zum Beispiel die Indiefirmen in Deutschland sehr schwer haben, einen Vertrieb zu finden.</p>
<p>Alun: &#8220;Das selbe Problem haben wir hier auch. Es gibt kaum gute Vertriebe. Aber wir hatten Glück, denn gleich unsere erste Single kam bei unserem jetzigen Vertrieb gut an. Der Zuständige war ein Musikfan. Ihm ging es nicht um Verkaufszahlen, sondern einfach um Qualität. In den darauffolgenden Monaten zeigte sich, dass er sich für unsere Bands und unser Label stark machte und alle Hebel in Bewegung setzte. Es ging sogar so weit, dass die Bands bei ihm in London übernachteten, wenn sie dort auftraten oder durchreisten.&#8221;</p>
<p>Nach der angesprochenen limitierten Delgados-Single &#8220;Monika Webster/Brand New Car&#8221; hattet ihr danach die Single &#8220;Disco Nation 45&#8243; von Bis veröffentlicht. Diese sorgte für viel Furore und landete im Nu auf Platz 24 der UK-Charts. Das muss euch wie ein Schlag getroffen haben.</p>
<p>Alun: &#8220;Wir liessen erst einmal 2.000 Kopien pressen und dachten, das sei völlig ausreichend. Dann rief der Vertrieb an und verlangte weitere 6.000 Singles. Am nächsten Tag wollten sie schliesslich 30.000 Kopien, da Bis im Fernsehen bei Top Of The Pop auftreten sollten. Das war eine verrückte Zeit, kann ich dir sagen. Bis hatten nicht einmal einen Vertrag mit uns abgeschlossen, und plötzlich wollte jeder mit ihnen anbändeln. Jeder war an ihnen dran.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Ich muss in diesem Zusammenhang einwenden, dass ich auf das erste Arab Strap-Album weitaus stolzer bin als auf die Bis-Single. Wir haben Arab Strap entdeckt und geformt. Nach ihrer Debüt-Single &#8216;The First Big Weekend&#8217; setzten wir uns mit ihnen an einen Tisch und diskutierten die weiteren Schritte. Insofern haben wir ihren Weg mit beeinflusst und die Band in eine bestimmte Richtung gelenkt. Bei Bis lief alles von selbst. Sie wurden mit der Single berühmt, nach einer Weile von der Presse ausgeschlachtet und irgendwann fast vergessen. Mit Arab Strap verlief es eher umgekehrt.&#8221;</p>
<p>Bis wechselten früh zu Wiiija Records. Anfang 1998 waren es Arab Strap die gingen und bei dem Major Go Beat unterschrieben. Wie wichtig waren sie in all den Jahren für Chemikal Underground Records?</p>
<p>Stewart: &#8220;Sie waren absolut lebenswichtig. Mit der ersten Bis-Single kam zum einen Geld in die Kasse, zum anderen stieg unser Ansehen in der Öffentlichkeit. Erst wurden wir mit dem speziellen Bis-Sound gleichgesetzt, doch mit Hilfe von Arab Strap konnten wir uns von diesem Image lösen. Arab Strap und Bis sind zwei absolut entgegengesetzte Pole. Sie könnten musikalisch nicht weiter auseinander liegen. Die neunte Chemikal-Veröffentlichung war dann das Delgados-Debüt und darauf folgte das erste Album von Arab Strap. Plötzlich redeten alle nur noch über Arab Strap und hatten Bis schon so gut wie vergessen. Das war für die Entwicklung des Labels natürlich ein riesiges Glück. Wir machten einen Schritt nach vorne.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Ich kann dem nur zustimmen. Rückblickend muss ich sagen, dass wir es verstanden haben, unseren Vorwitz &#8211; in Bezug auf Musik meine ich das &#8211; mit seltsam anmutenden Bands zu stillen. Bis waren seinerzeit einmalig und ich glaube auch, dass es keine Band gibt, die so radikal und so &#8216;anders&#8217; klingt wie es Arab Strap eben tun. In ein paar Jahren werden sie bestimmt für ihr Gesamtwerk berühmt sein.&#8221;</p>
<p>Ihr müsst traurig gewesen sein als sie euch diesen Entschluss mitteilten&#8230;</p>
<p>Alun: &#8220;Die Beziehung zwischen Label und Band war nicht mehr die beste. Von daher war ich sogar froh, dass sie uns verliessen. Aber weisst du überhaupt schon, dass sie wieder zurückgekommen sind? Sie haben Go Beat verlassen und ein weiteres Mal bei uns unterschrieben&#8230; Seinerzeit waren wir wirklich erleichtert, da sich das persönliche Verhältnis zur Band erheblich verschlechtert hatte. Was nicht heissen soll, dass wir ihre Musik nicht mögen. Für ihre Entwicklung war es wichtig herauszufinden, was ein anderes Label für sie tun kann oder hätte tun können. Sie hatten einen hoch dotierten Deal an Land gezogen, aber damit auch ein Label, das von der Vermarktung der Band keinerlei Ahnung hatte. Wir wissen, was zu tun ist. Die Leute von Go Beat wussten das nicht.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Arab Strap wurden von uns gesignt, ohne dass sie vorher je etwas veröffentlicht hatten &#8211; sieht man einmal von dem Demo ab, das sie einreichten. Niemand kannte sie. Mit ihnen zu arbeiten, bedeutete mit ihnen zu lernen und zu erforschen, was im Detail die Aufgabe eines Labels ist. Wir veränderten uns, sie veränderten sich. Wir wussten, dass es ein Fehler war, zu Go Beat zu wechseln. Ihre Rückkehr beweist, dass wir Recht behalten haben. Jetzt fühle ich mich auch darin bestätigt, dass wir ein aussergewöhnliches Label sind, das mit aussergewöhnlichen Bands arbeitet. Wir verstehen wohl doch was von unserem Job. Das haben auch Arab Strap just erkennen müssen. Nun haben wir ein anderes Verhältnis zu ihnen, und sie haben wahrscheinlich mehr Respekt vor unseren Leistungen. Was ich sagen will: Wir sind glücklich, dass sie zurück sind und gleich einen Vertrag über mehrere Alben unterschrieben haben.&#8221;</p>
<p>Ihr habt ja ein schönes und sehr geräumiges Büro. Allerdings gibt es hartnäckige Gerüchte, dass anfangs das Label seinen Sitz in einer Küche hatte.</p>
<p>Alun: &#8220;Das stimmt tatsächlich. Es war in Emmas (Pollock, Gitarre und Gesang bei Delgados &#8211; der Verf.) Haus im Süden Glasgows. Von dort aus hatten wir die ersten paar Jahre alles koordiniert. Erst 1998 zogen wir in diese Räumlichkeiten um. Der Arbeitsablauf erwies sich als zu schwierig, denn Emma gehört zu den Langschläfern, während Stewart und ich immer früh auf der Matte standen.&#8221;</p>
<p>Von Beginn an hatten eure Veröffentlichungen viele Freunde im Kreise der Presse gefunden. Wie wichtig sind für eure Arbeit Radio-DJs wie Steve Lamacq und John Peel, die in den vergangenen Jahren einige eurer Veröffentlichungen mit Nachdruck den HörerInnen angepriesen haben?</p>
<p>Alun: &#8220;Sie sind eminent wichtig. Es gibt leider nicht viele Möglichkeiten, um über die Medien mit guter Musik bedient zu werden. Magazine wie NME und Melody Maker kümmern sich zwar auch auf die ein oder andere Art und Weise um aufstrebende Bands, doch ein DJ wie John Peel geht ganz anders vor. Er arbeitet autonom. Wenn ein Song gut ist, dann spielt er ihn. Wenn nicht, nützt auch alles Betteln nichts. Du kannst ihm auch ein mieses Tape oder eine verkratzte Platte schicken. Wenn es ihm gefällt, dann spielt er es &#8211; egal in welchem Format. Du hörst dann sogar während seiner Show, wie er im Studio an irgend etwas rumfummelt und versucht, das Teil zum Laufen zu bekommen. Verrückt!&#8221;</p>
<p>Ihr habt es bereits angesprochen: Euer Label wird immer gerne mit einer Band gleichgesetzt. Erst waren es Bis, dann Arab Strap und nun Mogwai. Doch einen musikalischen Konsens sucht man vergeblich.</p>
<p>Stewart: &#8220;Wenn du dir all unsere Bands miteinander vergleichst, wirst du keinen Konsens finden. Okay, viele Leute reduzieren unseren Backkatalog auf Arab Strap oder Mogwai, doch das ist unfair. Jede Band klingt auf ihre Art anders.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Du wirst eben immer an dem gemessen, was sich am besten verkauft. Das sind nun einmal obige Bands.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Ich würde höchstens der These zustimmen, dass Chemikal Underground für hohe Qualität steht &#8211; was natürlich aus dem Munde eines Labelmachers und zeitgleich Musikers, der auf dem Label veröffentlicht, seltsam klingen mag. Das war aber unsere Anfangsidee.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Genau, wir wollten Leute erreichen, die unser Label lieben und wissen, dass sie jede Veröffentlichung blind kaufen können, ohne enttäuscht zu werden. Das mag jetzt ein kleiner, erlesener Kreis sein. In naher Zukunft aber möchte ich die Zahl derer gerne vervielfachen.&#8221;</p>
<p>Wird es einfacher, neue Talente, sprich neue Bands zu finden, die für euer Label interessant sein könnten?</p>
<p>Stewart: &#8220;Es wird leider von Tag zu Tag schwerer. Klar, es gibt immer gute Bands. Allerdings haben wir in den letzten Monaten kaum eine neue Band unter Vertrag genommen, da fast ausschliesslich Mogwai-Tapes in unserem Büro landeten. Das ist schon komisch.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Natürlich sind nicht alle Demos schlecht, aber &#8211; um ehrlich zu sein &#8211; waren bis dato erst zwei gute Demos dabei und eines davon war von Arab Strap. Dennoch sind wir optimistisch. Arab Strap sind zurück, eine weitere Band ist kurz davor, bei uns zu unterschreiben (Er spricht hier wohl über Aerogramme, ebenfalls aus Glasgow kommend, die zur Zeit mit Chemikal Underground in Verhandlung stehen. &#8211; der Verf.) und wir wollen ein paar Produkte lizensieren.&#8221;</p>
<p>Apropos lizensieren. Stewart hatte mir vor diesem Interviewtermin erzählt, dass er das Berliner Label Kitty-Yo bewundert und gerne einige ihrer Produkte lizensieren würde. Ausserdem sagte er, gehöre es zu den wichtigsten und besten in Europa.</p>
<p>Alun: &#8220;Da gibt es noch ein weiteres gutes Label. Ich gab letzte Woche der Tageszeitung Scotsman ein Interview und wurde gefragt, welches Label mich inspiriert hätte. Da musste ich natürlich Warp Records sagen. Die haben einen unglaublichen Backkatalog.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Noch was zu Kitty-Yo: Ich finde Tarwater und Gonzales phantastisch. Couch sind auch klasse. An denen sind wir im Grunde interessiert.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Couch sind live aber viel besser als auf Platte. Ihre massive Liveenergie konnten sie leider nicht auf die Platte transportieren.&#8221;</p>
<p>Das bewundere ich ja an Mogwai. Deren Aufnahmen versprühen diese magische Energie, die die Band vor allem live entwickelt.</p>
<p>Stewart: &#8220;Dafür muss man wohl Paul Savage, ihrem Toningenieur, danken. Der hat mit ihnen auf &#8216;Mogwai Young Team&#8217; gearbeitet. Der Sound ist unglaublich geworden. Er sollte mehr Credits dafür bekommen; er hatte einen grossen Anteil an dem Erfolg des Albums.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Für uns als Label ist es wichtig, jemanden wie Paul zu haben, dem wir voll und ganz vertrauen können. Eine unserer neuen Bands heisst Suckle und die waren gerade mit ihm im Studio. Das ist wahrscheinlich das beste Material, das Paul je produziert hat und wohl auch die am besten klingende Veröffentlichung auf Chemikal Underground.&#8221;</p>
<p>Welches ist die bislang wichtigste Veröffentlichung aus eurem Hause?</p>
<p>Stewart: &#8220;Historisch gesehen sind das Arab Strap und &#8211; das mag jetzt doof klingen &#8211; das kommende Delgados-Album. Letzteres hat in meinen Augen das Potential, unser Label weiter voran zu bringen und unseren Namen noch bekannter zu machen. Ausserdem war neben der Bis-Single auch &#8216;Mogwai Young Team&#8217; wichtig. Es war die erste wirklich gewinnbringende Veröffentlichung.&#8221;</p>
<p>Viele eurer Bands stammen aus Glasgow oder zumindest aus Schottland. Ist das Absicht oder eher ein Zufall?</p>
<p>Alun: &#8220;Da wir unseren Sitz in Glasgow haben, werden wir immer mit der hiesigen Szene im engen Kontakt stehen. Das versteht sich fast von selbst. Bevor wir Mogwai unter Vertrag nahmen, kannten wir die Jungs bereits. Auch ihren Manager, der seit seinen Kindertagen ein Freund von Andrew (Mitglied der Delgados &#8211; der Verf.) ist. Sie suchten seinerzeit ein Label und traten automatisch an uns heran. Auf der anderen Seite sind wir mittlerweile das grösste Label in der Stadt, wenn nicht gar in Schottland, und von daher versteht es sich von selbst, dass schottische Bands zuerst an unsere Tür klopfen. Das ist nicht unbedingt unsere Politik, es kam natürlich zustande. Vielleicht wird sich das ändern; ich kann es dir momentan nicht sagen. Ich denke aber, dass immer Bands aus Glasgow dabei sein werden.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Wenn du das wirklich ändern wolltest, würden sie dir Diskriminierung vorwerfen&#8230;&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;&#8230;und da wir in die gleichen Pubs gehen, treffen wir die Bands regelmässig. Da sie sich alle untereinander kennen, lernst du automatisch immer mehr kennen und triffst sie regelmässiger. Daraus entwickelt sich mit der Zeit eine persönliche Bekanntschaft. Wir wollen es immer auf einer persönlichen Ebene halten und mit den Jungs auch mal einen trinken gehen und für Stunden plaudern können. Das ist eine unserer wichtigsten Maxime. Wir sind Menschen und das wollen wir bleiben. Der persönliche Touch soll nie verlorengehen.&#8221;</p>
<p>Glasgow hat in meinen Augen einen hohen Stellenwert innerhalb der britischen Musikszene, da hier regelmässig qualitativ hochwertige Bands auftauchen und schnell zu internationalem Ruhm gelangen. Nehmen wir nur einmal Texas, Travis, Primal Scream, Teenage Fanclub, Belle &#038; Sebastian oder eben Mogwai und Arab Strap. Ausserdem sollten wir nicht Alan McGee, den früheren Chef von Creation Records und Entdecker von Oasis vergessen, der ebenfalls aus Glasgow stammt. Wie wichtig ist demnach Glasgow für Grossbritannien?</p>
<p>Alun: &#8220;Uff, eine schwierige Frage. Betrachte ich mir die Anzahl der Bands, die bislang aus Glasgow kamen&#8230; Eigentlich analysiere ich Musik nicht unter solchen Gesichtspunkten. Aber ich schätze, wir haben eine ziemlich gesunde Szene. Es gibt zumindest genügend Clubs, in denen Newcomer auftreten können. Ich weiss allerdings nicht, ob es bei uns besser ist als im Rest von Grossbritannien.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Historisch gesehen hatte Glasgow schon immer eine sehr fruchtbare Szene. Manchmal mehr, manchmal weniger. Zufälligerweise sind gerade in den letzten fünf Jahren &#8211; was wirklich nichts mit unserer Arbeit zu tun hatte &#8211; überdurchschnittlich viele gute Bands dieser Szene entsprungen. Du darfst übrigens Jesus &#038; The Mary Chain in deiner Aufzählung nicht vergessen. Wie auch immer, niemand wird dir widersprechen, dass verdammt viele populäre Bands in Glasgow angesiedelt sind. Wir als Label mit dieser Situation zufrieden, denn wir konnten uns in einer Stadt entwickeln, die über eine gute Infrastruktur, d.h. Bands, Bars und Clubs, verfügt. Da hatten wir Glück.&#8221;</p>
<p>Also kam euch nie der Gedanke, nach London umziehen? Immerhin sitzen dort die meisten der britischen Plattenfirmen.</p>
<p>Stewart: &#8220;Erstens ist das kein Thema, zweitens ist es nicht vonnöten. Wir leben in Glasgow und fühlen uns hier wohl. Ich habe das schon sehr oft in Interviews gesagt: Es ist wichtig festzuhalten, dass wir nicht als Glasgow-Label angesehen werden, sondern als internationale Firma, die zufälligerweise in Glasgow sitzt. Das ist ein grosser Unterschied. Würden wir nach London umziehen, wäre das Selbstmord. Wir würden wie im Sumpf untergehen.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Ich kann mir gut vorstellen, mal eine Filiale in London zu eröffnen &#8211; mit einem Abgesandten, der sich speziell um die dortigen Medien kümmert. Das würde Sinn machen. Ich wollte bereits nach London ziehen, da meine Freundin einen Job bei der Regierung in Aussicht gestellt bekam. Leider kam es nicht dazu, da Schottland eine eigene Regierung bekam. Jedoch arbeiten wir derzeit daran, in den Staaten ein Büro zu eröffnen. Warum auch nicht? Es spricht nichts dagegen zu expandieren.&#8221;</p>
<p>Wird es nicht immer schwieriger, eine Band wie Mogwai zu halten? Die müssten doch einige Angebote vorliegen haben.</p>
<p>Alun: &#8220;Das wird unmöglich bzw. war unmöglich. Sie haben uns nämlich just verlassen und bei Play It Again Sam unterschrieben. Ja, es ist verdammt schwierig. Sie boten ihnen viel Geld, mehr als wir ihnen je hätten bieten können. PIAS hat viel Geld in der Hinterhand und pumpt es in Mogwai. Eine Band muss freiwillig auf einem Label sein wollen. Das ist der springende Punkt. Wenn sie gehen will, musst du sie ziehen lassen. Das war mit Arab Strap das selbe Problem. Wir boten ihnen die gleiche Summe, aber sie wollten unbedingt gehen.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Dass sie jetzt zurückgekehrt sind, freut mich ungemein und gibt mir Selbstvertrauen. Am liebsten würde ich aufstehen und sagen: &#8216;Na, habt ihr das gesehen. Denkt mal darüber nach!&#8217; Finanziell gesehen wird es für uns immer schwer sein, mit anderen Labels zu konkurrieren. Daher wollen wir unsere Bands wenigstens mit Respekt behandeln und anderen Firmen damit Konkurrenz machen. Es ist auch wichtig, dass die Delgados jetzt ein erfolgreiches Album abliefern, schliesslich werden wir das Geld sofort wieder in das Label stecken und nicht in unsere eigene Tasche.&#8221;</p>
<p>Im Sommer &#8216;99 kamen Mogwai auf die glorreiche Idee, mit dem &#8220;Blur are shite&#8221;-Shirt die Presselandschaft etwas aufzumischen und für viele Diskussionen zu sorgen. Was habt ihr von dieser Aktion gehalten?</p>
<p>Alun: &#8220;Ich persönlich fand es extrem dumm und hasse solche Sachen. Es gab keinerlei Anlass. Ich bin zwar kein grosser Blur-Fan, aber ich mag ein paar ihrer Songs. Es war billig und kindisch.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Eigentlich sage ich nie was dazu, insofern spricht meine Stille Bände. Wenn sie wirklich vor hatten, etwas Kontroverses zu tun und Gesprächsthema in der Presse zu sein, dann waren sie smart und haben dieses Ziel erreicht. Doch sie müssen diese Lektion noch lernen. Sie präsentieren sich mit ihrer Musik als Band, die ernst genommen werden will, gleichzeitig aber sind sie manchmal so dermassen naiv. Das beisst sich. (&#8230;) Eine solche Aktion ist natürlich ein gefundenes Fresse für NME. Ich sage nur: Wenn sie sich durchsetzen wollen, müssen sie sich den Leuten gegenüber öffnen und sich vom Image eines vom NME gehypten Acts lösen. Das reicht auf Dauer nämlich nicht. Das wird ihre grösste Hürde. (&#8230;) Stuart (Braithwaite, Gitarrist bei Mogwai &#8211; der Verf.) ist jetzt 21 Jahre alt und ich kenne ihn relativ lange. Erst reden, dann denken heisst oft seine Devise. Und das lässt sich leider auf die Band übertragen.&#8221;</p>
<p>Ein kleiner Blick in die Zukunft zum Abschluss des Interviews. Was seht ihr? Welche Pläne habt ihr?</p>
<p>Alun: &#8220;Wir müssen einige unserer Bands etablieren, so dass wir auf lange Sicht hin überleben können. Das Labelprofil muss zudem anwachsen. Ebenso wie unser Zielpublikum. Es ist ganz einfach: Wir brauchen mehr erfolgreiche Bands. Mit Bands, die 1.000 oder 2.000 Einheiten absetzen, können wir nicht überleben. Unsere derzeitigen Bands haben jedoch das Potential für mehr.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Wir können uns keine Pleiten leisten, da uns dazu das Geld fehlt. Indepeniente können es sich zum Beispiel erlauben, jeden Scheiss zu veröffentlichen, da sie Travis als unter Vertrag haben. Bei uns ist das anders. Sollte jetzt jede Veröffentlichung floppen, dann ist es innerhalb eines Jahres aus. Wir müssen realistisch bleiben und uns unserer Position bewusst sein. Jede Band könnte theoretisch als nächstes fett rauskommen. Wir haben wirklich gute Alben in den Startlöchern sitzen.&#8221;</p>
<p>Ihr macht euch verstärkt Gedanken darüber, ob eine neue Band gut verkauft&#8230;</p>
<p>Alun: &#8220;Nein, das war nie ein Kriterium. Geld spielt in diesem Entscheidungsprozess keinerlei Rolle. Sobald eine Band gut ist, sind sie bei uns willkommen. Würden wir nur 20 ihrer Singles verkaufen, wäre es auch gut. Wir müssen an die Band glauben und in sie Vertrauen haben. Das reicht. Wir hatten schon von einigen Bands Demos bekommen, die wir ablehnten und später Tausende von Alben absetzen konnten. Dennoch haben wir es nicht bereut, da wir nicht an sie glaubten und das mit zu vielen Kompromissen verbunden gewesen wäre. Scheisse verkauft sich, aber nicht mit uns.&#8221;</p>
<p>Stewart: &#8220;Ich kümmere mich um die Buchhaltung in diesem Laden, was so ziemlich das schlimmste ist, was man machen kann. Ich könnte mich morgens nicht motivieren, wenn ich nicht wüsste, dass es mir Spass macht und dass es sich lohnt. Hätten wir Bands, hinter denen wir nicht 100%ig stehen würden, könnte ich diese immense Kraft nicht aufwenden.&#8221;</p>
<p>Alun: &#8220;Apropos, ich kann mich daran erinnern, dass wir mal ein Demo von Sigur Ros bekamen und es ablehnten. Ich mag ihre EP (&#8221;Svefn-G-Englar&#8221; auf Fat Cat Records erschienen &#8211; der Verf.), aber das Demo war nicht sonderlich gelungen. Da siehst du wieder, dass sich eine Band ständig entwickelt und besser und besser wird.&#8221;</p>
<p>Oder auch umgekehrt, siehe &#8230; nun, so ziemlich alle Bands, die mit ihrem Debüt den Durchbruch schaffen. </p>
<p><em>Kai Florian Becker (Frühjahr 2000)</em></p>
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