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	<title>KAI FLORIAN BECKER (KFB) &#187; exklusives</title>
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		<title>Jana Förster: Es ist nur ein Job</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 23:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Jana Förster wollte nicht kellnern oder Zeitungen austragen wie ihre Klassenkameradinnen und -kameraden. Stattdessen wurde sie mit 18 Jahren GoGo-Tänzerin und später Stripperin. Heute ist die 28-Jährige glücklich verheiratet, Mutter einer vierjährigen Tochter und in der Finanzbranche tätig. Was sie seinerzeit beim Strippen alles erlebte, schrieb sie in dem Buch "Ausgezogen" nieder.

Sie sind heute ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jana Förster wollte nicht kellnern oder Zeitungen austragen wie ihre Klassenkameradinnen und -kameraden. Stattdessen wurde sie mit 18 Jahren GoGo-Tänzerin und später Stripperin. Heute ist die 28-Jährige glücklich verheiratet, Mutter einer vierjährigen Tochter und in der Finanzbranche tätig. Was sie seinerzeit beim Strippen alles erlebte, schrieb sie in dem Buch &#8220;Ausgezogen&#8221; nieder.<span id="more-795"></span></p>
<p>Sie sind heute in der Finanzbranche tätig, früher haben Sie gestrippt &#8211; womit lässt sich leichter Geld verdienen?<br />
Förster: &#8220;Das ist nicht so einfach zu beantworten. Es lässt sich immer dann leicht Geld verdienen, wenn einem der Job Spaß macht. Das war in meinem Fall beim Strippen so und ist auch jetzt so.&#8221;</p>
<p>Nun haben Sie das Buch &#8220;Ausgezogen&#8221; veröffentlicht. Haben Sie nicht befürchtet, dass Ihre Vergangenheit Ihre derzeitigen Finanzkunden irritieren könnte? Zumal Sie recht offenherzig von Ihren damaligen sexuellen Erlebnissen berichten.<br />
Förster: &#8220;Meine Kunden kennen mich sehr gut und wissen, dass ich keine durchschnittliche Finanzberaterin bin. Ich bin anders und generell locker &#8211; auch im Umgang mit ihnen. Insofern habe ich keine Befürchtungen, dass sie mein Buch irritieren könnte. Ich gehe nicht von negativen Rückmeldungen aus. Die Leute können heutzutage mit sowas gut umgehen.&#8221;</p>
<p>Wie kommt man auf die nicht alltägliche Idee, zu strippen? Und wie reagierten Ihre Eltern?<br />
Förster: &#8220;Viele meiner Schulkameraden hatten sich seinerzeit Geld dazuverdient. Ich konnte mir allerdings nicht vorstellen, für ein paar Euro Zeitungen auszutragen oder zu kellnern. Ich entdeckte eine Zeitungsannonce, in der Frauen gesucht wurden, die tanzen konnten. Auf die habe ich mich ganz blauäugig beworben. Es stellte sich heraus, dass es um GoGo-Tanz ging. Ich tanzte vor, nahm mir eine Bedenkzeit heraus und sprach zwischendurch mit meinen Eltern. Die reagierten überraschenderweise entspannt und stellten mir nur einige Bedingungen &#8211; unter anderem, dass ich die Schule abschließen sollte. Ansonsten vertrauten Sie mir, dass ich nicht etwas tun würde, was ich nicht machen wollte. Sie wussten, dass ich nicht zu weit gehen würde. Die ersten Male fuhren sie sogar mit und wurden schnell meine größten Fans.&#8221;</p>
<p>Sie sind nie einen Schritt weiter gegangen &#8211; den hin zur Prostitution. Sicherlich gab es genügend lukrative Angebote. Wie schwer war es, den Verlockungen des Geldes zu wiederstehen?<br />
Förster: &#8220;Ich muss gestehen, dass ich wirklich nie gefragt worden bin, mich zu prostituieren. Ich weiß von einer damaligen Kollegin, dass sie später auf dem Strich landete. Mir hatte man nie ein solches Angebot unterbreitet. Wahrscheinlich, weil ich schnell die Leute aus dieser Branche erkannt hatte und sie mied. Prostitution ist von Striptease weiter entfernt als man denkt. Für mich war alles jenseits des Strippens tabu.&#8221;</p>
<p>Was war Ihre skurrilste Erfahrung als Stripperin?<br />
Förster: &#8220;Die Geschichte steht auch im Buch. Es war ein Strip mit einer Frau auf einer Erotikmesse. Die Presse war da, unendlich viele Zuschauer und alles ging schief. Erst bekam meine Partnerin heißes Wachs ins Auge, dann rasselten wir mit den Köpfen aneinander. Ich wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken.&#8221;</p>
<p>Gab es eine spezielle Musik, einen Song, zu dem Sie am liebsten strippten? Oder war die Musik von Auftrag zu Auftrag verschieden?<br />
Förster: &#8220;Für meine Einzelstrips hatte ich tatsächlich einen Lieblingssong. Ich bin ein großer Madonna-Fan und ließ immer ihren Song &#8216;Erotica&#8217; laufen. Dieses Lied ist Sinnlichkeit pur.&#8221;</p>
<p>Können Sie sich &#8216;Erotica&#8217; heute noch unbefangen hören?<br />
Förster: &#8220;Oh ja. Ich freue mich, sobald ich es im Radio höre. Was leider viel zu selten passiert. Dann kommen natürlich immer wieder all die Erinnerungen in mir hoch.&#8221;</p>
<p>Wie oft ist es Ihnen passiert, dass Sie sich die Männer mit aller Gewalt vom Leib halten mussten?<br />
Förster: &#8220;Es passierte recht häufig, dass einer zu aufdringlich wurde. Gott sei Dank wurden wir meist von einem Bodyguard begleitet. Bei Einzelstrips musste ich nur auf denjenigen aufpassen, der vor mir auf dem Stuhl saß, also den Auserkorenen, der betanzt wurde, auch Stuhlopfer genannt. Die meisten sind sehr verlegen und wollen durch eine Aktion alles ins Lächerliche ziehen, zum Beispiel, indem sie die Tänzerin irgendwo anfassen. Das war immer ein wenig knifflig. Es gab letztlich nur einen schlimmen Vorfall. Da hatte mich ein Mann angefasst, was sehr demütigend war. Ansonsten konnte ich mich immer gut wehren. Meine Highheels mit Pfennigabsatz waren dabei stets sehr hilfreich.&#8221;</p>
<p>Glauben Sie, dass sich manch ehemaliger Kunde in den Geschichten wiederfinden wird?<br />
Förster: &#8220;Ich denke schon. Aber ich habe die Namen und Orte abgewandelt. Klar, wenn ich von Stripkollegen oder von bestimmten Erlebnissen erzähle, dann könnten sich die Betroffenen schon erkennen. Wenn dem dann tatsächlich so sein sollte, gehe ich nicht davon aus, dass es die- oder derjenige zugeben würde.&#8221;</p>
<p>Hatten Sie seinerzeit einen Freund? Wie stand der zu der Sache?<br />
Förster: &#8220;Ich hatte bis auf zwei Mal keine feste Beziehung. Die taten anfangs sehr verständnisvoll, wollten aber mit der Zeit doch, dass ich mit dem Strippen aufhöre. Für mich ging das gar nicht, und damit war dann auch Schluss. Anders war es mit meinem heutigen Ehemann. Er war von Beginn an sehr tolerant, was mir sofort imponierte.&#8221;</p>
<p>Können Sie verstehen, dass Männer damit ein Problem haben, wenn die Freundin strippt?<br />
Förster: &#8220;Aus der unwissenden Sicht heraus: Ja. Aber wer sich damit auskennt oder auseinandersetzt, sollte wissen, wie es wirklich ist: Strippen ist ein Job und hat nichts mit echter Begierde zu tun. Man kann auf Knopfdruck einen lasziven Blick aufsetzen.&#8221;</p>
<p>Aber auch der aufgesetzte Blick kann den Freund rasend eifersüchtig machen.<br />
Förster: &#8220;Ich kann das bedingt nachvollziehen. Dennoch sollte man nicht zu viel rein interpretieren. Es ist nur ein Job. Zumal ich nie weitergegangen bin. Wenn bei einem Strip 50 Leute zuschauen, kam bei mir nie Erotik auf.&#8221;</p>
<p>Es geht für den Mann vielleicht nicht darum, was passiert, sondern darum, was der Zuschauer am liebsten mit Ihnen anstellen würde oder was er glaubt, in Ihnen zu sehen.<br />
Förster: &#8220;Stimmt, das ist ein schwieriges Thema. Da muss man als Frau stark sein und drüber stehen. Meine damaligen Freunde konnten das nicht. Auf der anderen Seite gehört es doch auch zum Leben dazu, der Fantasie ab und zu freien Lauf zu lassen und auf der Straße dem anderen Geschlecht hinterher zu schauen. Ich habe durch den Job eine ganz andere Einstellung zu der Sache bekommen. Ich finde es überhaupt nicht verwerflich, wenn mein Mann sich nach einer anderen Frau umdreht. Ich unterhalte mich dann sogar mit ihm darüber, dass sie einen tollen Hintern hat.&#8221;</p>
<p>Sind Sie sich als Stripperin nie benutzt vorgekommen? Schließlich haben Sie den Männern das geboten, nach was die verlangt hatten&#8230;<br />
Förster: &#8220;Nein, nie. Denn die Spielregeln hatte ich bestimmt &#8211; nicht die Männer. Es gab wie gesagt nur eine Situation, in der ein Typ mich unsittlich angefasst hatte. Das war sehr demütigend. Allerdings können davon auch viele andere Frauen berichten. Sowas passiert selbst in der Discothek oder auf Partys.&#8221;</p>
<p>Was war Ihr Geheimrezept beim Strippen? Worin haben Sie sich Ihrer Meinung nach von der Konkurrenz unterschieden?<br />
Förster: &#8220;Ich war nie die 90-60-90-Frau. Ich hatte nie die perfekten Masse und keine Beine bis zum Himmel. Ich war und bin Durchschnitt. Aber man sollte sich nie zu viel Gedanken um seinen Körper und seine Figur machen. Das braucht man nicht, solange man dem Mann das Gefühl gibt, dass man ihn begehrt und haben will. Das habe ich beim Strippen durch Gesten und Blickkontakt gut hinbekommen. Und genau das würde ich am liebsten der Frauenwelt weitergeben: Es bringt nichts, sich verrückt zu machen. Offenheit, Lockerheit und Natürlichkeit sind der bessere Weg.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Mai 2011)</p>
<p>&#8220;Ausgezogen: 33 verrückte und erotische Geschichten aus dem frivolen Leben einer Stripperin&#8221;, 208 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-89602-588-3, Schwarzkopf &#038; Schwarzkopf Verlag, Berlin 2011</p>
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		<title>Friss oder stirb!</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 05:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[exklusives]]></category>

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		<description><![CDATA[Stellen Sie sich mal vor, Sie würden bei Ihrem Arzt anrufen und nach einem Termin fragen - mit der Vorgabe, sie könnten werktags ab 15 Uhr. Die Sprechstundenhilfe sagt daraufhin, okay, morgen Mittag um 14 Uhr können Sie gerne kommen, da ist noch ein Termin frei.

Dieser Dialog spielt sich oft zwischen Plattenfirmen bzw. Promotion-Agenturen, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stellen Sie sich mal vor, Sie würden bei Ihrem Arzt anrufen und nach einem Termin fragen &#8211; mit der Vorgabe, sie könnten werktags ab 15 Uhr. Die Sprechstundenhilfe sagt daraufhin, okay, morgen Mittag um 14 Uhr können Sie gerne kommen, da ist noch ein Termin frei.<br />
<span id="more-403"></span><br />
Dieser Dialog spielt sich oft zwischen Plattenfirmen bzw. Promotion-Agenturen, die im Auftrag von Plattenfirmen arbeiten, und Journalist ab, wenn es um die Terminierung von Interviews geht. Verständnis dafür, dass der Journalist nicht den lieben langen Tag ständig parat sein kann (geschweige denn will), um ein Interview zu führen, gibt es fast nie.</p>
<p>Im Gegenteil: Nicht selten wird frei über die Zeit des Journalisten verfügt. Statt wie geplant um 17 Uhr ruft der Künstler, dessen Agent oder dessen Manager aus heiterem Himmel um 14:45 Uhr an und bittet darum, das Interview jetzt gleich machen zu wollen. Schließlich habe der Interviewte nachher man keine Zeit mehr. Friss oder stirb. Ob der Journalist bereits seine Fragen parat oder nichts anderes im Sinn hat, das steht selten zur Debatte.</p>
<p>Noch schöner ist es, wenn der Journalist nach getaner Arbeit, ergo in der Freizeit, einen Interviewtermin wahrzunehmen darf, um in den seltenen Genuss eines Gesprächs mit dem bekannten Musiker Icks Ypsilon zu kommen. Okay, für gewisse Künstler nimmt man dies mehr als gerne in Kauf. Doch wenn der Journalist letztlich zig mal die ihm zuvor auf streng geheimen Kanälen übermittelte Telefonnummer anklingelt und immer und immer wieder zur Mailbox weiter geleitet wird, dann muss man sich fragen, was das ganze Theater soll. Wenn der zu Interviewende im Nachhinein wenigstens einsichtig wäre und bemüht wäre, einen Ausweichtermin zu koordinieren, wäre alles in Ordnung. Pustekuchen! Der Dumme ist der Journalist. Der hat am Ende kein Interview, muss die Redaktion enttäuschen (die dann vielleicht noch an ihm Zweifel hegt) und damit einhergehend das erhoffte Honorar abschreiben. Dafür hat er immerhin auf dem Habenseite unzählige Anrufe auf ein Mobiltelefon im Ausland, massenweise Mails, eine nette Telefonrechnung, eine fertige Liste mit Fragen und mindestens einen verhunzten Abend. Wer dann noch meckert, ist sein Leben lang bei der Plattenfirma bzw. der Promotion-Agentur unten durch.</p>
<p>Sprechstundenhilfe: &#8220;Wer spricht da? Ach, Sie sind es. Oh nein, der Doktor ist derzeit leider nicht zu sprechen. Wir haben erst wieder einen Termin in einigen Wochen frei. Wie wäre es in zwei Monaten? Vormittags aber nur.&#8221;</p>
<p>Kai Florian Becker (Dezember 2009)</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Faith No More: Neuanfang zum lukrativen Sommer</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 12:46:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[features]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sensation ist perfekt: Faith No More sind zurück. Ergo die wichtigste Crossover-Band der Spätachtziger und Neunziger, die sehr gewagt, aber mit Erfolg Rock mit Metal, Punk, Funk und HipHop fusionierte und dank der Songs "From Out Of Nowhere", "Epic", "Be Aggressive" und dem Radiodauerbrenner "Easy" weltberühmt wurde. Ihre Pionierarbeit legte den Grundstein für ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Sensation ist perfekt: Faith No More sind zurück. Ergo die wichtigste Crossover-Band der Spätachtziger und Neunziger, die sehr gewagt, aber mit Erfolg Rock mit Metal, Punk, Funk und HipHop fusionierte und dank der Songs &#8220;From Out Of Nowhere&#8221;, &#8220;Epic&#8221;, &#8220;Be Aggressive&#8221; und dem Radiodauerbrenner &#8220;Easy&#8221; weltberühmt wurde. Ihre Pionierarbeit legte den Grundstein für den Welterfolg von Korn, Limp Bizkit und Linkin Park.<span id="more-267"></span></p>
<p>Der kräftig durcheinander geschüttelte Musik-Cocktail von Faith No More fand selbst in der kritischen Metalszene Anklang. Wobei nicht jeder Metalhead ein Fan der musikalischen Außenseiter wurde. Das britische Magazin &#8220;Kerrang!&#8221; aber kürte 1989 &#8220;The Real Thing&#8221; zum Album des Jahres. 1992 war die Band auf ihrem Höhenpunkt. Sie verkaufte von dem Album &#8220;Angel Dust&#8221; – auch wegen des immensen Erfolgs des Commodores-Covers &#8220;Easy&#8221; &#8211; weltweit drei Million Exemplare. Danach folgten noch zwei weitere Alben, aber die Erfolgskurve zeigte fortan nach unten. 1998 kam es schließlich zur längst erwarteten Auflösung. Bassist Billy Gould sagte damals gegenüber dem deutschen Metalmagazin &#8220;Rock Hard&#8221;: &#8220;Faith No More bestanden aus vielen unterschiedlichen Charakteren, die alle ihre eigene Meinung hatten und diese auch durchsetzen wollten. Deshalb gab es viel Streit. Wir standen eigentlich während all der Jahre an der Schwelle zur Auflösung. Was uns trotzdem zusammengehalten hat, war der kreative Kick, der sich nur in dieser ganz besonderen Konstellation entfaltete.&#8221;</p>
<p>Viele Jahre wünschten sich die Faith No More-Fans sehnlichst ein Comeback. Jetzt wurde ihr Flehen erhört. Nachdem die Bandmitglieder just bei einem Treffen mit großer Distanz auf ihre gemeinsame Vergangenheit zurückgeblickt hatten, erkannten sie, dass sie letztlich viel richtig gemacht hatten. Der besagte kreative Kick war wieder da. Genauere Gründe für das Comeback nannte die Band bislang nicht, Interviews hat sie bislang verweigert.</p>
<p>Fest steht indes, dass Faith No More in Kürze auf Open Air-Reise quer durch Europa gehen werden. Mit dabei sind Gould, der charismatische Sänger Mike Patton, Keyboarder Roddy Bottum und Schlagzeuger Mike Bordin. Jim Martin, der eigenwillige Kauz, der von 1984 bis 1993 ihr Gitarrist war, wollte nicht. Statt seiner ist John Hudson mit von der Partie. Ein kleiner Wermutstropfen für die Fans &#8211; aber lieber Faith No More ohne Martin als gar nicht.</p>
<p>Die Kunde von ihrem Comeback verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Auf Facebook berichten treue Anhänger von teils legendären Auftritten. 1992 hatte User Richard ein Konzert im NEC in Birmingham besucht: &#8220;Es war der Wahnsinn: Die Fans auf den bestuhlten Balkonen rissen die Bezüge der Sitze runter und schmissen sie in Richtung Band. Riesig. Es gab einen Sitzbezug-Regen epischen Ausmaßes.&#8221; Der dürfte ausbleiben, wenn Faith No More im Sommer auf einer Freiluftbühne stehen &#8211; wobei sich bekanntlich auch mit Bierbecherhaltern aus Pappe allerhand Unfug anstellen lässt.</p>
<p>Auch die Auftritte anno 2009 dürften in die Annalen eingehen. Abgesehen davon, dass Konzerte unter freiem Himmel seit jeher ihre Besonderheiten haben, wenn Faith No More auf der Bühne stehen, ist immer etwas los – auf und vor der Bühne. Patton, der Blickfang der Band, hält es nie lange still. Er rennt und hopst über die Bühne und entlockt dabei seinen Stimmbändern unglaubliche Geräusche: von lieblichem Gesang bis hin zu infernalischem Gebrüll.</p>
<p>Faith No More ist übrigens nicht die einzige Band, die es wieder wissen will bzw. wollte. Bereits 2004 tauchten die Pixies wie aus dem Nichts auf. Drei Jahre später traten nach Jahren Led Zeppelin wieder live auf. Im gleichen Jahr wagten The Police und Rage Against The Machine einen Neuanfang. Ihre baldige Rückkehr auf die Bühne angekündigt haben zudem The Jackson 5, Spandau Ballet, die deutschen Crossover-Helden Guano Apes, Jane&#8217;s Addiction, Limp Bizkit, Orbital, The Specials, Magazine und Blur. Die Liste ist endlos; die Bands stammen aus allen erdenklichen Genres.</p>
<p>Mitunter mögen rein finanzielle Gründe vorliegen. Eine Reunion-Tournee &#8211; insbesondere eine über Festivals mit hohen Gagensummen – spült viel Geld in die Bandkasse. Bei den anstehenden Auftritten werden Faith No More im Schnitt 125.000 Euro verdienen, schätzt Thilo Ziegler von der Agentur Presented for People, die selbst jährlich ein Festival auf die Beine stellt. Pixies sieht Ziegler derweil bei 100.000 Euro. Während der Verkauf von Tonträgern schon lange nicht mehr großen Gewinne abwirft, bommt das Live-Geschäft. Der Branchendienst &#8220;Musikwoche&#8221; meldete Ende März: &#8220;Das Live-Geschäft wächst solide, während die Tonträgerabsätze kontinuierlich schrumpfen. Einer Studie zufolge brachten die Konzerte anno 2008 weltweit 25 Milliarden Dollar Umsatz ein, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.</p>
<p>Natürlich gibt es auch künstlerische Gründe, die eine Band zum Comeback bewegen: Damon Albarn ist der festen Überzeugung, dass Blur nach wie vor eine Daseinsberechtigung haben. Und nachdem Selig alle angestauten Probleme aus dem Weg geräumt hatten, fanden auch sie wieder zusammen. &#8220;Es ist verrückt und zudem wundervoll, wieder ein Teil von Selig zu sein. Wir sind wie fünf Brüder, die sich nach einem Streit wieder versöhnt haben&#8221;, erklärt Sänger Jan Plewka. So mag es vielen neuen alten Bands ergangen sein.</p>
<p>Einige Musiker wehren sich allerdings vehement gegen ein Comeback. David Byrne liegt nichts an der Wiederauferstehung seiner Talking Heads. Ian Brown und John Squire haben mit The Stone Roses abgeschlossen, und Johnny Marr und Morrissey wollen The Smiths nicht wieder zu Leben erwecken.</p>
<p>Insofern war es nicht selbstverständlich, dass Faith No More, die neben Nirvana zu den ersten und wichtigsten Alternative Rock-Bands zählten, nach elf Jahren erneut zusammen gefunden haben. Es war viel Glück im Spiel und ist für die vielen Fans von einst ein großer Segen.</p>
<p>Kai Florian Becker (April 2009)</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Mike Patton: Einst Sänger von Faith No More</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Dec 2003 23:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beeindruckende Sänger gibt es derer viele. Unter jenen, die ihre Stimmbänder zu einer Kapitalanlage gemacht haben, die einen Schritt weiter gehen und ihre Stimme nicht ausschließlich zum Artikulieren von Worten, sondern auch von Tönen einsetzen, gibt es wenige. Die Stimme wird zum Instrument, zur Rhythmusmaschine ja, gar zum Geräusch-Labor. Das können mitunter seltsame und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beeindruckende Sänger gibt es derer viele. Unter jenen, die ihre Stimmbänder zu einer Kapitalanlage gemacht haben, die einen Schritt weiter gehen und ihre Stimme nicht ausschließlich zum Artikulieren von Worten, sondern auch von Tönen einsetzen, gibt es wenige. Die Stimme wird zum Instrument, zur Rhythmusmaschine ja, gar zum Geräusch-Labor. Das können mitunter seltsame und verstörende Klanggebilde sein, die bei einem Vokal-Akrobaten wie Mike Patton einer ist im Rachen entstehen.<span id="more-40"></span></p>
<p>Wenn er will, kann er singen wie ein junger Gott. Dann schmelzen die Damen im Publikum dahin &#8211; nicht nur ob seiner Ausstrahlung und seines Charmes. Anstatt dort weiterzumachen, wo er im April 1998 als Frontmann von Faith No More aufgehört hatte, kehrte er fortan den großen Bühnen den Rücken zu und vergrub sich im Untergrund. In Patton brodelte es seit einigen Jahren. Der Ruhm stieg ihm keineswegs zu Kopf. Er löste in ihm aber das Verlangen nach außergewöhnlichen Abenteuern aus. Vorbei die Zeiten, in der er die Commodores-Ballade &#8220;Easy&#8221; trällerte oder mit den Hits &#8220;Epic&#8221; oder &#8220;Midnight Crisis&#8221; das Stadionpublikum begeistert hatte. Es zog ihn an der Seite des Free Jazz- und Noise-Experimentalisten John Zorn auf die kleine Bühne des New Yorker Avantgarde-Clubs &#8220;Knitting Factory&#8221;, wo er ins Mikrofon schrie, hustete, rülpste, keuchte, stöhnte und gurgelte &#8211; die komplette Palette des oralen Klangarchivs. Was für viele FNM-Fans wie eine merkwürdige Kehrtwendung im Leben des Mike Patton ausgesehen haben mag, war in Wirklichkeit ein Schritt zurück zu den Wurzeln. Bevor er Ende der Achtziger zu FNM stieß, war Patton schon sechs Jahre lang Mitglied von Mr. Bungle. Mit High School-Freunden gründete er Anfang der Neunziger die in allen Belangen ungewöhnliche Band. Jeder musste sich ein Pseudonym zulegen &#8211; Patton wurde Vlad Drac &#8211; und gemeinsam wurden die Genre-Grenzen im Galopp übersprungen. Heavy Metal, Funk, Punk, Rock und Jazz wurden meist gleichzeitig durch den Wolf gedreht.</p>
<p>Wahrscheinlich hätten nie mehr als eine handvoll Musikverrückter von Mr. Bungle Notiz genommen, wenn Patton dem Angebot von Faith No More standgehalten hätte. So wurden FNM um eine Attraktion reicher &#8211; nämlich um einen charismatischen und scheinbar durchgeknallten Sänger, der auf der Bühne sein Innerstes nach Außen kehrte &#8211; und Mr. Bungle standen urplötzlich im Blickfeld der Medienwelt. Patton gab FNM nicht nur eine neue Stimme, er brachte zudem ein neues Image, mehr Vielfalt und Genialität mit. All das eben, was er sich jahrelang bei Mr. Bungle antrainiert hatte. Es ist müßig darüber zu spekulieren, wo FNM heute stehen würden. Fest steht, ihr Bassist werkelt nunmehr als Produzent, ihr Schlagzeuger trommelt bei Ozzy Osbournes Begleitband, ihre Gitarristen (gegen Ende wechselten sie im Halbjahresrhythmus) sind abgetaucht und Patton arbeitet wie ein Besessener an allen Fronten.</p>
<p>1999 gründete er mit Greg Werckman das Randgruppen-Label &#8220;Ipecac Records&#8221;. Dort veröffentlicht er Alben, die kein anderes Label auch nur geschenkt bekommen möchte. Ihnen fehlt der Mut zum Risiko, die Liebe zur Musik ist ihnen abhanden gekommen. Patton ist der kommerzielle Erfolg nicht egal. Aber er legt größeren Wert auf die Kunstfertigkeit seiner von ihm betreuten Künstler.</p>
<p>Wenn er sich nicht um das Label kümmert, probt er mit einem seiner zahlreichen Projekte. Entweder mit Mr. Bungle, die es nach wie vor geben soll. Oder mit den Krach-Terroristen Tomahawk oder den völlig durchgeknallten Fantômas. Zeit für Soloalben blieb auch. Die allerdings sind harte Brocken und nur absoluten Fans zu empfehlen. Keine Idee ist Patton zu abwegig, für nichts scheint er sich zu schade zu sein. Er hat sein Leben der Musik verschrieben und benötigt bis auf eine regelmäßige Dosis Kaffee keine Suchtmittel, um seinen Motor am Laufen zu halten.</p>
<p><strong>Info:</strong></p>
<p>Michael Allan Patton wurde am 27. Januar 1968 im kalifornischen Städtchen Eureka geboren. Im Alter von 15 Jahren gründete er die sagenumwobenen Mr. Bungle. Sechs Jahre später wurde er für den frei gewordenen Posten als Sänger von Faith No More engagiert. Mit ihnen nahm er die Alben &#8220;The Real Thing&#8221;, &#8220;Angel Dust&#8221;, &#8220;King For A Day, Fool For A Lifetime&#8221; und &#8220;Album Of The Year&#8221; auf. Nach ihrem Aus gründete er 1999 das Label &#8220;Ipecac Records&#8221;, auf denen er Alben der nicht minder verrückten Melvins, der Country-Band The Lucky Stars oder der eigenen Projekte Fantômas und Tomahawk veröffentlicht hat. 1996 und 1997 erschienen die schwer verdaulichen Soloalben &#8220;Adult Themes For Voice&#8221; und &#8220;Pranzo Oltranzista&#8221;. Demnächst steht das Debüt seines neuen Projekts Peeping Tom an.</p>
<p><em>Kai Florian Becker (im Januar 2003)</em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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