Fräulein C: Märchenhaft düstre Heimat

2010, in features

“Dunkle Heimat – Märchenbilder” lautet der Titel einer Ausstellung, die am 5. August im Rahmen der diesjährigen Saarbrücker Sommermusik im Kulturfoyer eröffnete. Zu sehen sind 16 Bilder der Fotokünstlerin Fräulein C. Ihre Bilder, 13 davon mit Menschen, drei mit Kühen, sind zweifelsohne anders. “In den meisten Fällen zeigen Fotos nicht wie man ist, sondern nur wie man gern sein möchte – die schöne halbe Wahrheit also. Ich indes liebe die ganze Wahrheit, die Emotionen und die Realität”, sagt Fräulein C, die eigentlich Cora Staab heißt. Mit malerischen Elementen lässt sie ihre Fotos zu düsteren Kunstwerken werden – zumindest wenn es keine Auftragsarbeiten für Werbezwecke sind.

Die 33-jährige Mittelfränkin wuchs in Erlangen auf und zog im Frühjahr 2009 nach Saarbrücken. Hier entdeckte sie ihre Lust und Freude am Fotografieren. Seitdem genießt sie es, auf den Auslöser respektive die “Pausetaste fürs Leben” zu drücken und diese am Computer in Kunstwerke zu verwandeln.

Es ist erstaunlich, dass sich Staab innerhalb weniger Monaten in der Fotografenszene einen Namen gemacht hat. Und nicht nur dort: Es überrascht sie immer wieder, wenn sie auf der Straße auf ihre Bilder angesprochen wird. Sie scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Nicht von ungefähr reisen für ihre Fotosessions Models auf eigene Kosten sogar aus Berlin an. Es sind ausnahmslos alternative Hobbymodels, mit Tätowierungen, Piercings und insbesondere einem gehörigen Maß an Ausdrucksstärke. Staab fotografiert nicht jeden. Ihre Modelle sollen den Betrachter in ihren Bann ziehen; sie sind anders und keineswegs normal oder gewöhnlich.

Gleiches kann man über die Werke ihrer Ausstellung sagen. Da wäre etwa Rotkäppchen, die tot auf einem Waldboden liegt, mit einer blutverschmierten Spritze in der Hand. Staabs Vorstellung von Märchen ist eine modernisierte, verdrehte und schaurige. Ein anderes Bild zeigt den im Nauwieser Viertel bekannten Sean Pluck als stolzen, bedrohlich erscheinenden König. Diese Fototransformation erinnert an einen herrschsüchtigen Monarchen vom Hamburger Kiez, aber partout nicht an Grimms Märchen.

Staab hofft natürlich, dass ihre erste Ausstellung ein Erfolg wird. Nur zu gerne würde sie ihr Hobby zum Beruf machen. Ein erster Schritt ist getan: Derzeit arbeitet sie für das saarländische Magazin saar-scene. Sie kann es kaum erwarten, den nächsten folgen zu lassen.

Kai Florian Becker (Juli 2010)

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