The Soft Moon: Live kraftvoller und intensiver

Multiinstrumentalist und Produzent Luis Vasquez macht seit 2009 unter dem Namen The Soft Moon Musik. Mit seinem düsteren Postpunk/Darkwave/Industrial Rock kommt der US-Amerikaner am Sonntag nach Saarbrücken. Ein Gespräch mit ihm.

 

Wann realisierten Sie, dass sie Vollzeitmusiker sein wollen?
Die Musik wurde kurz nach Erscheinen meines zweiten Albums „Zeros” im Jahr 2012 zum Vollzeitjob. Ich wusste allerdings schon mit zwölf Jahren, dass ich Musiker werden wollte. Damals war ich generell sehr auf Kunst fixiert, ich musste mich nur noch für eine Kunstdisziplin entscheiden. Letztlich entpuppte sich die Musik als die natürlichste Wahl.

 

Wie würden Sie Ihre Musik jemandem beschreiben, der noch keinen Ihrer Songs gehört hat?
In der Regel beschreibe ich sie erst einmal als düster. Dann würde ich sie auch als launisch, tanzbar, atmosphärisch und intensiv bezeichnen. Manchmal erwähne ich dann noch The Cure und Depeche Mode, wenn die Leute völlig planlos sind.

 

Müssen Sie fürs Komponieren in einer bestimmten Stimmung sein?
Ironischer Weise muss ich in einer sehr guten Stimmung sein, um Songs zu schreiben. Und dann zerstöre ich diese im Prozess des Komponierens völlig. (lacht)

 

In einer Kritik zu ihrem aktuellen Album „Criminal“ wurde gemutmaßt, dass sie mit inneren Dämonen zu kämpfen hätten. Hat dies tatsächlich beim Komponieren eine Rolle gespielt?
Ich kämpfe schon mein ganzes Leben lang mit inneren Dämonen, und ich setze die Musik als Waffe gegen sie ein. Ich kann nicht sagen, wo all die Dämonen herkommen und ich ringe mit mir, zu verstehen, warum ich sie habe. The Soft Moon ist ein Weg für mich, Antworten zu finden und zu erkennen, warum ich fühle, wie ich mich in mir drin fühle.

 

Die Songs schreiben Sie alleine, auf der Bühne werden Sie von zwei Musikern begleitet. Klingen die Songs live anders als auf Platte?
Die Liveshow ist eine eigenständige Angelegenheit. Sie lebt und atmet den Moment. Live werden die Songs so gut es geht repliziert – mit einigen kleineren notwendigen Änderungen hier und da für eine starke Bühnenpräsenz. Generell sind die Liveversionen der Songs kraftvoller und intensiver.

Kai Florian Becker (März 2018)

Louka: Ich hatte Glück

Die Saarländerin Lisa Marie Neumann, besser bekannt als die Pop-Singer/Songwriterin Louka, lebt seit drei Jahren in Berlin. Zuvor studierte die 31-Jährige Popmusikdesign an der Popakademie in Mannheim, wo sie auch ihre frühere Band marie and the redCat fand. Ein Gespräch mit Neumann im Rahmen ihres jüngsten Abstechers ins Saarland.

Wann hatten Sie realisiert, dass Sie singen und live auftreten wollen? Gab es einen entscheidenden Moment?
Es gab nicht diesen einen Tag. Ich habe schon immer Musik gemacht. Ich spielte bis ich 15 oder 16 war Geige. Dann war ich von der Klassik genervt und habe – mehr schlecht als recht – Gitarre gelernt. Ich begann, eigene Songs mit englischen Texten zu schreiben und hatte verschiedene Bands – eine davon war marie and the redCat. Weiterlesen

Donots: Musik kann die Welt nicht verändern

Die Resonanz auf „Lauter Als Bomben“, das neueste Album der Münsteraner Punk/Alternative Rocker Donots, ist flächendeckend positiv. Mit Platz vier haben die fünf Musiker hierzulande sogar ihre bis dato höchste Album-Chartplatzierung erreicht. Ein Gespräch mit Sänger Ingo Knollmann.

Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Musik lauter als Bomben sein können? Oder wie ist der Titel zu verstehen?
Nein. Wenn man es ganz platt betrachten will, so glaube ich nicht, dass Musik die Welt verändern kann. Aber ein Song kann durchaus dabei helfen. Ich bin mir im Klaren darüber, dass wir Unterhaltung machen, selbst wenn in unseren Texten sozialkritische oder politische Aussagen mitschwingen. Das sollte bei einer Punkband auch bestenfalls so sein. Der Albumtitel kommt ja in zwei Songtexten vor und hat ein Mal eine positive und ein Mal eine negative Entsprechung. Das Negative bezieht sich auf die Kriegstreiberei und das 140-Zeichen-Großbuchstaben-Getwitter, das derzeit weltweit grassiert. Auf der anderen Seite soll „Lauter Als Bomben“ positive Signale senden, wenn es an einer Stelle heißt: „Unsere Köpfe könnt ihr niemals haben / Weil unsere Herzen lauter als Bomben schlagen“. Weiterlesen

Tocotronic: Die Unendlichkeit

Die Hamburger Schule haben Tocotronic längst hinter sich gelassen und sich seit deren Hochzeiten weiterentwickelt. Ihre Musik ist nicht nur erwachsener und erhabener, sondern auch vielfältiger geworden. Ihr neuestes Werk, „Die Unendlichkeit“, ist größtenteils ein Rock-Album. Das eröffnet mit einem regelrechten Wow-Effekt: dem Titelstück, in dem Postrock-Einflüsse mit schwerfälligen, dunklen Gitarrenakkorden, die schon als Black Metal-Anklänge beschrieben wurden, und psychedelischen Soundflächen fusionieren. Sofort haben Tocotronic die Aufmerksamkeit des Hörers geweckt. Die ist ihnen auch in der Folge sicher: In „Electric Guitar“ galoppiert die Band von Streichern begleitet durch die Prärie, während Frontmann Dirk von Lowtzow von einer jugendlicher Liebe, Haarspray und Pickeln erzählt. Der „Musikexpress“ fühlte sich nicht ganz zu Unrecht an Chris Isaak erinnert. Experimentell wird es in „Unwiederbringlich“, ein Lied über den Tod. Kurz vors Ende haben Tocotronic die Akustikballade „Ich Würd’s Dir Sagen“ und das epische „Mein Morgen“ platziert und damit viel zur Dynamik dieses Albums beigetragen. Weiterlesen

Interview: Baroness

John Dyer Baizley ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Baroness. Die ist für Progressive/Sludge Metal ebenso bekannt wie für die von Baizley gezeichneten Coverbilder und die Tatsache, dass jedes Album nach einer Farbe benannt ist. Ein Gespräch mit Baizley, der mit Baroness gerade durch Europa tourt. Weiterlesen

Slowdive: Slowdive

22 Jahre nach ihrem letzten Album wieder neue Musik zu veröffentlichen, das kann man mal machen. Das ist auch gerne gesehen, wenn das Ergebnis so klingt wie „Slowdive“, das Comeback-Album gleichnamiger Band. Vielleicht stehen die Sterne heutzutage besser für das Quintett aus dem englischen Reading. Leider reichte es in der ersten Phase ihrer Karriere nicht für die erste Liga. Ihr Shoegaze/Dreampop-Sound war damals schon gut, aber die mediale Aufmerksamkeit wurde anderen Bands aus diesem seinerzeit florierenden Genre zuteil: My Bloody Valentine und The Jesus And Mary Chain etwa. Zudem haderten einige Kritiker mit dem Sound der Band. Weiterlesen

Gorilla: Humanz

Seit einigen Wochen infiltrieren sie die sozialen Netzwerke mit Kurzvideos, Bildern, Nachrichten und Vorabsongs: die Gorillaz. Sieben Jahre nach ihrem letzten Album, dem auf einem iPad produzierten „The Fall“, meldet sich die virtuelle Comic-Band von Damon Albarn, bekannt als Frontmann der einstigen Oasis-Rivalen Blur, und Illustrator/Zeichner Jamie Hewlett doch wieder zurück. Weiterlesen

Sophia: Definitiv Sophia und definitiv anders

Robin Proper-Sheppard gründete 1995, nach dem Aus des Post-/Alternative Rock-Trios The God Machine (1990-1994), die Indieband Sophia. Mit der hat er bis dato sechs Studioalben veröffentlicht, die von atmosphärischem, melancholisch-traurigem Indierock geprägt sind. Fröhliche Songs zu schreiben, konnte Proper-Sheppard bisher keine schreiben. SZ-Mitarbeiter Kai Florian Becker sprach mit ihm auch darüber. Weiterlesen

Max Richter und Minor Victories: Von und hin zur Klassik

Pop- und Rockkünstler tendieren dazu, etwa alle zwei bis fünf Jahre neue Musik oder ein neues Album zu veröffentlichen. Bei Klassikkomponisten ist das anders. Wer sich anschaut, was beispielsweise der in Deutschland geborene Brite Max Richter allein in letzten drei Jahren an neuer Musik hervorgebracht hat, wird sich verwundert die Augen reiben: Das Angebot reicht von seinem fast achteinhalbstündigen Mammut-Album „Sleep“ über Musik für TV Serien (siehe „The Leftovers“) bis hin zu Film-Soundtracks. Weiterlesen

Andrew Falkous (Future Of The Left): Kein großer Marilyn Manson-Fan

Als die renommierte Noiserock-Band Mclusky und das Dancepunk-Quintett Jarcrew auseinander brachen, entstand anno 2005 Future Of The Left. Nach einige Umbesetzungen besteht die walisische Noise/Post-Hardcore-Band heute aus den Ex-Mclusky-Mitgliedern Andrew Falkous und Jack Egglestone sowie Julia Ruzicka (Bass, Ex-Million Dead). Ein Gespräch mit Falkous über Mclusky und Future Of The Left. Weiterlesen