Interview: Baroness

John Dyer Baizley ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Baroness. Die ist für Progressive/Sludge Metal ebenso bekannt wie für die von Baizley gezeichneten Coverbilder und die Tatsache, dass jedes Album nach einer Farbe benannt ist. Ein Gespräch mit Baizley, der mit Baroness gerade durch Europa tourt. Weiterlesen

Slowdive: Slowdive

22 Jahre nach ihrem letzten Album wieder neue Musik zu veröffentlichen, das kann man mal machen. Das ist auch gerne gesehen, wenn das Ergebnis so klingt wie „Slowdive“, das Comeback-Album gleichnamiger Band. Vielleicht stehen die Sterne heutzutage besser für das Quintett aus dem englischen Reading. Leider reichte es in der ersten Phase ihrer Karriere nicht für die erste Liga. Ihr Shoegaze/Dreampop-Sound war damals schon gut, aber die mediale Aufmerksamkeit wurde anderen Bands aus diesem seinerzeit florierenden Genre zuteil: My Bloody Valentine und The Jesus And Mary Chain etwa. Zudem haderten einige Kritiker mit dem Sound der Band. Weiterlesen

Gorilla: Humanz

Seit einigen Wochen infiltrieren sie die sozialen Netzwerke mit Kurzvideos, Bildern, Nachrichten und Vorabsongs: die Gorillaz. Sieben Jahre nach ihrem letzten Album, dem auf einem iPad produzierten „The Fall“, meldet sich die virtuelle Comic-Band von Damon Albarn, bekannt als Frontmann der einstigen Oasis-Rivalen Blur, und Illustrator/Zeichner Jamie Hewlett doch wieder zurück. Weiterlesen

Sophia: Definitiv Sophia und definitiv anders

Robin Proper-Sheppard gründete 1995, nach dem Aus des Post-/Alternative Rock-Trios The God Machine (1990-1994), die Indieband Sophia. Mit der hat er bis dato sechs Studioalben veröffentlicht, die von atmosphärischem, melancholisch-traurigem Indierock geprägt sind. Fröhliche Songs zu schreiben, konnte Proper-Sheppard bisher keine schreiben. SZ-Mitarbeiter Kai Florian Becker sprach mit ihm auch darüber.

Wer das Facebook-Profil Ihrer Band verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass Sie geradezu euphorisiert sind von ihrer aktuellen Band. Täuscht dieser Eindruck?
Keineswegs. Das großartigste an dieser Band ist, dass alles – und ich meine wirklich alles – möglich zu sein scheint. Egal ob es die frühen, sehr atmosphärischen Sophia-Songs oder die später wesentlich härteren und krachigeren sind, sie schaffen alles spielend und verleihen den Songs ihren eigenen Touch und, was noch wichtiger ist, ihre eigene Energie. Wir haben Sophia auf das nächste Level gehoben. Das fing damit an, wie sie sich im Studio so locker und fließend durch die verschiedenen Texturen des Albums „As We Make Our Way (Unknown Harbours)” gespielt haben. Es ist ein vielschichtiges Album mit vielen Texturen und wechselnder Dynamik. Erst als wir für die Tour zum Album die Songs probten, realisierte ich, wie gut wir auch die alten Songs auf die Bühne bringen würden. Eine großartige Band!

Inwieweit ist „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ anders als die Vorgängeralben?
Es ist definitiv ein Sophia-Album, und es ist definitiv anders. Wie gesagt: Es gibt viele neue Texturen und Dynamiken, die ich auf den vorherigen Alben nie so gut einfangen konnte. Was wohl daran liegt, dass ich einen veralteten Ansatz bei den Aufnahmen wählte. Statt mit dem Computer all die kleinen Unvollkommenheiten, die ein persönliches Album ausmachen, mit dem Computer auszubessern – ein Prozess, der vielen modernen Alben jeglichen menschlichen Touch raubt -, setzte ich auf eine moderne Bandmaschine. Wir nahmen live und ohne die üblichen Sicherheiten auf. Ich versuchte so, die Seele des Albums nicht zu verlieren.

Können Sie sich vorstellen, je einen fröhlichen, aufbauenden Song zu schreiben?
Nun, einige Menschen sind der Meinung, dass die Traurigkeit in meinen Songs einen aufbauenden Charakter hat. Aber werde ich je einen zutiefst fröhlichen Song schreiben? Ich weiß es wirklich nicht.

In den letzten Jahren haben Sie auch als Produzent gearbeitet. Wie wohl fühlen Sie sich auf der anderen Seite des Mischpults?
Ich liebe das Produzieren. Es raubt dir eine Unmenge an Energie, und du musst dich für zehn, zwölf, manchmal gar 14 Stunden am Tag voll konzentrieren. Doch es zahlt sich aus. Ich wollte immer Lehrer werden, aber ich verließ die Universität, um Rock’n’Roller zu werden. So wurde das mit dem Lehrer nichts. Doch jetzt kann ich anderen helfen und sie an meinem Wissen, meiner Erfahrung und hoffentlich auch meinem Enthusiasmus teilhaben lassen.

Vor fast einem Jahr erschien von der schottischen Postrock-Band Mogwai der Soundtrack „Atomic“, auf dem auch Sie zu hören sind. Wie kam‘s?
Es ist einfach passiert. (lacht) Ich machte mich nach Schottland auf, um meinen guten Freund Malcolm Middleton, der in St. Andrews lebt, zu treffen. Auf dem Weg dahin machte ich in Glasgow einen Zwischenstopp, um die Jungs von Mogwai, die ich schon lange kenne, zu besuchen. Sie legten gerade letzte Hand an „Atomic“ an. Stuart Braithwaite und Martin Bulloch sagten: Schnapp dir eine Gitarre! Dann machten sie sich zu einem Fototermin auf, und ich war mit Produzent Tony Doogan für vier Stunden allein im Studio. Als die Jungs zurückkamen, waren wir schon fertig. Es war ein wirklich kleiner Part, aber Tony mochte ihn sehr und fand, er verleihe dem Song noch mehr Charakter. Ich war mir nicht sicher, ob mein Part auf dem Album landen würde. Aber ich war sehr stolz, als es letztlich so kam.

Kai Florian Becker (März 2017)

Max Richter und Minor Victories: Von und hin zur Klassik

Pop- und Rockkünstler tendieren dazu, etwa alle zwei bis fünf Jahre neue Musik oder ein neues Album zu veröffentlichen. Bei Klassikkomponisten ist das anders. Wer sich anschaut, was beispielsweise der in Deutschland geborene Brite Max Richter allein in letzten drei Jahren an neuer Musik hervorgebracht hat, wird sich verwundert die Augen reiben: Das Angebot reicht von seinem fast achteinhalbstündigen Mammut-Album „Sleep“ über Musik für TV Serien (siehe „The Leftovers“) bis hin zu Film-Soundtracks.
Nun hat Richter, der gemeinhin der zeitgenössischen Klassik zugeordnet wird, eine musikalische Hommage an die englische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882-1941) komponiert. „Three Worlds: Music From Woolf Works“ (Deutsche Grammophon/Universal) basiert auf Richters Arbeit für „Woolf Works“, eine Produktion des Ballett-Choreografen Wayne McGregor, die 2015 am Londoner Royal Opera House Premiere feierte. Die Songs wurden inspiriert von Woolfs Werken „Mrs Dalloway“ (1925), „Orlando – eine Biographie“ (1928) und „Die Wellen“ (1931). Ergänzt werden Richters Kompositionen durch Woolfs Stimme, entlehnt von der einzig existierenden Tonaufnahme von ihr, die 1937 von der BBC angefertigt wurde. Auch Schauspielerin Gillian Anderson, bekannt aus den TV-Serien „Akte X“, „Hannibal“ und „The Fall – Tod in Belfast“, ist zu hören. Sie liest in dem fast 22-minütigen Stück „Tuesday“ den rührenden wie deprimierenden Abschiedsbrief vor, den Woolf kurz vor ihrem Selbstmord an ihren Ehemann Leonard Sidney Woolf verfasst hatte.
Richters Lieder sind ruhig, getragen, besinnlich und im Hinblick auf Instrumentierung und Stimmung abwechslungsreich. Zum Klavier gesellen sich in „Words“ Streicher und in „Love Songs“ Naturgeräusche. Kein Lied als solches, sondern eine Art düsteres Dröhnen ist „Morphology“. In dem melancholischen „In The Garden“ erklingt das Deutsche Filmorchester Babelsberg, und in „Entropy“ wechselt Richter von der Klassik in die Welt der atmosphärischen Elektronik. Auch in „Persistence Of Images“ und „Genesis Of Poetry“ experimentiert er mit modernen Sounds, was bei zeitgenössischen Komponisten keine Seltenheit ist – siehe Nils Frahm und Jóhann Jóhannsson.

Während Richter stellenweise von der Klassik ins Electro-Genre wechselt, kommen Minor Victories vom Dreampop/Shoegaze/Postrock in die Klassik. Die Band von Rachel Goswell, Frontfrau der reformierten Dreampop/Shoegaze-Oldies Slowdive, Editors-Gitarrist Justin Lockey, dessen Bruder James Lockey (Bass) und Mogwai-Gitarrist Stuart Braithwaite veröffentlicht sieben Monate nach ihrem Debüt eine neue Version des Albums namens „Orchestral Variations“ (PIAS/Rough Trade). Sie haben die ursprünglichen Songs, die u.a. auf Streicherarrangements basieren, dekonstruiert, die Gesangsspuren gelöscht, mit Piano, Streichern, Percussions und Keyboard neu aufgenommen und in einer anderen Reihenfolge angeordnet. „Orchestral Variations“ ist ein eigenständiges Klangerlebnis und keineswegs ein gewöhnliches Remixalbum geworden.

Kai Florian Becker (Januar 2017)

Andrew Falkous (Future Of The Left): Kein großer Marilyn Manson-Fan

Als die renommierte Noiserock-Band Mclusky und das Dancepunk-Quintett Jarcrew auseinander brachen, entstand anno 2005 Future Of The Left. Nach einige Umbesetzungen besteht die walisische Noise/Post-Hardcore-Band heute aus den Ex-Mclusky-Mitgliedern Andrew Falkous und Jack Egglestone sowie Julia Ruzicka (Bass, Ex-Million Dead). Ein Gespräch mit Falkous über Mclusky und Future Of The Left. Weiterlesen

Daughter: Die Band gewann, die Liebe verlor

Ihr erstes Album, „If You Leave“ (2013), war wirklich gut. Aber auf ihrem zweiten, Anfang des Jahres veröffentlichten Werk „Not To Disappear“ konnte sich das aus London stammende Trio Daughter nochmals steigern. Darauf bieten sie eine Synthese aus Shoegaze, Postrock und The xx. Ein Gespräch mit Elena Tonra (Gesang, Gitarre) über ihre Band, ihre Texte und ihre Schüchternheit auf der Bühne. Weiterlesen

Me + Marie: Faible für Sprachen

Maria De Val und Roland Scandella sind Me + Marie. Sie stammt aus Südtirol, ist studierte Jazzschlagzeugerin und auch Mitglied der Südtiroler Popband Band Ganes. Er kommt aus Graubünden (Schweiz), war früher Radioredakteur und in diverse Rock- und Soloprojekte involviert. Als De Val mit Ganes in der Schweiz auf Werbereise war, lernten sie sich kennen. Kurz darauf war sie Backgroundsängerin bei ihm. Mitte 2014 entstand die Idee, das Indiepop-Duo Me + Marie zu gründen. Im Mai erschien das Debütalbum („One Eyed Love“) der Wahlmünchner. Ein Gespräch mit den beiden. Weiterlesen

Metallica: Hardwired… To Self-Destruct

Über Metallica zu lästern, ist ein Leichtes. Gründe dafür gibt es gleich mehrere: Der nach Meinung vieler Fans unsympathische und mittelmäßige Schlagzeuger Lars Ulrich. Die zahlreichen musikalischen Enttäuschungen seit dem 1988er Album „… And Justice For All“ (Oder doch schon seit „Masters Of Puppets“ von 1986, dem letzten Album mit dem legendären Bassisten Cliff Burton?) Die in der Doku „Some Kind Of Monster“ zur Schau getragenen, teils peinlichen Bandquerelen. Und nicht zuletzt James Hetfields jüngste Äußerungen, er genieße es, in seiner Freizeit Tiere zu jagen: „Das ist etwas zutiefst Befriedigendes. Je näher ich dem Tod komme, desto lebendiger fühle ich mich.“ Puh, das muss erst mal verdaut werden. Weiterlesen

Nick Cave & The Bad Seeds: Skeleton Tree

Als im Februar 2013 „Push The Sky Away“ auf den Markt kam, kam die Frage auf, ob Nick Cave & The Bad Seeds dieses je übertreffen werden können. „Push The Sky Away“ ist auch viele Monate nach seinem Erscheinen noch das bis dato beste Werk der Band, da unglaublich intensiv, spannend und lebendig. Als im Juli des vergangenen Jahres Nick Caves 15-jähriger Sohn Arthur, einer von Vieren, in der Nähe seiner Heimatstadt Brighton von einer Klippe stürzte und verstarb, war offen, ob und wann die Band ein weiteres Album aufnehmen werde. Denn wie würde der Mann, der sich in seinen Texten häufig mit der düsteren Seite des Lebens befasst, dieses Unglück verarbeiten? Weiterlesen